Umgestaltete Dauerausstellung eröffnet in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Alte Helden neu präsentiert

Berlin. Müde sieht er aus, traurig, und schaut dem Besucher dennoch erhobenen Kopfes direkt in die Augen. Ein dicker Bluterguss prangt in seinem Gesicht – es sind Spuren von Schlägen, die ihm Gestapo-Beamte während des Verhörs zugefügt haben.
27.06.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Swantje Friedrich

Müde sieht er aus, traurig, und schaut dem Besucher dennoch erhobenen Kopfes direkt in die Augen. Ein dicker Bluterguss prangt in seinem Gesicht – es sind Spuren von Schlägen, die ihm Gestapo-Beamte während des Verhörs zugefügt haben. Die kleine Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt Georg Elser, der am 8. November 1939 im Münchener Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf Hitler verübte – und scheiterte, weil Hitler das Gasthaus früher als erwartet verließ. Wäre Elser erfolgreich gewesen, wäre die Geschichte anders verlaufen, wären wahrscheinlich weniger Menschen den Nationalsozialisten zum Opfer gefallen.

Und vermutlich würden dann keine Schulklassen und keine Touristen die Gedenkstätte Deutscher Widerstand besichtigen, die ihren Sitz im sogenannten Bendlerblock im Berlin-Mitte hat, und deren neue Dauerausstellung am 1. Juli durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit eröffnet wird. Die Gedenkstätte wurde 1968 gegründet, seit 1989 gibt es dort wechselnde Dauerausstellungen zu sehen mit Bildern und Dokumenten, die den Kampf einzelner Widerstandskämpfer und Gruppen gegen das NS-Regime aufzeigen. Nach rund einjähriger Umgestaltungsphase startet im Juli unter dem Titel „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ die dritte Dauerausstellung.

„Wir wollen die soziale Breite und weltanschauliche Vielfalt des Widerstands darstellen“, sagt Johannes Tuchel, verantwortlich für die Leitung und Koordination der Ausstellung. „Wir möchten zeigen, welche Ziele die Widerständler hatten, was sie getan haben und was mit ihnen passiert ist.“

Neben der Umgestaltung der Räume habe man bei der neuen Dauerausstellung in allen Bereichen Vertiefungen und Präzisierungen vorgenommen. In einem der Räume etwa können die Besucher nun anhand Flugblättern und Aufklebern betrachten, welche Ziele die „Rote Kapelle“ verfolgte – ein Sammelbegriff für verschiedene Gruppen, die während des Krieges Kontakte zur Sowjetunion unterhielten. Im Nachkriegsdeutschland wurden ihre Mitglieder lange Zeit als Kommunisten und Landesverräter verachtet. Die Frage, welche Akteure man zum Widerstand zählen sollte und wem ein Platz in der Gedenkstätte gebührt, war jedoch auch in der Geschichte der Ausstellung immer wieder ein Thema. Der Streit um „gut“ und „böse“ sei inzwischen jedoch überwunden, sagt Tuchel. „Wir sind heute weiter – die Menschen akzeptieren, dass es wichtig ist, alle Facetten des Widerstands zu zeigen.“

3,8 Millionen Euro haben Bund und das Land Berlin investiert, wovon ein Großteil in den Umbau floss. Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und reicht von Widerstandsaktionen zu Zeiten der Weimarer Republik bis zum Umsturzversuch von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der mit seinem Attentat auf Hitler ebenfalls scheiterte und im Juli 1944 hingerichtet wurde. Ihm und seinen Mitstreitern sind nicht nur drei Ausstellungsräume gewidmet – die Gedenkstätte selbst wurde nicht ohne Grund dort errichtet, wo sie heute steht: Im ehemaligen Oberkommando des Heeres, wo die die Widerstandsgruppe um Stauffenberg ihr Zentrum hatte.

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