Timo Seber verwandelt die Räume der GAK in ein Trainingszentrum für Computerspieler Archaische Welten im virtuellen Raum

Bremen. Schon mal gehört? Lords of the Fallen? Dark Souls II? This War of Mine? Oder League of Legends? Counter-Strike und Dota 2? Hinter allen Begriffen verbergen sich Computerspiele. Und Twitch? Das ist kein Spiel, sondern eine populäre Internetplattform, die der Amazon-Konzern 2014 für eine Milliarde US-Dollar erworben hat und auf der sich monatlich mehrere zehn Millionen junge Menschen spielend in Wettkämpfen begegnen.
25.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Peter Groth

Schon mal gehört? Lords of the Fallen? Dark Souls II? This War of Mine? Oder League of Legends? Counter-Strike und Dota 2? Hinter allen Begriffen verbergen sich Computerspiele. Und Twitch? Das ist kein Spiel, sondern eine populäre Internetplattform, die der Amazon-Konzern 2014 für eine Milliarde US-Dollar erworben hat und auf der sich monatlich mehrere zehn Millionen junge Menschen spielend in Wettkämpfen begegnen.

Mit dieser Welt im virtuellen Raum setzt sich der Künstler Timo Seber in seiner Ausstellung „Twitch“ auseinander, die die Gesellschaft für Aktuelle Kunst (GAK) jetzt in ihren Räumen auf dem Teerhof zeigt. Diese Schau ist für den in Köln ausgebildeten und in Berlin lebenden jungen Künstler Teil des mit 30 000 Euro dotierten Columbus-Förderpreises, den die Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine alljährlich auslobt und nun erstmals nach Bremen vergeben hat.

Timo Seber setzt sich thematisch immer wieder mit massenmedialen Phänomenen auseinander. Das waren individuelle Schicksale und deren Rezeption in den Medien oder der Toto-Hit „Africa“, der textlich von Klischees nur so trieft. Für die GAK-Ausstellung hat er sich nun das Computerspiel Dota 2 vorgenommen, das weltweit von Teams im virtuellen Raum gespielt wird und nicht zu den „Ballerspielen“ mit Suchtcharakter zählt. In einem archaischen Szenario versuchen dabei zwei Parteien einen Wald zu erobern. Virtuelle Tote gibt es dabei nicht, den Siegern der Dota 2-Turniere winken Preisgelder in Millionenhöhe. Timo Seber verwandelt die GAK-Räume nun in ein provisorisches Trainingszentrum. Dabei konzentriert er sich auf vier symbolträchtige Elemente: Hanfseile, lederne T-Shirts, Luftmatrazen und ein Kinderfoto seines Vaters.

Die aus Schulsporthallen bekannten dicken Kletterseile schlängeln sich am Boden und hängen aufgerollt an Haken, die Lederhemden stehen wie Skulpturen auf klassischen weißen Sockeln. Die verschieden farbigen Hightech-Schlafunterlagen in Körperform hängen wie Bilder an der Wand. Sie werden von Glasplatten überdeckt, auf die im Siebdruckverfahren die typischen Werkzeuge der Spieler – Computermaus, Tastatur, Headset – fixiert wurden. Die von Taschen ummantelten Enden der Seile und die Hemden sind farbig mit Schnappschüssen

aus der Dota 2-Welt bedruckt.

Taue und Luftmatrazen symbolisieren für Timo Seber das Angebot für die Computerspieler, sich während des Wettbewerbs durch Sport und Schlaf fit zu halten, die Hemden sind typische Merchandising-Produkte. Und das Kinderfoto, dass den Vater und zwei Freunde fasziniert an einer mechanischen Schreibmaschine zeigt, begreift Seber als ein biografisches Moment, das für ihn immer Teil seiner Rauminstallationen ist. Die Technik-Welten haben sich verändert, deren Faszination auf Kinder und Jugendliche ist geblieben. Vater Seber klimperte auf einer „Royal“, Sohn Timo spielt manchmal Dota 2 und öffnet uns mit seiner Passion und seiner preisgekrönten Kunst den Blick in eine fremde Welt.

GAK, Teerhof 21; bis 28. Juni. Geöffnet Di. bis So. 11 bis 18 Uhr, Do. 11 bis 20 Uhr.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+