Tragödie am Film-Set Die Tragödie auf der Bonanza Creek Ranch

Wie konnte so etwas passieren? Hollywood-Star Alec Baldwin feuert beim Dreh mit einer Requisitenwaffe - die Kamerafrau stirbt, der Regisseur des Films wird verletzt. Das erinnert an einen Fall vor 30 Jahren.
22.10.2021, 17:03
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Die Tragödie auf der Bonanza Creek Ranch
Von Thomas Spang

War es ein tragischer Unfall, eine Verwechslung, Leichtsinn oder Vorsatz? Der Tod der Kamerafrau Halyna Hutchins (42) gibt den Ermittlern des Sheriffs-Büros von Santa Fe Rätsel auf. Fest steht nur soviel: Der Schauspieler und Produzent des Western „Rust“, Alec Baldwin, feuerte am Donnerstag gegen 13 Uhr 50 Schüsse aus seiner Requisitenwaffe ab. Für Hutchins kam jede Hilfe zu spät. Regisseur Joel Souza (48) wird mit Verletzungen im Christus St. Vincent Regional Medical Center von Santa Fe behandelt.

Die Produktionsfirma „Rust Movie Productions“, sprach von „einem Unfall“, bei dem „Platzpatronen fehlgezündet wurden“. Die Polizei dagegen ließ offen, was Baldwin aus seiner Waffe abfeuerte, und versucht herauszufinden, um welche Projektile es sich handelte.

Baldwin stellte sich im Büro des Sheriffs freiwillig den Fragen der Ermittler. Wie das Lokalblatt „Santa Fe New Mexican“ berichtet, soll der unter anderen für seine satirischen Donald-Trump-Darstellungen auf "Saturday Night Live" bekannte Schauspieler bei der Vernehmung geweint haben. Fotos vor der Polizeiwachen zeigen Baldwin zerknirscht und niedergeschlagen am Telefon. Er befindet sich auf freiem Fuß, ein Haftbefehl gegen ihn liegt bislang nicht vor.

Experten zeigten sich verwundert, wie es zu dem Tod Hutchins kommen konnte. Bei Hollywood-Produktionen gibt es gewöhnlich einen Waffenmeister, dessen einzige Aufgabe darin besteht, für die sichere Handhabung von Gewehren und Pistolen zu sorgen. Dazu gehört die Überprüfung vor jedem Dreh. Scharfe Munition darf laut Vorgaben nur für Naheinstellungen beim Laden einer Waffe eingesetzt werden. Diese wird danach wieder entnommen und weggeschlossen.

Platzpatronen haben anstelle des Projektils Watte oder andere weiche Verschlüsse am Kopf des Geschosses. Überdies müssen selbst dann Sicherheitsabstände eingehalten werden, um Verletzungen durch die Explosion des Schwarzpulvers zu vermeiden.

All das macht den Vorfall auf der Bonanza Creek Ranch umso mysteriöser. „Ich bin so traurig, Halyna verloren zu haben und wütend, dass so etwas bei Dreharbeiten passieren konnte“, erklärte der Regisseur des Streifens „Archenemy“, Adam Egypt Mortimer, mit dem die aufstrebende Kamerafrau ihren Durchbruch schaffte. Die in der Arktis während der Sowjetzeit aufgewachsene Hutchins galt in der Branche als großes Talent.

Am Dienstag hatte die gesamte Film-Crew aus Solidarität mit dem Streik einer Filmgewerkschaft die Arbeit ruhen lassen. Baldwin ist mit auf dem Foto zu sehen, dass die Crew als Gruß an die Kollegen von der Bonanza Creel Ranch auf Facebook veröffentlichte.

In Hollywood kamen Erinnerungen an den Tod Brandon Lees auf, der 1993 bei Dreharbeiten zum Film "The Crow" ums Leben kam. Der Sohn des legendären Kung-Fu-Schauspielers war von einem Projektil getroffen worden, das sich im Lauf der Pistole verkantet hatte. Durch das Abfeuern der Platzpatrone hatte es sich gelöst.

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