Bremer Folkband „Die Grenzgänger“ spielt Stücke aus der Zeit des Ersten Weltkriegs Alte Lieder, aktuelle Themen

Die Bremer Band „Die Grenzgänger“ hat ein Album mit Liedern aus dem Ersten Weltkrieg veröffentlicht. Am Freitag tritt sie in der Friedenskirche auf.
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Alte Lieder, aktuelle Themen
Von Jan Raudszus

Die Bremer Band „Die Grenzgänger“ hat ein Album mit Liedern aus dem Ersten Weltkrieg veröffentlicht. Am Freitag tritt sie in der Friedenskirche auf.

Michael Zachcial will eigentlich nicht mehr über das Konzept seiner Band „Die Grenzgänger“ sprechen. Die Qualität seiner Mitmusiker käme immer zu kurz. Aber es geht nicht anders, zu ungewöhnlich wirkt die Idee hinter der Bremer Band.

Deutschen Folk mit politischer Botschaft scheint es in Deutschland kaum noch zu geben. Natürlich gibt es junge Liedermacher, aber Michael Zachcial findet: „Die junge Generation ist zu 95 Prozent am Jammern über den eigenen Seelenzustand.“ „Die Grenzgänger“ sind anders. „Wir erzählen Geschichten von früher, meinen aber die Gegenwart.“ Die Haltung ist dabei klar links, gegen Faschismus, gegen den Krieg.

Die Band gibt es mit wechselnder Besetzung seit 1988. „Langsame Anfänge“, wie Michael Zachcial sagt. Erst 1995 veröffentlichen sie das erste Album. Darauf befinden sich Songs über die deutsche Masseneinwanderung in die USA. Schon damals waren aber die Zustände in Deutschland der Anlass. „Als wir das Album rausgebracht haben, waren gerade die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda und der Anschlag von Mölln passiert“, sagt Michael Zachcial. Alles rechtsradikal motivierte Gewalttaten gegen Einwanderer. Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg haben „Die Grenzgänger“ dieses Jahr ein Album mit Liedern aus dieser Zeit veröffentlicht. Die Band hat sich durch das Deutsche Volksliederarchiv in Freiburg gearbeitet und über 3000 Lieder, Texte und Textvariationen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs gesammelt. Rund 50 Freiwillige haben geholfen, die Dokumente zu entziffern und zu ordnen.

Mit dem Album „Maikäfer flieg!“, das für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert ist, bleiben sie sich treu. Beim Soldatenabschiedslied „Lass mich gehen“ zitiert eine E-Gitarre zum Ende des Stücks die Deutsche Nationalhymne. Das Stück „Hindenburg der Russenschreck“ ist eigentlich ein Kinderlied aus dem Schulliederbuch „Jeder Schuss ein Ruß“. „Natürlich ist Putin gemeint“, sagt Michael Zachcial. Die Aufführung des Stücks will er als Kritik an der aktuellen Politik gegenüber Russland verstanden wissen.

Und dann ist da noch die Qualität der Musiker. „Das ist die beste Besetzung dieser Band aller Zeiten“, sagt Michael Zachcial. Viele der Bandmitglieder haben bereits Preise gewonnen und für „Die Grenzgänger“ sieht die Zukunft gut aus. Mit „Maikäfer flieg!“ haben sie Auftritte bis ins nächste Jahr, und sie arbeiten an einem neuen Programm. Mehr will Michael Zachcial noch nicht verraten: „Aber es wird tierisch gut.“

„Die Grenzgänger“ treten am kommenden Freitag in der Friedenskirche in der Humboldt-straße auf. Beginn ist um 20 Uhr.

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