Kolumne "Im grünen Bereich" Alarmstufe Rot: Wühlmäuse im Garten

Haben es Stadtgärtner einfacher als ihre Kollegen auf dem Land? Bedroht uns die Natur - vielleicht in Form von Wühlmäusen? Diesen Fragen geht unsere Kolumnistin Patricia Brandt nach.
07.07.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Andreas D. Becker

Haben es Stadtgärtner einfacher als ihre Kollegen auf dem Land? Bedroht uns die Natur - vielleicht in Form von Wühlmäusen? Diesen Fragen geht unsere Kolumnistin Patricia Brandt nach.

Ich bin schon lange überzeugt, dass Stadtgärtner es viel einfacher haben als wir in den ländlichen Randgebieten. Nehmen wir als Beispiel nur den Rasen. Ich meine nicht nur das zeitraubende Mähen im Sommer, das Lüften im Herbst (knifflig, weil das Vertikutiergerät bei unsachgemäßer Handhabung tiefe Acker-Furchen zieht) oder das Düngen im Frühjahr (Achtung Brandlochgefahr!). Nein, ich rede nicht von all diesen Widrigkeiten eines Gärtnerlebens. Ich rede hier von der Bedrohung durch die Natur! Und die ist auf dem Land natürlich viel größer als in der Stadt. Ein alter Klassenkamerad hat mir mal ins Poesiealbum geschrieben: „Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.“ Kleine Erdhaufen zwischen den Grashalmen standen bei mir bisher sehr weit unten auf der Liste möglicher Gefahrenquellen. Beunruhigt hat mich bisher auch nicht, dass sich die Winterlinge, die ich im Herbst gepflanzt hatte, nicht wieder blicken ließen. Oder dass die Christrosen, die ich ebenfalls ausgepflanzt hatte, plötzlich weg waren. Einfach so über Nacht, futschikato.

Ängstlich bin ich erst, seit ich zu wissen glaube, dass Wühlmäuse hinter all dem stecken. Und dass Wühlmäuse in milden Wintern gerne mal in Massen auftauchen. Bange bin ich vor allem deshalb, weil meine Mutter und Mäuse nicht zusammengehen. Und wenn Oma nicht mehr kommt, um die Kinder im Krankheitsfall zu hüten, kann ich nicht in die Redaktion. Sie denken, das ist nicht lebensgefährlich? Von wegen: Nachher stecke ich mich noch an! Kinderkrankheiten können Erwachsene brutal in die Knie zwingen – ich spreche da aus Erfahrung! Nun gibt es verschiedene Herangehensweisen an mein Gartenproblem. Hunde können Wühlmäuse manchmal aufspüren. Sie graben dabei aber, wie meine Labrador-Hündin, recht viel Fläche um. Das Ergebnis wäre gerade bei kleinen Gärten sehr augenfällig und optisch wenig ansprechend.

Ich habe es unserem Hund deshalb schon so deutlich wie möglich gesagt: „DU BUDDELST NICHT. Nein, Aus, Pfui, Körbchen!“ Als Sofortmaßnahme gegen unsere Wühlmausplage ziehe ich eilig die Vorhänge zu. Damit die Kinder nicht die neuen Gartenbewohner sehen und Oma beim nächsten Telefonat davon erzählen. Kinder plappern ja gern alles Mögliche weiter. „Warum ist es hier drin so dunkel?“, will mein Sohn am nächsten Morgen wissen und tritt seiner Schwester auf dem Weg zum Frühstückstisch versehentlich in die Hacken. „Weil ich das Sonnenlicht nicht mehr so gut vertrage“, lüge ich, während ich Sonnenbrillen für den Weg in die Garage an die Kinder ausgebe. „Als Vorsichtsmaßnahme.“ Auf der Fahrt zur Schule beobachte ich im Rückspiegel, wie mein Sohn eine eilig gebastelte Knoblauchkette umlegt. Ich denke, er überlegt, ob ich über Nacht zum Vampir geworden bin, und ob es klug wäre, mich darauf anzusprechen. Nach Feierabend beginne ich fieberhaft mit der Recherche. Bewährt, lese ich da, hätten sich im Kampf gegen Wühlmäuse zumindest in der Land- und Forstwirtschaft Sitzstangen für Greifvögel. Mein Mann könnte so ein Ding aus Holzresten in der Garage bauen. Ich bin allerdings nicht sicher, ob diese naturnahe Lösung für uns die richtige ist. Denn unser Garten ist, wie gesagt, nicht besonders groß.

Die Sitzstange müsste gleich neben der Terrasse stehen. Ich stelle mir vor, dass die Mäusebussarde künftig über dem Garten kreisen. Und wenn sie eine Wühlmaus erspäht haben, sich auf sie stürzen, sie packen, um sie dann in Ruhe auf der Sitzstange zu verspeisen. Wir sehen ihnen vermutlich dabei von der Kaffeetafel aus zu. Ich hoffe, dass die Greifvögel bei ihren Beutezügen wenigstens Zier-Nager von Wühlmäusen unterscheiden können. Sonst wäre das kleine Mädchen von schräg gegenüber sicher sehr traurig. Ihr Angorakaninchen ist noch ziemlich neu. Auch nicht gerne male ich mir aus, dass sich so ein Adler im Sturzflug Richtung Kaffeetafel einen Donut, oder viel schlimmer noch, eins unserer Kinder krallt! Gott behüte! Das wäre auch unserer Oma nicht recht! Mäuse hin oder her. Während ich so nachdenke, sehe ich durchs Küchenfenster, wie eine Wühlmaus seelenruhig über unseren Rasen spaziert. Jetzt reicht’s. Jetzt greife ich zu tief greifenden Mitteln: Urban Gardening auf dem platten Land. In der Garage liegen noch ein paar Fliesen von der Bad-Renovierung. Ich hoffe, die reichen aus, um den Garten zu kacheln. Dann käme keine Wühlmaus mehr bis zu uns durch. Und das Rasenmähen hätte sich auch erledigt.

Stadtbibliothek bietet grüne Literatur zum Thema
Nicht nur zum Thema Wühlmäuse bietet die Stadtbücherei etwas Gleich „13 Gartenplagen“ – wenn auch nicht biblischen Ausmaßes – hat Thomas Lohrer in seinem Band mit dem Untertitel „Schnecke, Wühlmaus, Blattlaus und Co.“ ausgemacht. Zum einen verrät er, woran man erkennt, welche Untermieter im eigenen Garten hausen – und zum anderen erklärt er natürlich, was man gegen sie tun kann (E-Book, Stuttgart: Ulmer 2007). So können Nutz- und Zierpflanzen vor der nächsten „Heimsuchung“ geschützt werden. Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber auch möglich ist es freilich, sich mit der stetigen Bedrohung des heimischen Gartens durch die allgegenwärtige Natur anzufreunden. 50 Projekte mit Bauanleitungen liefert dazu beispielsweise Bärbel Oftrings Buch „Insekten- und Tierhotels“ (München: BLV 2014, leider ohne Anleitung für ein Wühlmaushotel). Und Tipps zum Urban Gardening, die über Bierflaschen-Installationen hinausgehen, finden Facebook-Freunde aus der Stadt bei Alex Mitchell in „Gartenglück in der Stadt – So finden und gestalten Sie Ihre grüne Oase“ (München: Bassermann Inspiration 2014). Alle Bücher können in der Stadtbücherei Delmenhorst ausgeliehen werden.
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+