Made in Bremen: Familie Würmel betreibt seit mehr als 40 Jahren eine Gebäudereinigungsfirma Alles in bester Ordnung

Ein Leben für Sauberkeit und Ordnung. Dafür steht die Familie Würmel mit ihrer Gebäudereinigungsfirma. Die ist in den vergangenen Jahren so gewachsen, dass Gründerin Irmgard Würmel Unterstützung von ihrem Mann und der eigenen Tochter bekommen hat. Ans Aufhören denkt die 71-Jährige deshalb noch lange nicht.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Alles in bester Ordnung
Von Kristin Hermann

Ein Leben für Sauberkeit und Ordnung. Dafür steht die Familie Würmel mit ihrer Gebäudereinigungsfirma. Die ist in den vergangenen Jahren so gewachsen, dass Gründerin Irmgard Würmel Unterstützung von ihrem Mann und der eigenen Tochter bekommen hat. Ans Aufhören denkt die 71-Jährige deshalb noch lange nicht.

Irmgard

Würmel ist eine mutige Frau, ehrgeizig und vor allem bescheiden. Fragt man sie, wie man 1974 dazu kommt, als Frau ganz alleine eine Firma zu gründen, antwortet sie zurückhaltend: „Ich habe überlegt, was ich mit meiner kaufmännischen Ausbildung so machen kann und bin irgendwie bei der Gebäudereinigung gelandet.“ Damals konnte sie sich noch nicht annähernd vorstellen, wie groß ihr Betrieb einmal werden würde. „Ich hatte ein kleines Büro in unserem Gästezimmer, eine kleine Schreibmaschine, eine Handvoll Kunden und zwei Reinigungskräfte“, erzählt sie. Heute, vierzig Jahre später, arbeiten etwa 400 Mitarbeiter bei der „Diamant Gebäudereinigung“.

Unterstützung von der Familie

Um sie zu unterstützen und zu entlasten, sind auch ihre Tochter Kathrin und ihr Mann Rainer mit in die Firma gezogen. Für die Seniorchefin ist das ein tolles Gefühl. „Ich weiß, dass der Familienbetrieb von meiner Tochter weitergeführt wird und wir nicht verkaufen müssen“, sagt die 71-Jährige. Das war nicht immer klar, denn Kathrin Würmel wollte zunächst nicht in den elterlichen Betrieb einsteigen. „Am Anfang haben wir gar nicht in solchen Dimensionen gedacht“, erzählt sie. Als die Firma aber kontinuierlich weiter wuchs, überdachte Kathrin Würmel ihre Entscheidung noch einmal. Als sie vor zwanzig dann ihr erstes Kind bekam und ihr nach einer Weile das Mutter-Dasein alleine nicht mehr reichte, war der Zeitpunkt um einzusteigen perfekt. Mutter Irmgard kam das gerade recht. „Zu der Zeit brauchte ich einfach Unterstützung“, erinnert sie sich.

Das Angebot der Würmels ist vielfältig: Die Firma kümmert sich in Bremen und umzu unter anderem um Treppenhausreinigungen, Bürogebäude, Kindergärten und Arztpraxen. Dabei hat jeder der drei seine eigene Aufgabe. Vater Rainer, in seinem früheren Beruf Spezialist für Verpackungsmaschinen, ist vor allem für die Technik und den Einkauf von Materialien zuständig. Als sich Kathrin Würmel für eine Zukunft in der Reinigungs-Branche entschieden hat, lernte sie den Beruf der Gebäudereinigerin noch einmal von der Pike auf. Heute kümmert sie sich vor allem um die Angebote und ist im Außendienst tätig. Und Irmgard Würmel kennt die Firma von allen am besten. Sie steht den Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite, leitet die Personalabteilung und hilft in der Buchhaltung.

Die Verbundenheit zu ihrer Firma merken die Würmels auch in ihrem Privatleben. Da Alt und Jung Nachbarn sind, treffen sie sich im Sommer oft abends im Garten. „Wir nehmen uns jedes Mal vor, nicht über die Firma zu sprechen“, sagt Irmgard Würmel. „Aber irgendwie hält das nie lange an. Da beschweren sich auch schon mal unsere Enkelsöhne, wenn sie dabeisitzen.“ Obwohl die Junior-Chefin zugibt, dass bei ihr zu Hause der Hausputz durch die viele Arbeit auch schon mal auf der Strecke bleibt, lässt das Thema Ordnung die Würmels nie wirklich los. Selbst im Urlaub kann die jeweilige Unterkunft nicht ganz ohne kritisches Auge geprüft werden. „Da wird schon einmal auf die Spinnweben in den Ecken geschaut“, sagt Rainer Würmel lachend. „Oder auf die Fingertapsen auf den Fahrstuhltüren“, ergänzt ihn seine Frau. „Da müssen wir uns oft schon bremsen und uns ermahnen, dass uns das nichts angeht und wir im Urlaub sind.“

Bis vor einigen Jahren hatte die Familie die Büroräume und das Lager sogar noch im Eigenheim untergebracht. „Das ist irgendwann zu viel geworden“, erzählt Kathrin Würmel. „Das ganze Leben hat sich um die Firma gedreht.“ Aus diesem Grund hat die Gebäudereinigung ihren Firmensitz mittlerweile in die Stresemannstraße verlegt.

Schmutz als Gesellschaftsstudie

An ihrem Job schätzen alle drei den Kontakt zu Kunden. „Wir fahren viel raus und reden mit unseren Geschäftspartnern. Das ist abwechslungsreich“, erzählt Kathrin Würmel. Durch den Job ist die Familie schon mit fast jeder Sorte Schmutz konfrontiert worden. Das ist nicht immer einfach: „Wenn wir eine Wohnung entrümpeln, dann sehen wir den Menschen zwar oft nicht mehr, aber wir sehen die Umstände, in denen er gelebt hat. Das kann mitunter schon traurig sein“, sagt Kathrin Würmel. Deswegen nimmt die Firma auch nur selten Entrümpelungen an. „Irgendwo muss man auch Grenzen ziehen. Da wollen wir unsere Mitarbeiter schützen“, sagt Würmel. Eins hat die Familie während ihrer beruflichen Laufbahn gelernt: Schmutz zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. „Das macht auch vor den Nobel-Stadtteilen nicht halt“, sagt Kathrin Würmel.

Wann sich Irmgard und Rainer Würmel zur Ruhe setzen, wissen sie noch nicht. Die Geschäftsanteile sind zwar mittlerweile schon zugunsten der Tochter verschoben, ans Aufhören denken die beiden 71-Jährigen aber trotzdem noch nicht. „Man kann sich eben schlecht vom eigenen Betrieb lösen“, gibt die Senior-Chefin zu. Sie und ihr Mann bemühen sich von Zeit zu Zeit zwar kürzerzutreten, scheitern daran aber regelmäßig. „Wir hatten uns vorgenommen, dass wir montags nicht mehr ins Geschäft kommen“, sagt Rainer Würmel schmunzelnd. „Letztendlich haben wir das an Oster- und Pfingstmontag geschafft.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+