Axel Prahl im Interview

„Ab und an war ich auch der Klassenclown“

In „Extraklasse 2+“ schlüpft „Tatort“-Star Axel Prahl erneut in die Rolle des Abendschullehrers Ralph Friesner. Ein Gespräch über das deutsche Schulsystem, Dumme-Jungs-Streiche und Fahrradhosen.
01.05.2021, 16:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Elisa Eberle
„Ab und an war ich auch der Klassenclown“

Knapp drei Jahre nach der Ausstrahlung des ersten Films "Extraklasse" (2018) im ZDF schlüpft Axel Prahl in "Extraklasse 2+" erneut in die Rolle des Abendschullehrers Ralph Friesner.

ZDF / Hans-Joachim Pfeiffer

Fans des Münsteraner „Tatort“ kennen diesen Anblick: Als Kommissar Frank Thiel steigt der Schauspieler Axel Prahl regelmäßig aufs Fahrrad - etwa um vom Kommissariat in die Pathologie und wieder zurückzugelangen. Auch in der neuen ZDF-Komödie „Extraklasse 2+“ (Montag, 3. Mai, 20.15 Uhr) greift Prahl als Abendschullehrer Ralph Friesner auffallend häufig zum Drahtesel. Warum eigentlich? Diese Frage beantwortet der 61-Jährige im Interview. Außerdem erinnert sich der Wahlberliner an seine eigene Schulzeit und liefert erste Einblicke in das Regie-Talent seines Krimikollegen Jan Josef Liefers, für dessen Debütfilm „Honecker“ er derzeit vor der Kamera steht.

teleschau: Herr Prahl, warum fahren Sie in Ihren Filmen eigentlich so oft Fahrrad?

Axel Prahl: Man ist mit dem Fahrrad auf manchen Strecken schneller! Somit war das einfach eine ganz schlichte, pragmatische Überlegung. Private Präferenzen von meiner Seite gibt es in dieser Hinsicht nicht.

teleschau: Wie stehen Sie allgemein zu Sport?

Prahl: Es gibt viel Sport in meinem Leben - im Fernsehen! (lacht)

teleschau: Das heißt Ihr Kollege Jan Josef Liefers kann Sie nicht zu einer gemeinsamen Radtour überreden?

Prahl: Nein. Das kann er mal schön alleine machen! Ich muss auch sagen: Mir stehen diese Fahrradhosen überhaupt nicht.

Über die Nähe zu seiner eigenen Karriere

teleschau: Im Film „Extraklasse 2+“ spielen Sie den Lehrer einer Abendschule. Konnten Sie Ihre eigenen Erfahrungen für die Verkörperung Ihrer Rolle nutzen?

Prahl: Es gab in der Tat einige Versatzstücke meines bisherigen Lebens, die sehr hilfreich waren: Zum einen hatte ich mein Abitur komplett über den zweiten Bildungsweg gemacht. Zum anderen habe ich bis zum fünften Semester auf Lehramt studiert und kannte somit die Struktur hinter einer solchen Rolle. Der Journalismus war mir hingegen eher fremd. Da musste ich mich mehr reindenken.

teleschau: Was meinen Sie damit?

Prahl: Beim Journalismus muss „Mann“ ja manchmal in der schmutzigen Wäsche von anderen Leuten wühlen. Das ist eigentlich nicht so meins. Außerdem waren mir die journalistischen Stränge bei der Ausdeutung des Drehbuchs nicht so geläufig: Wie ist Ralph Friesner überhaupt Journalist geworden? An welcher Schule hat er gelernt? Und warum hatte er trotz seiner hohen Auszeichnung kaum noch etwas in seinem Job gemacht? Das alles musste ich erst mal für mich selber überprüfen. Über den Beruf des Lehrers weiß ich hingegen ein bisschen mehr: etwa, dass es unterrichtsdidaktische Ansätze gibt.

Der Schulwechsel als „Riesenglück“

teleschau: Erinnern Sie sich gerne an Ihre Schulzeit zurück?

Prahl: Ja! Ich hatte ein Riesenglück, dass ich von der herkömmlichen Schule auf die Berufsfachschule gewechselt bin. Den Satz: „Man lernt nicht für die Schule, sondern fürs Leben“ habe ich dort überhaupt erst verinnerlichen können. Ich saß mit 30-Jährigen gemeinsam an einer Schulbank, die unbedingt diesen Abschluss machen wollten, etwa weil sie ihren Meister machen wollten. Das hatte natürlich eine ganz andere Ernsthaftigkeit. Außerdem wurde ich mit meinen damals 16 Jahren wie ein Erwachsener behandelt.

teleschau: Heißt das, man wird an der regulären Schule eher klein gehalten?

Prahl: Ja! Das war an der Berufsfachschule auf jeden Fall sehr viel selbstverantwortlicher und eher wie ein Studium. Es hieß dort: Du musst hier nicht sein, du kannst hier sein.

Über das „bescheuerte Bestrafungssystem an manchen Schulen“

teleschau: Nicht erst seit „Fack Ju Göhte“ sind Paukerkomödien sehr beliebt: Den ersten Film „Extraklasse“ sahen im Dezember 2018 etwa 6,5 Millionen Zuschauer. Wie erklären Sie sich dieses anhaltende Interesse?

Prahl: Ich denke, das hat etwas mit der gemeinsamen Schnittmenge zu tun, die man da hat: Zur Schule gegangen ist jeder. Jeder hat dazu ein Verhältnis. Jeder kennt Anekdoten aus der eigenen Schulzeit und muss innerlich über das eine oder andere sicherlich schmunzeln.

teleschau: Welche Anekdoten sind das bei Ihnen?

Prahl: Bei mir hieß es immer: „Man sieht ihn nicht, aber man hört ihn schon.“ (lacht) Ab und an war ich auch der Klassenclown. Aber wie gesagt, wurde mir das an der Berufsfachschule ein wenig abtrainiert beziehungsweise in andere Bahnen gelenkt: Humor kann man sich erlauben, aber eben auch nur da, wo es angebracht ist.

teleschau: Und wie sah es an der regulären Schule aus?

Prahl: Da waren es eher Dumme-Jungs-Streiche: Während meiner kurzen Zeit an der Realschule etwa sollte ich gemeinsam mit einem zweiten Schüler die Klassenaufsicht übernehmen. Wir mussten die Tafel wischen, lüften et cetera. Während dieses Dienstes haben wir dann mit einem Tennisball Fußball gespielt. Blödsinniger Weise hatte ich an diesem Tag Holzbotten an. Als ich geschossen habe, ging der Schuh leider durch die Scheibe. Dieser Unfall hat mir dann zwei Tage Schulverweis eingebracht. Bis heute ist diese Geschichte für mich ein Beispiel für das bescheuerte Bestrafungssystem an manchen Schulen.

„Der Film zeigt eine gewisse Utopie“

teleschau: Derzeit wird viel über Schule und das deutsche Schulsystem diskutiert. Könnten Filme wie „Extraklasse 2+“ einen Beitrag leisten, damit der Beruf des Lehrers künftig mehr Anerkennung findet?

Prahl: Der Film zeigt meiner Meinung nach eine gewisse Utopie, wie es sein könnte. Gerade der zweite Teil zeigt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft mit den jungen schnöseligen Abiturienten, die plötzlich mit dieser Extraklasse konfrontiert werden. Wenn nur zwei, drei Prozent dieses Ansatzes, aufeinander zuzugehen, sich zuzuhören und sich vielleicht auch zu akzeptieren, bei den Zuschauerinnen und Zuschauern hängen bleiben, dann wäre das schon großartig!

teleschau: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie vor dem Hintergrund der momentanen Pandemie an das deutsche Bildungssystem denken?

Prahl: Ich habe zwei Kinder, die online unterrichtet werden. Momentan haben sie zum Teil aber auch wieder Frontalunterricht. Der wird dann in Kleingruppen unterteilt: Die eine Woche die, die andere Woche die. Was man hier aber maßgeblich feststellt, ist die fehlende Infrastruktur des Internets und der Technik.

„Inzwischen ist die Lage für meine Musiker vom Inselorchester sehr prekär“

teleschau: In der zweiten Jahreshälfte wollen Sie mit Ihrer Band wieder Konzerte spielen. Wie steht es um diese Pläne?

Prahl: Wir haben einige Konzerte anberaumt. Unter anderem sind wir wieder beim Schleswig-Holsteinischen Musikfestival zu Gast. Auf Sylt spielen wir im Meerkabarett zwei Konzerte. Ich sende tagtäglich Stoßgebete gen Himmel, dass diese Konzerte wirklich stattfinden. Denn inzwischen ist die Lage für meine Musiker vom Inselorchester sehr prekär.

teleschau: Das klingt nach einem Funken Hoffnung...

Prahl: Man muss einfach überlegen, wie man das bewerkstelligen kann, vielleicht auch nur im kleinen Rahmen. Wir hatten letztes Jahr im Schloss Neuhardenberg in der Nähe von Berlin ein großes Open Air Konzert mit 1.000 Gästen. Da wurden die Stühle genauso platziert und nummeriert, dass die Leute, die zusammen als Gruppe kommen, auch zusammen sitzen und einen Abstand von anderthalb Meter zu den Nächsten haben.

teleschau: Um Ihre Bühnenkollegen zu unterstützen, haben Sie sich vor Weihnachten an der „Stern“-Aktion „Backstage-Helden“ beteiligt. Haben Sie Informationen darüber, wie vielen Betroffenen bislang geholfen werden konnte?

Prahl: Ja, ich habe im Anschluss erfahren, dass eine große Menge Geld gesammelt wurde. Einer der Nutznießer war mein Roadie Pommes, Herr Pommerenke, seines Zeichens Schlagzeugbauer. Er verkauft momentan natürlich keine Schlagzeuge und musste seine Firma mehr oder weniger auflösen. Er musste drei Angestellte entlassen und hatte darüber hinaus auch noch massive gesundheitliche Probleme. Dank der Aktion hat er nun 1.000 Euro bekommen. Das hilft ihm zumindest, für einen Monat die Miete zu zahlen. Solche Aktionen, aber auch die Solidarität unter den Künstlern sind an der Stelle besonders wichtig.

Wie macht sich Professor Boerne bislang als Regisseur?

teleschau: Derzeit stehen Sie unter anderem für den ersten Film Ihres „Tatort“-Kollegen Jan Josef Liefers vor der Kamera. Wie macht sich Professor Boerne bislang als Regisseur?

Prahl (lacht): Er macht das ganz wunderbar! Er hat auch einen ganz großartigen Stoff an der Angel: In der Nachwendezeit wollte Erich Honecker eigentlich nach Russland, doch Michail Gorbatschow hat abgewunken und Chile wollte ihn auch erst mal noch nicht haben. Ja, und dann fand er Unterschlupf bei einer Pastorenfamilie, was an sich schon wirklich absurd ist: Er hat sich ja mehrfach darüber aufgeregt, dass sich in seinem geliebten Fernsehturm, dem Vorzeigebauprojekt der DDR, ein großes Kreuz in der Glasfront der Kuppel spiegelte. Am liebsten hätte er den Fernsehturm wieder abgerissen. (lacht) Deswegen war sein Unterschlupf bei einer Pastorenfamilie schon sehr besonders.

teleschau: Ist es nicht seltsam, nun auch im realen Leben Anweisungen von Professor Boerne zu bekommen?

Prahl: Ich glaube, Sie verstehen den Beruf des Regisseurs falsch. Das ist keiner, der Anweisungen gibt. Stattdessen ist man gemeinsam auf der Suche nach dem Optimum der Erzählweise. Das, was wir beispielsweise in Münster machen, ist im Grunde genommen nichts anderes: Man unterhält sich darüber, wie der eine das sieht und wie der andere jenes sieht, und sucht nach Lösungsformen, die für die Geschichte interessant sind. Diese Zusammenarbeit klappt sowohl beim Münsteraner „Tatort“ als auch bei „Honecker“ wunderbar.

teleschau: Wie müsste eine Geschichte aussehen, für die auch Sie eines Tages auf die andere Seite der Kamera wechseln?

Prahl: Ach, ich tu mich ein bisschen schwer damit. Ich habe in diese Richtung bislang nichts geplant. Man weiß natürlich nie, wo einen das Leben hinführt. Aber es gibt viele andere Bereiche, die für mich persönlich deutlich spannender oder interessanter sind.

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