Nudel-Burger und Cronut verbinden kulinarische Klassiker und erobern die USA Alte Snacks neu kombiniert

Anstehen für ein Gebäck oder einen Burger aus Nudeln: In den USA entwickeln sich immer neue Essenstrends, die Altbewährtes neu kombinieren und so die Massen begeistern. In Deutschland kommt das nur langsam an. Hier hält man der Bratwurst noch die Treue.
15.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Alte Snacks neu kombiniert
Von Stefan Lakeband

Anstehen für ein Gebäck oder einen Burger aus Nudeln: In den USA entwickeln sich immer neue Essenstrends, die Altbewährtes neu kombinieren und so die Massen begeistern. In Deutschland kommt das nur langsam an. Hier hält man der Bratwurst noch die Treue.

Bremen·New York.

Mit so einem Erfolg hatte Iris Wagner nicht gerechnet. Seit Mitte August musste sie mehrfach ein Schild in ihr Schaufenster hängen: Für heute sind wir ausverkauft. Wir sind morgen mit voller Vitrine wieder zurück. „Unsere Cronuts sind der Renner“, sagt die Inhaberin der Münchener Bäckerei „Wir machen Cupcakes“ und meint die kleinen Backwaren, die diesen Sommer die halbe Welt verrückt machen.

Angefangen hat alles im Mai dieses Jahres. Da hat der New Yorker Bäcker Dominique Ansel zum ersten Mal seine eigene Kreation verkauft – und damit einen Sturm der Begeisterung ausgelöst. Menschen stellen sich mitten in der Nacht in Warteschlangen oder verkaufen gar ihre hart erstandenen Plätze für horrende Summen. Und das alles für ein Gebäck. Wobei: Für Fans der Backware ist der Cronut etwas sehr besonderes.„Es ist Blätterteig, der frittiert wird und dadurch in die Höhe wächst“, erklärt Wagner. Weil er ein bisschen so aussieht wie ein Donut, kommt er auch zu seinem Namen. Es ist eine Zusammensetzung aus Croissant und Donut. Gefüllt wird dieses nicht gerade kalorienarme Gebäck mit einer Creme, beispielsweise Vanille oder Schokolade. In München kostet der Cronut 3,50 Euro, an seinem New Yorker Ursprung muss man fünf Dollar auf den Tresen legen. Dafür gibt es ein exklusives Geschmackserlebnis und mit etwa 500 Kalorien alles andere als leichte Kost. In Bremen sind die Cronuts auch schon angekommen, allerdings unter dem Namen Curlyssant. Im Grunde sei es aber das Gleiche, versichert die Bäckerei Schäfer’s, die das Naschwerk in den Geschmacksrichtungen Kirsche, Apfel und Creme anbietet.

Ebenfalls sehr beliebt, aber weitestgehend unbekannt in Deutschland, ist eine Kreation von Keizo Shimamoto. Der japanische Koch, der aber in den USA lebt, hat kulinarische Vertreter beider Kulturen gemischt und so den Ramen-Burger erfunden. Im Prinzip ein ganz gewöhnlicher Hamburger. Doch der Clou ist: Das Brot wird durch Ramen ersetzt, japanische Nudeln. Die werden für den Burger ganz normal gekocht, in Form der Brötchenhälften gepresst und anschließend gebraten.

Konkurrenz durch Nachahmer

Diese Kreation trifft offenbar die amerikanischen Geschmacksnerven. Als der Ramen-Burger sein Debüt auf dem Smorgasburg, eine Art Essen-Flohmarkt im New Yorker Stadtteil Brooklyn, feierte, gab es noch vor der Eröffnung des Standes lange Schlangen. Nach 150 Burgern war allerdings auch schon wieder Schluss – mehr hatte Shimamoto nicht vorbereitet. Doch wie beim Cronut, versuchen auch schnell andere Leute am Erfolg der Idee teilzuhaben. Mittlerweile bieten auch mehrere Restaurants den japanisch-amerikanischen Burger an. Seinen Erfinder stört das momentan aber wenig: Er ist derzeit beliebter Gast in US-Talkshows und arbeitet daran, auch im kalifornischen Los Angeles seinen Burger in aller Munde zu bringen.

An diesem Erfolg arbeitet auch Melissa Fu in London. Seit vergangenem Herbst versucht die Londonerin, den Engländern ein chinesisches Essen mit einer französischen Note näherzubringen: den Jian Bing. Das ist ein Crêpe aus China. Doch anstatt einer süßen Füllung, wie man es aus Deutschland kennt, ist die asiatische Version knusprig-herzhaft. Neben Frühlingszwiebeln, frischem Koriander und einer chinesischen Soße ist das Herzstück gebratenes Enten- oder Schweinefleisch. Damit trifft sie den Geschmack vieler in London lebender Asiaten – obwohl sie das chinesische Original selbst noch nie probiert hat. Ihr Schwester hatte ihr das Rezept von einer Reise mitgebracht.

Aber egal ob Cronut oder Nudel-Burger, die Bratwurst ist deswegen nicht in Gefahr, weiß Jürgen Kasper. Als Vorsitzender des Bundesverbands Schnellgastronomie und Imbißbetriebe (BVI) kennt er sich bestens mit den Snack-Vorlieben der Deutschen aus: „Die drei Klassiker sind nach wie vor Hamburger, Döner und Würste“, sagt Kasper. Daran wird sich in Zukunft wahrscheinlich auch nichts ändern. „In Deutschland sind derzeit keine neuen Essenstrends in Sicht“, erklärt der BVI-Vorsitzende. Innovationen wie der Ramen-Burger aus den USA gebe es höchste als Randerscheinung.

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