Komponist, Sänger und Texter Mark Scheibe nimmt in Bremen sein neues Album auf

Andere Abendlieder

Seit 14 Jahren ist Mark Scheibe in Berlin und in Bremen zu Hause. Der Komponist, Sänger, Texter und Arrangeur nimmt derzeit gemeinsam mit seiner Band und Musikern der Deutschen Kammerphilharmonie ein neues Album im Sendesaal auf. Der Sound der 1930er- und 1940er-Jahre hat es Scheibe besonders angetan.
21.01.2015, 00:00
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Von Iris Hetscher

Seit 14 Jahren ist Mark Scheibe in Berlin und in Bremen zu Hause. Der Komponist, Sänger, Texter und Arrangeur nimmt derzeit gemeinsam mit seiner Band und Musikern der Deutschen Kammerphilharmonie ein neues Album im Sendesaal auf. Der Sound der 1930er- und 1940er-Jahre hat es Scheibe besonders angetan.

Mark Scheibe kommt just von einer Probe und ist noch voller Eindrücke. „Das ist dieses Mal alles ganz anders“, sagt er. Keine nacheinander produzierten Sequenzen am Computer, die dann zu einem Ganzen zusammengefügt werden. Nein, „wir spielen alles auf einen Rutsch ein – so wie früher“. Mit wir meint Scheibe „vier Freunde von den Streichern der Kammerphilharmonie“ und seine Romantische Band.

Und irgendwie passt diese Methode zu der Musik, die es dem aus Bremen stammenden 46-Jährigen besonders angetan hat. Die Songs von Cole Porter und George Gershwin sind für ihn Vorbilder: Elegante Swing-Petitessen, bei denen man sofort an Martini-Schlürfer an Hotelbars denkt, die versonnen auf die Skyline blicken. „Lieder für den späten Abend“ ist passenderweise der Arbeitstitel, den Mark Scheibe seinem neuen Programm gegeben hat. Er hat sich dazu auch von einem Projekt anregen lassen, dass er „Hitexperiment“ nennt. Im vergangenen Herbst hat er Nutzer der Social-Media-Plattform Facebook aufgerufen, ihm Themen vorzuschlagen und dazu Verse zu schicken. „Das war eine Art digitales Lagerfeuer, das viel Spaß gemacht hat“, beschreibt Scheibe die Vorgehensweise. So hat jemand das Thema „Der Morgen danach“ gepostet – und andere haben ihre Assoziationen dazu geschrieben. Scheibe hat sich von diesem gemeinsamen Text inspirieren lassen und eigene Lyrics verfasst. Sieben der zwölf Titel seiner neuen CD seien auf diese Weise entstanden.

Zudem hat sich Scheibe aus Spaß an der Freud quasi wissenschaftlich damit befasst, wie man einen Hit schreibt: „Es gibt Untersuchungen aus den USA, wie Hits aufgebaut sind“. Und zwar folgendermaßen: Nach acht Sekunden setzt der Gesang ein, nach spätestens 20 Sekunden wird zum ersten Mal das Wort „Du“ erwähnt. Und so weiter. Scheibe lächelt – man lernt ja nie aus, auch wenn man der Gelernte dann gar nicht braucht.

Überhaupt hält der Wahl-Berliner viel davon, sich immer wieder auf Neues einzulassen, auch wenn das stets ein Risiko bedeutet. Aber: „Ohne Risiko kommt man irgendwie auch nicht voran.“ Er ist Anfang 20, da wechselt er aus einem sicheren Job als Ballettrepetitor am Theater Bremen nach Berlin, weil ihm sein Leben zu eng und zu starr vorkommt.

In Berlin lebt er vorübergehend in einem besetzten Haus, arbeitet an der Volksbühne, baut sich seine Existenz neu auf. Der Vorteil der großen Stadt: „Man kann zu vielen Leuten mit seinen Ideen gehen und nicht nur zu einigen.“ Der Nachteil: „Sich zu etablieren ist bei dem riesigen Angebot ungleich schwerer.“ Scheibe gelingt das, weil er auf gleich mehreren Ebenen aktiv ist. Er schreibt Arrangements für Künstler wie Flo Mega, Laing, Bodo Wartke oder Oliver Polak, lädt vier Jahre lang zu seiner „Berlinrevue“ in den Admiralspalast – und erntet dafür begeisterte Kritiken. Beim Rundfunk Berlin-Brandenburg mischt er in der Show „Dickes B.“ als musikalischer Leiter mit und führt unter anderem den Titel „Meister des Spontancomposing“.

Den Kontakt in die Heimat hält er. Für „buten un binnen“ dreht er satirische Musikvideoclips, seit 2007 ist er an der „Melodie fürs Leben“ beteiligt, dem Musikförderprojekt der Gesamtschule Ost und der Deutschen Kammerphilharmonie, für das es 2011 einen Klassik-Echo gibt. Auch in anderen Städten ist man an dieser Art der Musikvermittlung interessiert, daher erarbeitet Scheibe derzeit eine „Lehrer-Akademie“. Am 19. und 20. März ist er für eine neue Ausgabe der „Melodie“ wieder in der Stadt, dann wird auch die neue CD erschienen sein. Kostproben daraus sowie weitere Songs spielen Mark Scheibe und seine Romantische Band am Sonnabend, 24. Januar, um 20 Uhr im Sendesaal.

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