Steigende Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen
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Wenn Arbeit krank macht

13.05.2019

Stress bei der Arbeit kann krank machen.
Stress bei der Arbeit kann krank machen. (Oliver Berg / dpa)

Bremen sogar noch über Bundestrend

Betroffene leben oft Jahre mit den Symptomen, suchen verschiedene Fachärzte auf und können die Krankheit dennoch nicht heilen, weil die zugrunde liegenden Konflikte nicht gelöst werden. So entsteht ein Kreislauf aus Krankschreibung und sozialer Rückzug und das Risiko, dass die psychische Erkrankung chronisch wird, steigt an.

Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Ängste belegen mittlerweile sogar einen Spitzenplatz bei den Ausfalltagen im Beruf. Die Zahl der Fehltage von Erwerbstätigen hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdreifacht – auf rund 246 Fehltagen je 100 Versicherte im Jahr 2016. In Bremen entfiel der größte Anteil der Fehlzeiten mit 313 Ausfalltagen auf Muskel-Skelett-Erkrankungen, wie etwa akute und chronische Rückenschmerzen. Dabei gilt, dass circa 60 bis 80 Prozent der chronischen Rückenschmerzen eine psychosomatische Ursache haben. Es folgen weitere psychische Erkrankungen mit 269 Fehltagen je 100 Versicherte – besonders häufig trifft es danach Beschäftigte der öffentlichen Verwaltung mit 377 Tagen.

Ambulante Reha im ZSG Bremen

Henning Faulenbach kennt die Menschen hinter diesen Zahlen. Er ist Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit (ZSG), das im September 2015 in Bremen eröffnet hat. Das Zentrum, das zur Dr. Becker Klinikgruppe mit Sitz in Köln gehört, verfolgt einen besonderen Ansatz: Hier wird die medizinische Rehabilitation mit beruflicher Rehabilitation verknüpft und der berufliche Wiedereinstieg so erleichtert oder gar erst möglich gemacht. „Unser Angebot ist darauf ausgerichtet, die Patienten bei der Wiedereingliederung in den Beruf oder bei einer beruflichen Neuorientierung, etwa durch Umschulungen, zu unterstützen“, erklärt Faulenbach. Im Vordergrund stehe immer zunächst die Behandlung der psychischen bzw. psychosomatischen Erkrankungen. Im Anschluss wird die berufliche Wiedereingliederungen oder Neuorientierungen durch das Zentrum intensiv begleitet. Manchmal reichen schon Veränderungen am Arbeitsplatz aus, um krank machende Konflikte oder Belastungen zu vermeiden. Das könne etwa ein anderes Schichtmodell sein, der Wechsel in einen anderen Bereich, wo beispielsweise weniger Lärm herrsche, oder andere Einflüsse, die die Beschwerden verstärkten, erläutert Faulenbach. Um das Ganze möglichst reibungslos und transparent zu gestalten und vor allen Dingen auch, um den Patienten zu entlasten, kann auch frühzeitig mit dem Arbeitgeber Kontakt aufgenommen und geklärt werden, wie ein Wiedereinstieg aussehen kann. Die Kontaktaufnahme geschehe aber nur auf Wunsch des Patienten, betont der Arzt.

Henning Faulenbach leitet das Zentrum für Seelische Gesundheit mit den Schwerpunkten psychosomatische Behandlungen und Psychotherapie.
Henning Faulenbach leitet das Zentrum für Seelische Gesundheit mit den Schwerpunkten psychosomatische Behandlungen und Psychotherapie. (Kristina Bumb)

Ganzheitlicher Ansatz

Das Bremer Zentrum für seelische Gesundheit ist eine ganztägige ambulante Reha-Einrichtung. Das bedeutet, dass die Patienten morgens ins Zentrum kommen und verschiedene Behandlungen und Therapien wahrnehmen. Am Nachmittag, meist gegen 15.30 Uhr, ist der Kliniktag beendet und sie fahren wieder nach Hause zu ihren Familien. Besonders für Menschen, die private Verpflichtungen haben und sich daher scheuen, eine komplette Auszeit zu nehmen, ist eine ambulante Behandlung ideal. 48 Plätze bietet die Einrichtung derzeit an. Die Patienten kommen aus einem Umkreis mit bis zu 45 Minuten Fahrtzeit. So ist gewährleistet, dass sich privater Alltag und der Aufenthalt in der Klinik gut miteinander vereinbaren lässt und nicht zusätzlich Stress oder Druck auslöst. „Bei der Rehabilitation verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der sich unter anderem in einem multiprofessionellen Team aus Ärzten, Psychotherapeuten, Physio- und Ergotherapeuten, Ernährungsberatern, Sozialarbeitern und Sporttherapeuten ausdrückt“, so der Chefarzt des Zentrums. Für jeden Patienten gebe es einen maßgeschneiderten Therapieplan. Im Schnitt dauere eine ambulante Reha fünf Wochen, gelegentlich auch etwas länger. Im Anschluss können die Patienten an einem sechsmonatigen ambulanten Nachsorgeprogramm (Psyrena) teilnehmen.

Wer Fragen dazu hat oder wissen möchte, ob diese Art von Maßnahme für sie oder ihn geeignet ist, ist donnerstags von 10 bis 12 Uhr zur freien Rehaservice-Sprechstunde eingeladen. Hier können auch formale Dinge wie Antragstellung sowie Kostenübernahmen geklärt werden. Auch außerhalb der Sprechzeiten ist das Klinikteam erreichbar.

Weitere Informationen gibt es unter Telefon 0421 / 478 85 90 sowie im Internet unter www.dbkg.de. Dort finden Sie auch die aktuellen Stellenangebote. Derzeit sind eine Facharztstelle sowie eine Sozialdienststelle zu besetzen. 


Leserkommentare
darkstarbremen am 20.11.2019 21:57
Der Personalmangel sei also das im Grunde einzige Problem. Das kann ja nicht gänzlich stimmen. Denn wenn es mehr Personal gäbe, hätte die Geno auch ...
erschreckerbaer am 20.11.2019 21:45
Ja, der Herr Mäurer greift schon ganz schön hart durch👍
🤔hat Bremen nicht ein Problem mit Familien Clans
Irgendetwas war da doch😴