Junge Russen klettern ohne Sicherung auf Hochhäuser und Denkmäler Auf hohem Niveau

Es ist gefährlich und illegal, aber die Bilder sind spektakulär: Zwei junge Männer sind ohne Sicherung auf Denkmäler in ganz Europa geklettert – in Russland eine beliebte Freizeitbeschäftigung.
18.10.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Auf hohem Niveau
Von Stefan Lakeband

Es ist gefährlich und illegal, aber die Bilder sind spektakulär: Zwei junge Männer sind ohne Sicherung auf Denkmäler in ganz Europa geklettert – in Russland eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

Es war eine eher ungewöhnliche Reise, die Vitaliy Raskalov und Vadim Makhorov in diesem Sommer gemacht haben. Zwölf europäische Städte haben sie erkundet. Anstatt zu Kirchen wie dem Kölner Dom und anderen Denkmälern heraufzuschauen, haben sie aber lieber nach unten geblickt – denn die beiden Russen sind sogenannte „Roofer“.

So bezeichnen sich die Anhänger einer Bewegung, die ein gefährliches Hobby eint: Sie klettern auf hohe oder bekannte Gebäude – ohne spezielle Ausrüstung und vor allem ohne Sicherung. Dafür aber mit einer Kamera und einer großen Portion Mut. Mit spektakulären Fotos von ihren Aktionen haben sich die jungen Russen einen Namen in der Szene gemacht. Auch weil die Bilder Blickwinkel zeigen, die den meisten Menschen wohl verborgen bleiben. Das Problem: Es ist illegal.

„Meistens arbeiten wir ohne Erlaubnis, weil es oft sehr langwierig und kompliziert wäre, die zu bekommen“, hat Makhorov kürzlich in einem Interview gesagt. Davon abgesehen sei der Nervenkitzel ohne Erlaubnis natürlich größer.

Davon gibt es bei den Roofern wahrlich genug. In Russland, wo das Hobby besonders beliebt ist, hat 2011 ein Foto für Aufsehen gesorgt, als es zu einem der besten Bilder des Landes gewählt wurde. Zu sehen ist ein junger Mann, der im roten T-Shirt, kurzer Hose, Turnschuhen und ausgebreiteten Armen auf einem Stahlträger steht – in 205 Meter Höhe. Der Ausblick ist einzigartig: viel Wald, ein kleiner Streifen mit Häusern und Straßen und ein paar rauchende Schlote. Nur eine Sicherung sucht der Betrachter vergebens, denn die gibt es nicht.

Ohne Erlaubnis, mit Nervenkitzel

Marat Dupri heißt der Fotograf, der das spektakuläre Bild geschossen und auch schon viele andere Denkmäler bestiegen hat, unter anderem das Standbild von Peter dem Großem im Herzen der russischen Hauptstadt. „Wir sind hinaufgestiegen, als die Wachleute schliefen. Ganz oben drehte sich die Wetterfahne im Wind. Unten ging langsam die Sonne über Moskau auf. Die Stadt schlief, das Leben war wie eingefroren“, erinnert er sich in einem Gespräch mit Spiegel Online. Erstaunlich ist, dass bis jetzt noch von keinem Unfall berichtet wurde. Der wäre in den allermeisten Fällen wahrscheinlich tödlich.

Doch nicht nur für die Extremfotografen können die Klettertouren folgenreich sein, auch die zum Teil historischen Gebäude könnten Schaden nehmen. Nach dem Aufstieg in Köln hatte sich die Dombauverwaltung gesorgt, gab nach einer genauen Prüfung aber Entwarnung. „Wir konnten keine nennenswerten Schäden feststellen“, sagt Matthias Deml, Sprecher der Dombauer. Trotzdem haben sich Vadim und Vitaliy nachträglich auf Facebook für die Dombesteigung entschuldigt. „Wir wollten nur die Größe des Kölner Doms von einem Punkt aus zeigen, der vielen unerreichbar ist“, heißt es dort. „Ich möchte mich bei allen entschuldigen, die wir mit unseren Aktionen verletzt haben.“

Um zu ihren außergewöhnlichen Aussichtspunkten zu gelangen, steigen die beiden Russen immer wieder über Zäune oder Absperrungen. Auf den Turm der Sagrada Familia sind sie gekommen, indem sie sich einer Touristengruppe in der Kirche angeschlossen haben und im passenden Moment über die Absperrung zum Turmaufgang gestiegen sind. Schwieriger war es in Paris. Über ihren Aufstieg auf das Dach von Notre-Dame schreiben sie auf ihrem Blog: „Das bemerkenswerte ist, dass man an der Fassade der Kathedrale hochklettern kann. Es ist aufregend, aber gefährlich.“

Auch wenn den beiden Fotografen die Gefahr bekannt ist – aufhören möchten sie trotzdem nicht. Nur wenige Wochen, nachdem sie die Bilder ihrer Europa-Reise auf ihrem Blog veröffentlicht haben, hat Vitaliy Raskalov schon neue Bilder ins Netz gestellt. Diesmal mit Ausblick von den Dächern Usbekistans.

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