Auf Fotopirsch im Moor

Maren Arndt fotografiert Lichter auf dem Freimarkt, Baracken in Lagergedenkstätten, Architektur und Reiseerinnerungen. Am liebsten ist sie aber in der Natur unterwegs.
04.01.2015, 00:00
Lesedauer: 7 Min
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Von Peter von Döllen
Auf Fotopirsch im Moor

Moorlansichten

Maren Arndt

Maren Arndt fotografiert Lichter auf dem Freimarkt, Baracken in Lagergedenkstätten, Architektur und Reiseerinnerungen. Am liebsten ist sie aber in der Natur unterwegs. Insekten, seltene Pflanzen oder

Vögel sind ihre Motive. Ihre Aufnahmen sind

beliebt. Sie lassen

allerdings auch Gedanken an negative Einflüsse auf die Natur durch den

Menschen aufkommen.

Maren Arndt setzte schon früh auf digitale Fotografie. Sie nutzt die umfangreichen Bearbeitungsmöglichkeiten am Computer. Ihre Motive findet die Fotografin vor allem in der Natur.

FOTOS: MAREN ARNDT /

PETER VON DÖLLEN

Ein Morgen irgendwo im Teufelsmoor. Der Zeitpunkt, an dem sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg durch den leichten Nebel bahnten, liegt noch nicht lange zurück. Verschwommen erscheinen kleine Bäume am diesigen Horizont. Etwas platscht im Wasser, in weiter Ferne knackt etwas. Eine mystische Morgenstimmung liegt über der einsamen Landschaft. Nur Maren Arndt genießt ihren Spaziergang. Mit dabei: Ehemann Erhardt, Border Collie Toni und eine Fotoausrüstung. Ohne Kamera geht die gebürtige Bremerin nicht los. Fotografieren ist eine ihrer Leidenschaften.

Alles begann vor Jahrzehnten mit einer einfachen Kamera. Jetzt hat sich die Autodidaktin einen Namen gemacht. Ihre Fotos erscheinen in den Medien, zieren Verkaufsräume oder Wohnzimmer und werden auf Ausstellungen bewundert. Seit dem Sommer ist ein Panorama des Bremer Marktplatzes auf einer offiziellen Briefmarke der Post zu sehen. Maren Arndt fotografiert auch Architektur, ist auf dem Freimarkt und anderen Märkten unterwegs oder fängt die Stimmung eines Arbeitslagers aus der Nazizeit ein. „Meine Liebe gilt aber der Natur“, betont Arndt, während sie ihre Kamera mit einem Makroobjektiv in Stellung bringt. Sie hat eine Libelle entdeckt, die sich direkt am Wegesrand auf einem Halm niedergelassen hat. Die richtige „Beute“ für Arndt.

Insekten, seltene Pflanzen, Schlangen, Vögel und Frösche: Eigentlich liegen die Fotomotive von Maren Arndt für jeden offen. „Jeder Spaziergänger kann sie auch entdecken“, meint die Fotografin aus Garlstedt. Man müsse halt mit offenen Augen unterwegs sein. Ihre Fotos entstehen nicht geplant, sondern eher zufällig – oft auf Spaziergängen, wie diesem. „Ich liege nicht stundenlang auf der Lauer, um etwas Bestimmtes einzufangen“, eröffnet Arndt. Das ist nichts für sie. Ihre Herangehensweise habe schon etwas von einer Jagd. „Ich kann mich tierisch freuen, wenn ich etwas mit nach Hause bringe“, sagt sie mit leuchtenden Augen. Ihre „Beute“ sind Fotos auf einer Speicherkarte. Heute ist es wieder mal so weit. Die Libelle ist im Kasten. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt.

Arndt hat nur eine Kamera mit einem Makroobjektiv dabei. Es hat eine Brennweite von 100 Millimeter „Damit kann ich nah an die kleinen Dinge herankommen“, erklärt sie. Geringe Tiefenschärfe ermöglicht ihr, das persönlich Wichtige der Aufnahmen herauszustellen, Alles andere versinkt in Unschärfe.

Allerdings: Mit diesem Objektiv ist die Weite einer Landschaft nicht einzufangen Eine umfangreiche Ausrüstung mitschleppen um für alle Fälle gewappnet zu sein? „Unmöglich!“ Maren Arndt lacht weil ihr eine Begebenheit dazu einfällt. „Einmal war ich auch nur mit diesem Objektiv unterwegs, als sich ein toller Regenbogen entwickelte“, erzählt sie.

Eine Idee rettete die Momentaufnahme dennoch. Die Kamera kam auf ein Stativ, Arndt schoss mehrere Ausschnitts-Aufnahmen des Naturschauspiels und montierte sie später am Computer zu einem Gesamtbild.

Die Technik und den fotografischen Blick hat sie sich selber erarbeitet. Maren Arndt ist Hobbyfotografin. Aber: „Immer wieder kommen Leute auf mich zu und wollen Fotos kaufen.“ Sie erscheinen in Zeitungen, Magazinen, Büchern, Broschüren oder auf Webseiten. Mehrfach präsentierte die Garlstedterin ihre Bilder in eigenen Ausstellungen und brachte Kalender heraus. Im September kommenden Jahres soll ein Bildband der Fotografin erscheinen. „Ein Verleger hatte mich angesprochen“, erklärt Arndt. Es wirkt bescheiden. Dabei bedeutet ihr das Buch sehr viel. „Mehr als die Briefmarke vom Bremer Marktplatz“, räumt sie ein. Die Sondermarke war im Sommer erschienen. Das Panorama des historischen Bremer Marktplatzes entstand aber schon am 16. November, um 16.30 Uhr. Nur zu diesem Augenblick konnte Arndt die warm beleuchteten Gebäude der blauen Kühle des Himmels entgegenstellen. „Ich hatte mir ein neues 14-Millimeter-Weitwinkel-Objektiv gekauft und wollte es auf dem Bremer Marktplatz ausprobieren“, klärt Arndt auf. Bei der gemeinsamen Präsentation mit Bürgermeister Jens Böhrnsen kam Stolz auf.

Das kommende Buch sei aber noch etwas Anderes. „Das ist mein Ding – die Natur, das Teufelsmoor“, schwärmt die Fotografin. 100 Fotos sollen auf 144 Seiten das Teufelsmoor zeigen. Es sind Aufnahmen der Schönheit, lassen aber auch Gedanken an menschliche Eingriffe in die unberührte Natur aufkommen. „Es ist schon bitter, wenn ich sehe, was mit dem Moor im Laufe der Zeit geschehen ist“, seufzt die Naturliebhaberin. Der Landkreis Osterholz gebe sich viel Mühe bei Renaturierung und Naturschutz. „Das ist eine gute Sache.“ Touristen wollten nicht nur auf einem Torfkahn fahren. „Sie wollen auch die Natur sehen und erleben.“ Eine zweischneidige Sache zwischen Aussperren und Naturerleben, wie sie findet. Sie frage sich: „Können Menschen etwas schätzen und schützen, das sie nicht mehr erleben dürfen?“ Andererseits gebe es viel zu viele Menschen, die sich nicht umsichtig verhalten. Nachdenklich sagt Arndt: „Ich bin kein Experte in Sachen Naturschutz.

Aber jemand, der die Natur im Herzen trägt.“

Der gute Ruf lässt immer mehr Menschen aufmerksam werden. Früher hat sie auch mal bei Hochzeiten fotografiert oder Fotos für bestimmte Zwecke gemacht. „Solche Anfragen sage ich inzwischen meist ab“, bemerkt Arndt. „Wenn es Stress wird, habe ich keine Lust mehr“, gibt sie offen zu. Sie möchte befreiter arbeiten – ohne direktes Ziel. Ohnehin seien die Enkelkinder derzeit ihr bevorzugtestes Motiv. Einer ihrer Söhne wohnt direkt nebenan in Garlstedt. So hat Maren Arndt die Enkelkinder immer in der Nähe. „Der Ältere ist zweieinhalb Jahre alt und klingelt manchmal schon morgens bei uns“, berichtet sie.

Maren Arndt kam schon früh zum Fotografieren „Meine erste Kamera bekam ich zur Konfirmation“, weiß sie noch genau. Eine einfache Kamera, die sie bei ihren ersten fotografischen Schritten begleitete. Weitere Kameras folgten. Sie haben ihren Dienst getan und liegen wohlbehütet in einem Schrank in ihrem Haus. Mit ihnen hat Arndt so einiges erlebt. „Man kommt sehr viel in der Welt herum, wenn der Ehemann zur See fährt“, sagt sie.

Maren Arndt wurde 1949 in Bremen geboren und hat Exportkaufmann gelernt. Die Seefahrt kannte sie schon von ihrem Vater. Da lag es nah, mit dem seefahrenden Mann herumzureisen. Die USA hat es dem Paar besonders angetan. Auch jetzt fliegen sie oft dort hin. Die Kamera ist immer dabei. „Ich versuche immer alles schön zu sehen“, sagt sie. Ihr fällt eine verlassene Geisterstadt in der amerikanischen Steppe ein. Die Düsterheit sei auf ihren Fotos nicht erkennbar. Arndt hat sie ausgeklammert.

„1979 sind wir hier nach Garlstedt gezogen“, berichtet sie. Garlstedt ist eine Ortschaft, die zur Stadt Osterholz-Scharmbeck nahe Bremen gehört. Arndt: „Mein Mann hat nach der Seefahrt beim Bremer Vulkan gearbeitet. Garlstedt war nicht so weit weg.“ Zudem liegt der Ort in der Natur, und das Künstlerdorf Worpswede, das Teufelsmoor und weitere motivträchtige Gebiete sind in der Nähe. Und: In direkter Nachbarschaft wohnte die Fotografin Marlies Leckebusch mit ihrem Mann Mike Leckebusch, dem Beat-Club-Erfinder. „Wir haben viel zusammen fotografiert und gefilmt“, erzählt Arndt.

Während andere Fotografen sich auch wieder der analogen Fotografie mit Filmmaterial zuwenden, hat Arndt das Digitalzeitalter in ihr Herz geschlossen. „Ich habe nie eine Dunkelkammer gehabt“, räumt sie ein. Nächtelanges Tüfteln unter Rotlicht überließ sie anderen. Sie schickte die Filmrollen in die Labors. Sie stellt fest: „Das Warten auf die Fotos aus der Entwicklung war furchtbar.“

Jetzt kann sie ihre Fotos sofort beurteilen Noch wichtiger sind ihr allerdings die vielen Bearbeitungsmöglichkeiten, die ihr am Computer zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu früher beschäftigt sie sich nun intensiv mit ihren Bildern. „Ich experimentiere viel herum, probiere die Filter des Bildbearbeitungsprogramms aus“, erläutert die Fotografin. Wie das Fotografieren hat sie sich die Grundlagen für die Bildbearbeitung autodidaktisch beigebracht. Dabei entstehen auch Bilder, die sie nicht mehr als Fotos bezeichnen mag. „Meine kreative Photoshopphase muss nicht jedem gefallen. In der Kunst sind die Geschmäcker eben nicht immer gleich, und das ist auch gut so“, findet die Künstlerin. Ihr fällt allerdings auf: „Es gibt Menschen, die sich mit Bildern dieser Art besonders beschäftigen und denen das sehr gefällt.

Maren Arndt setzte also sehr früh auf digitale Fotografie. Inzwischen sind fast alle ihre alten Fotos eingescannt. Arndt hat sich endgültig von der analogen Fotowelt verabschiedet.

„Meine erste digitale Kamera hatte noch eine Auflösung von 2,1 Megapixel“, informiert sie lächelnd. Diese Auflösung reiche heute gerade mal für Veröffentlichungen im Internet. Derzeit fotografiert Arndt mit drei professionellen Kameras mit Vollformartsensor und hoher Auflösung. Dazu kommen mehrere Objektive. Arndt: „Am meisten verwende ich ein Zoomobjektiv mit einem großen Brennweitenbereich von 28 bis 300 Millimeter.“ Bei Nahaufnahmen kommt ein Makroobjektiv mit 100 Millimeter zum Einsatz. Für weite Landschaften und Panoramafotos stehen ein Weitwinkel und ein sogenanntes Fischauge zur Verfügung. „Es ist mir wichtig, keine Lebewesen zu stören“, erläutert Arndt. Objektive mit langer Brennweite helfen ihr dabei. Zudem verzichtet sie auf Blitzlicht.

Mit ihren Fotos ist Maren Arndt eine Art Botschafterin für die Moorregionen und Bremen geworden. Und manchmal kommen Fotofreunde aus ganz Deutschland zu Besuch nach Garlstedt, um sich mit Maren Arndt auf eine Fotopirsch zu begeben. „Die wollen auch mal die Libelle des Jahres oder eine Kreuzotter fotografieren“, erläutert sie und schraubt die Kamera vom Stativ. Maren Arndt zeigt auf die abgetorfte und wieder vernässte Moorgegend. Der Nebel hat sich inzwischen verzogen. „Seltene Tiere und Pflanzen findet man häufig in diesen Gebieten“, weiß sie. Die Natur hole sich hier etwas zurück. Und das fängt Maren Arndt meist auf Spaziergängen am frühen Morgen oder späten Abend ein.

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