Take That im Hamburger Stadtpark

Alte Liebe rostet nicht

In den 90er-Jahren waren sie eine der angesagtesten Boybands. 30 Jahre nach ihrer Gründung bewiesen Take That im Hamburger Stadtpark, dass sie es immer noch drauf haben.
25.06.2019, 16:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Nadine Wenzlick
Alte Liebe rostet nicht

Hände hoch und mitgesungen - Take that konnten im Hamburger Stadtpark auf ihre Fans zählen.

Jazz Archiv Hamburg/Isabel Schiffler

Es war Liebe auf den ersten Blick. Mutterseelenalleine irrte Mark Owen im Musikvideo durch den Schnee, auf der Suche nach seinem „Babe“. So hieß 1993 der erste deutsche Top-Ten-Hit von Take That und die Mädchen lagen ihm zu Füßen. Wer hätte gedacht, dass es 25 Jahre später ein Wiedersehen im Hamburger Stadtpark geben würde? Um ihr 30-jähriges Bestehen zu feiern, sind Take That gerade auf Europatournee und machten am Dienstagabend Halt in der Hansestadt.

Zugegeben, die drei sehen ein wenig aus, als wären sie in die Verkleidungskiste gefallen, als sie um kurz nach 20 Uhr die Bühne betreten. Gary Barlow trägt ein weißes Rüschenhemd und eine bunt gemusterte Hose, Mark Owen einen goldenen Glitzerfummel und Howard Donald ziemlich viel rot und darunter ein fleischfarbenes Hemd. Doch die Wiedersehensfreude ist groß: Unter lautem Jubel eröffnen Take That den Abend mit „Greatest Day“. „Today this could be the greatest day of our lives“, singt das Publikum im Chor, als sei es das Motto des Abends.

Bewegte Geschichte

„Gibt es die noch?“ heißt es hierzulande gerne, wenn der Name Take That fällt. Tatsächlich hat die Band eine bewegte Geschichte hinter sich. Es ist eine Geschichte von Aufstieg und Fall, von Streit und Versöhnung. Mitte der 1990er-Jahre brachen Take That mit Songs wie „Back For Good“ einen Rekord nach dem nächsten. 1995 stieg Robbie Williams aus, ein Jahr später gab Gary Barlow mit den Worten „Die Gerüchte sind wahr, ab heute gibt es Take That nicht mehr" die Auflösung der Gruppe bekannt. Für die verzweifelten Fans mussten damals sogar Seelsorge-Hotlines eingerichtet werden.

Knapp zehn Jahre später feierten Gary Barlow, Mark Owen, Howard Donald und Jason Orange ihr Comeback, 2010 kehrte sogar Robbie Williams für ein Album und eine Tour zurück. Seit Orange 2015 seinen Ausstieg verkündete, sind Take That nur noch zu dritt. Ihrem Erfolg tat das keinen Abbruch, vor allem in Großbritannien. Dort füllten sie auf ihrer aktuellen Tour Stadien und Arenen. In London spielten sie gleich acht Abende in Folge, ihr Konzert aus Cardiff wurde sogar europaweit live im Kino übertragen.

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Im Vergleich zu den Shows in Großbritannien, wo eine überdimensionale Kugel die Bühne zierte, gibt es für die deutschen Fans eine abgespeckte Version. Ohne viel Show, Kostümwechsel oder Tänzer, dafür aber mit fünfköpfiger Live-Band. „Erinnert sich hier irgendwer an die Neunziger?“, will Gary Barlow wissen. Na klar. Bei „Everything Changes“, „Could It Be Magic“, „A Million Love Songs” und „Back For Good” wird lauthals mitgesungen. Mark Owen greift zur Gitarre, Gary Barlow nimmt am Klavier Platz und Howard Donald steht an der Trommel. Kreischen erfüllt den Stadtpark, als Take That zu „Pray“ die Original-Tanzroutine aus den Neunzigern darbieten. Das ist das Schöne bei Take That: Sie können über sich selbst lachen. Und die Fans auch. Bei „Babe“ fliegt tatsächlich ein BH auf die Bühne.

Zufrieden und ausgelassen

Wenngleich es laut Barlow „das hellste Konzert ist, das wir je gegeben haben“, wirken Take That auf der Bühne zufrieden und ausgelassen. Sie klatschen immer wieder Hände ab, lachen, machen Witze und sind überhaupt in Redelaune. „Wir hatten keine Ahnung, was uns erwartet, als wir heute morgen in Hamburg ankamen, aber das hier hätten wir uns nicht träumen lassen. Was für ein wunderschöner Ort“, sagt Mark Owen. „Wahrscheinlich haben sie die Hecke angelegt, als wir die Band gegründet haben. Sie wurde für uns gepflanzt! Irgendwer wusste, dass das hier passieren würde.“

Neben Hits aus den Neunzigern gibt es auch viele neue Stücke: „Patience“ zum Beispiel – jenen Song, mit dem Take That 2006 ihr Comeback feierten – oder „Cry“. Das Stück nahmen Take That 2017 mit dem britischen DJ-Duo Sigma auf. „Und jetzt tanzt alle, wie ihr noch nie in eurem Leben getanzt hat“, sagt Donald und das Publikum dreht kollektiv durch. Bei aller Nostalgie, die bei ihren Konzerten mitschwingt, muss man Take That lassen, dass sie in Würde gealtert sind und immer noch zeitgemäße Musik machen.

Nach eineinhalb Stunden perfekter Unterhaltung geht der Abend schließlich viel zu früh zu Ende – mit „Never Forget“, jener Hymne, bei der die Fans zum Refrain die Arme in die Luft reißen. Wie singen Take That darin so schön? „We're still so young and we hope for more!” Alte Liebe rostet eben nicht.

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