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Ehrenamt bei der AWO Bremen
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Füreinander da sein

26.11.2020

Die Geschäftsstelle der AWO Bremen am Rembertikreisel mit dem Wandbild von Peter K. F. Krüger.
Die Geschäftsstelle der AWO Bremen am Rembertikreisel mit dem Wandbild von Peter K. F. Krüger.

Menschen zu unterstützen und Solidarität zu leben sind zwei von acht Leitsätzen der AWO Bremen - auch oder gerade in schwierigen Zeiten. Seit 100 Jahren setzt sich der Verband der Freien Wohlfahrtspflege für diejenigen ein, die aus unterschiedlichsten Gründen in der Gesellschaft benachteiligt und isoliert werden. Das Jubiläumsjahr 2020 haben sich die Verantwortlichen feierlicher vorgestellt. Doch auch wenn es anders kam als geplant, zeigt sich insbesondere im Krisenjahr die immense Bedeutung der Hilfsangebote der AWO.

Helfen macht glücklich

In fast allen Bereichen der AWO sind freiwillig engagierte Menschen tätig. Sie übernehmen ganz unterschiedliche Aufgaben, unterstützen die Arbeit der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und organisieren ganz eigene Projekte. So zum Beispiel Pelin Kiyikci, die sowohl im Haupt- als auch im Ehrenamt in Projekten der AWO mitwirkt. Als sie vor sechs Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, wollte sie in der AWO zunächst Gleichgesinnte finden, die deutsche Sprache lernen und Kontakte knüpfen. „Seit 2017 bin ich selbst ehrenamtlich im Landesjugendwerk der AWO aktiv und betreue zum Beispiel Kinder- und Jugendfreizeiten.“ Eines der Projekte, die mit Unterstützung von Pelin Kiyikci organisiert wurden, war die „Living Library“ zum Tag der Demokratie am 15. September 2020. Zu diesem Anlass konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ganz besondere Bücher aus dem Bibliothekskatalog ausleihen. Denn es waren keine wirklichen gedruckten Bücher, sondern Menschen, die sich für ein Gespräch zu unterschiedlichen Themen zur Verfügung gestellt haben. Mit dabei waren Mitglieder der Friedrich-Ebert-Stiftung, aus AWO-Projekten und FSJlerinnen und FSJler, die von ihrer Arbeit im Sinne demokratischer Grundwerte berichteten. „Das war ein tolles lebendiges Konzept“, erinnert sich Pelin Kiyikci, „es ist gut denkbar, dass wir so etwas Ähnliches mal wiederholen.“

Pelin Kiyikci ist im Landesjugendwerk der AWO Bremen aktiv.
Pelin Kiyikci ist im Landesjugendwerk der AWO Bremen aktiv.

Für ihre hauptamtlichen Projekte „Bremer Stadtmigranten“ und „Gemeinsam in Bremen“ werden derzeit wieder Freiwillige gesucht. Die „Bremer Stadtmigranten“ sind ein von der Aktion Mensch gefördertes AWO-Projekt, in dem Jugendliche mit Migrationshintergrund die Patenschaft für ein Grundschulkind übernehmen, von ihren eigenen Erfahrungen erzählen und so die Integration erleichtern. „Gemeinsam in Bremen“, ein trägerübergreifendes Projekt der AWO für das ehrenamtliche Engagement im Flüchtlingsbereich, richtet sich an Alt- und Neu-Bremer und -Bremerinnen gleichermaßen. Hier werden Freiwillige gesucht, die Menschen bei ihren ersten Schritten in Bremen begleiten möchten - zum Beispiel bei einem Spaziergang die Stadt zeigen, die deutsche Sprache üben oder in Sprachcafés oder bei anderen Aktionen tätig werden. Aber auch Neu-Bremer*innen können sich in verschiedenen Bereichen freiwillig engagieren z.B. im Sportverein, im Kindergarten und in vielen anderen Einsatzorten. Interessiert? Weitere Informationen sind auf den Internetseiten www.bremer-stadtmigranten.de und www.gemeinsam-in-bremen.de erhältlich. 

Es zählt das Gemeinsame 

Olga Butuzova mit Familienministerin Franziska Giffey bei einem Termin zum Projekt „Respekt Coaches“.
Olga Butuzova mit Familienministerin Franziska Giffey bei einem Termin zum Projekt „Respekt Coaches“.

Die Arbeit als Ehrenamtliche*r bei der AWO lässt viel Raum für eigene Kreativität und Interessen und wird selbstverständlich nach eigenen Kapazitäten bestimmt. „Zurzeit arbeite ich rund fünf Stunden pro Woche ehrenamtlich“, berichtet Olga Butuzova, die sich in Bremerhaven als Freiwillige in der Migrationsberatung engagiert, „die fünf Stunden sind zusätzlich zu meiner Vollzeitstelle. Es lässt sich aber gut koordinieren und planen, zum Beispiel mal eine telefonische Beratung in meiner Mittagsause oder sonst vor oder nach meiner eigentlichen Arbeit.“ Wie auch Pelin Kiyikci arbeitet Olga Butuzova nicht nur ehrenamtlich, sondern auch hauptamtlich bei der AWO. „Im Hauptberuf berate ich Jugendliche mit Migrationshintergrund, die Unterstützung bei Antragstellungen, in der Schule, bei Bewerbungen oder ganz allgemein Hilfe benötigen, um in Deutschland Fuß zu fassen. Mit Corona stieg dann auch der Bedarf in den anderen Beratungsbereichen.“ Per Telefon, digital oder mit Termin, Abstand und Maske übernimmt Olga Butuzova so zurzeit zusätzlich die Beratung von Seniorinnen und Senioren aus dem Stadtteil, Schwangeren oder Familien mit kleinen Kindern. Themen sind beispielsweise Anspruch von sozialen Leistungen, Sprachkurse oder Familienzusammenführungen. „Es macht Freude, Menschen zu unterstützen. Gerade jetzt. Und ich möchte ihnen Mut machen, dass Corona auch irgendwann wieder vorbei ist.“

Demokratisch handeln

Auch die Arbeit von Bruno Steinmann, Projektleiter der „Universität der 3. Generation“, hat sich durch die Corona-Pandemie gewandelt. Die „Universität der 3. Generation“, kurz U3G, ist ein Bildungsangebot für Menschen in der nachberuflichen Lebensphase. In diesem Herbstsemester wird die U3G erstmalig auch in digitaler Form angeboten, nachdem das vorherige Semester aufgrund der Pandemie ausfallen musste. 

Bruno Steinmann engagiert sich im AWO-Ortsverein Mitte.
Bruno Steinmann engagiert sich im AWO-Ortsverein Mitte. (Roland Scheitz)

Über das Hauptamt als Projektleiter der U3G fand Bruno Steinman den Weg ins Ehrenamt. „Zunächst bin ich für eine kurze Zeit rein zahlendes Mitglied geworden. Über mein Hauptamt habe ich aber gesehen, was die AWO ausmacht und das wollte ich gern nicht nur finanziell, sondern auch durch mein Engagement unterstützen.“ So ist Bruno Steinmann schon bald aktives Mitglied geworden und hat sich als Beisitzer im AWO-Ortsverein engagiert. „In diesem Rahmen haben wir unsere Einrichtungen im Stadtteil besucht und Hilfe angeboten - zum Beispiel finanzieller Art, aber auch bei Planung und Durchführung von Sommerfesten oder anderen Aktionen.“ Seit März dieses Jahres ist Bruno Steinmann Vorsitzender des AWO Ortsvereins Mitte. In dieser Funktion möchte er sich zukünftig auch gern verstärkt sozialpolitisch einsetzen und sich als Vertretung des AWO-Ortsvereins noch mehr Gehör verschaffen. „Vereine wie der Kreisverband der AWO Bremen lassen anschaulich werden, wie gelebte Basis-Demokratie funktioniert. Das finde ich spannend. Es macht einfach Spaß, dabei zu sein und etwas bewirken zu können - und das im eigenen Quartier. Außerdem finde ich, dass es sich richtig anfühlt - wenn man so privilegiert lebt wie wir in Deutschland - auch etwas zurückgeben zu können.“

Weitere Informationen zur "Universität der 3. Generation" sind online unter www.awo-bremen.de/universitaet-der-dritten-generation erhältlich.


Leserkommentare
Orgler am 27.01.2021 20:50
"Einen Mittelweg zwischen Konsequenz und Praktikabilität" - ich hielt Konsequenz und Praktikabilität bisher nicht für gegensätzlich. ...
Beirats-Kritiker am 27.01.2021 20:46
Dann suchen Sie auf den Seiten der Ortsämter doch einmal die Protokolle des Sprecher- und Koordinierungsausschusses: Sie werden sie nicht ...