Bremer Philharmoniker spielen im „Schnupperkonzert“ Ausschnitte aus dem Programm der nächsten Saison Appetithappen zur Mittagszeit

Bremen. Passend zur Uhrzeit verglich Markus Poschner Musik mit Essen: „Das ist ein bisschen wie Sushi.“ Damit beschrieb und analysierte Bremens Generalmusikdirektor am Sonnabendmittag auf die ihm eigene lockere Art die Klangwelt Igor Strawinskys, genauer gesagt, dessen Ballett „Petruschka“.
28.06.2015, 00:00
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Appetithappen zur Mittagszeit
Von Iris Hetscher

Passend zur Uhrzeit verglich Markus Poschner Musik mit Essen: „Das ist ein bisschen wie Sushi.“ Damit beschrieb und analysierte Bremens Generalmusikdirektor am Sonnabendmittag auf die ihm eigene lockere Art die Klangwelt Igor Strawinskys, genauer gesagt, dessen Ballett „Petruschka“. Denn auch das steht auf dem Programm der kommenden Saison, die die Bremer Philharmoniker in der Glocke in Ausschnitten vorstellten. Aus „Petruschka“, 1911 zwei Jahre vor Strawinskys Skandalstück „Le Sacre du Printemps“ komponiert, spielte das Orchester einen Appetithappen. Danach war den Zuhörern klar, was Poschner gemeint hatte: „Alles ist anders als vorher – Melodie und Harmonie der Romantik sind verschwunden, dafür wird viel Unterschiedliches zusammengepackt.“ In der Tat: Wütende Streicher, genervte Bläser, Disharmonien plus Jahrmarktsmusik, das ist „Petruschka“. Die Unterschiede zu den vorherigen musikalischen Epochen wurden umso deutlicher, da das Konzert mit Beethovens Ouvertüre zu seiner einzigen Oper „Fidelio“ begonnen hatte.

Das Schnupperkonzert zwischen zwei Spielzeiten ist mittlerweile eine Tradition, die den Bremern offenbar extrem gut gefällt. Zum ersten Mal musste im großen Saal der Glocke der Rang geöffnet werden – derart viele Menschen wollten sich einen Eindruck von dem verschaffen, was in den nächsten zwölf philharmonischen Konzerten, beim Musikfest und in der Reihe „5nachsechs“ zu erwarten ist. Herumgesprochen haben wird sich zudem die legere Atmosphäre der knapp eineinhalb Stunden, in der Poschner und Philharmoniker-Intendant Christian Kötter-Lixfeld miteinander viel über Musik plaudern. Vor allem aber gab es aber natürlich Musik zu hören. Aus dem 20. Jahrhundert reiste das Orchester zurück ins 19. und spielte einen Ausschnitt aus der wunderschönen, aber wenig bekannten C-Dur-Sinfonie von Georges Bizet – mehr davon gibt es im ersten Philharmonischen Konzert am 11. Oktober, das der „Spanischen Harfe“ gewidmet ist. Unter dem Motto „Walzer zu Neujahr können alle, wir spielen Tango“ lässt das Orchester am 11. und 12. Januar die „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi erklingen – allerdings bearbeitet von Argentiniens Tango-Komponisten Astor Piazzolla. Daraus gab es ein Stückchen „Sommer“ – das brütende, lauernde, stets zum Aufbrausen Bereite hat Piazzolla in die Welt der Tango-Melancholie übersetzt. Mit von der Partie beim Neujahrskonzert ist zudem Dame Evelyn Glennie, eine der weltbesten Schlagzeugerinnen, die das preisgekrönte „Percussion Concerto“ von Jennifer Higdon (komponiert 1994) aufführen wird – dabei werde es auf der Bühne „auch akrobatisch“ zugehen , versprach Kötter-Lixfeld. Nachdem die Philharmoniker dieses Jahr Franz Schubert mit portugiesischem Fado konfrontiert haben, steht beim nächsten dreitägigen Februar-Festival „an die grenze“ das monarchisch-musikalische Dreieck Ludwig II./Richard Wagner/Anton Bruckner im Mittelpunkt. Der von Tragik umflorte Bayernkönig hat seine Träume nicht nur mit Märchenschlössern verwirklicht, er hat auch dafür gesorgt, dass Wagner seinen „Ring des Nibelungen“ aufführen konnte und finanzierte ihn zudem großzügig. Bruckner wiederum verehrte Wagner und war dem „Kini“ ebenfalls verbunden – hat er ihm seine siebte Sinfonie gewidmet, aus der die Philharmoniker einen Teil des ersten Satzes spielten. Die achte, die dem Kaiser von Österreich zugedacht ist, führt das Orchester am 9. September beim Musikfest auf. Zwei, die sich nicht mochten, werden beim elften philharmonischen Konzert miteinander verkuppelt: „Lieben Sie Brahms?“ heißt es am 23. und 24. Mai – und außer dessen 2. Symphonie steht auch das Konzert für Violine und Orchester seines Widersachers und Kritikers Peter Tschaikowsky auf dem Programm – beide Werke in hellem D-Dur, beide „als Lichtblick nach einer depressiven Phase“ komponiert, so Markus Poschner. Nach ein paar Takten Brahms setzte sich dann der Stargast des Konzerts an den Flügel: Die lettische Pianistin Lauma Skride spielte wunderbar locker und leichthändig den dritten Satz aus Mozarts Klavierkonzert Nr. 12 in A-Dur. „Die Genialität steckt in der Einfachheit“, hatte sie Christian Kötter-Lixfeld zuvor das Wesen dieses Stücks beschrieben. Wie so oft, möchte man anfügen.

Alle Infos zur nächsten Spielzeit, zum Programm, zu Abonnements und Tickets unter www.bremerphilharmoniker.de

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