Unverpackt-Laden Einkaufen ohne Verpackung

Unverpackt-Läden sagen Plastikmüll den Kampf an. Wir erklären dir, was es mit diesem Trend auf sich hat und stellen dir den Bremer Unverpackt-Laden L’Epicerie Bio in der ­Neustadt vor.
16.09.2022, 10:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Einkaufen ohne Verpackung
Von Anika Seebacher

Nachhaltigkeit ist ein großes Thema: ­Weniger Müll, umweltschonende Produkte und nachwachsende Rohstoffe sind dabei wichtige Aspekte. Wer einen Teil zur Nachhaltigkeit beitragen möchte, kann beispielsweise mit dem Einkauf in einem Unverpackt-Laden beginnen. Davon gibt es in Bremen gleich mehrere. Die speziellen Fachgeschäfte setzen sich für weniger Verpackungen und vor allem den Verzicht auf Plastik ein. Sie bieten quasi einen Einkauf für das grüne Gewissen. Einen dieser Unverpackt-Läden betreibt Myriam Carneva seit vier Jahren in der Neustadt.

In ihrer L’Épicerie Bio in der Rückertstraße gibt es gleich mehrere Abfüllstation für Getreide, Nudeln, Müsli und Süßwaren. „Alles in Bioqualität“, erläutert die Besitzerin stolz. Sie achtet bereits bei der ­Auswahl der Produzenten auf die Einhaltung der Kriterien, die in ihrem Geschäft im Vordergrund ­stehen: Die Bioprodukte kommen weitestgehend aus der Region. „Ich achte auf kurze Lieferwege. ­Einige ­Produkte gibt es aber leider nicht in Bremen. Da schaue ich dann etwas weiter. Zumindest kommt aber alles aus Deutschland.“ Die kurzen Transportwege sowie die plastikfreie Verpackung kommen auch dem Geschmack und letztlich der Gesundheit der Konsumenten zugute.

Ob Nudeln, Reis, Olivenöl oder Waschmittel – alles hält Myriam Carneva in großen Behältern bereit. Daneben stehen Glasgefäße, in die sich die festen und flüssigen Utensilien abfüllen lassen. „Es ist auch möglich, seine eigenen Gefäße mitzubringen und wieder zu füllen“, sagt die Ladenbesitzerin zum Einkauf. Dabei sei es egal, ob es sich um ausgewaschene Marmeladengläser, Milch­flaschen oder Stoffbeutel handele. „Auch wenn es Plastik ist – Tupperdosen sind ebenfalls gut geeignet“, sagt die Unternehmerin.

In ihren Laden kommen alle Generationen. „Manchmal kaufen die Kunden nur eine Kleinigkeit, andere machen hier ihren Wocheneinkauf“, so Myriams Beobachtungen.Für die Kunden steht der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund. Aber auch das Angebot ist ausschlaggebend, wie eine junge Frau bei ihrem Einkauf in dem kleinen ­Eckgeschäft berichtet. „Es gibt hier eine vollkommen andere Auswahl als in den großen Supermärkten.“

Myriam Carneva bietet auch diverse vegane Lebensmittel an. „Hier soll jeder etwas finden, das ihm schmeckt“, sagt sie. Vor allem gibt es aber Produkte, was man im Alltag benötigt – von der Zahnbürste über Obst und Gemüse bis hin zu süßen Köstlichkeiten. „Gerade zur ­Weihnachtszeit gibt es wieder mehr Kekse und ­Marzipan“, berichtet ­Myriam, dass sie ihr Sortiment je nach Jahreszeit ­anpasst.

L’Epicerie Bio, Rückertstraße 1, Öffnungszeiten Montag bis Freitag von 9 bis 18.30 Uhr, Samstag von 9 bis 16 Uhr. Eine Übersicht über die Unverpackt-Läden in der ­Hansestadt gibt es im Internet unter ­www.bremen.de.

Info

Für einen müllarmen Lebensstil:

Unverpackt-Läden verfolgen eine Zero-Waste-Philosophie. Das bedeutet, dass sie bei dem Handel möglichst Müll vermeiden. Jeder einzelne kann in seinem Alltag darauf achten, weniger Abfall zu produzieren:
- Einkauf von frischen und unverpackten Lebensmitteln

- Eigene Behälter wieder auffüllen lassen

- Plastikprodukte durch langlebigere Alternativen ersetzen (Stoffbeutel statt Plastiktüte)

- Bienenwachstücher statt Frischhaltefolie

- Selbstmachen: Viele Dinge, die man zwar bequem im Supermarkt kaufen kann, lassen sich selbst deutlich umweltfreundlicher herstellen, etwa Spülmittel, Kosmetik und Lebensmittel wie Gewürzmischungen

- Naturfasern statt Kunststoff in der Bekleidung

Erschreckende Fakten

- Die weltweite Plastikproduktion ist von 2,1 Millionen Tonnen im Jahr 1950 auf 406 Millionen Tonnen im Jahr 2015 angestiegen.

- Weltweit werden pro Minute fast eine Million Getränkeflaschen aus Kunststoff verkauft.

- Schätzungen zur Langlebigkeit von Plastik reichen von 450 Jahren bis „für immer“.

- Mehr als 40 Prozent aller Kunststoffe wird nur einmal verwendet und dann weggeworfen.

- Derzeit werden bundesweit rund 2,8 Milliarden Heißgetränkebecher pro Jahr verbraucht, das sind 320.000 Becher pro Stunde.

- Die Deutschen wären gern Recycling-Weltmeister. Das ist aber Wunschdenken. Von den 2017 angefallenen 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen wurden lediglich 810.000 Tonnen wiederverwertet. Das sind nur 15,6 Prozent.

Mehr zum Thema