Galerie im Park zeigt Gemeinschaftsausstellung „Äther“ mit fünf beteiligten Künstlern

Aus der Zwischenwelt

Bremen. Da liegt ein Riesenpferd im Bett, da schwankt die winterliche Allee vor dem Auge des Betrachters, und dort steigt eine unbekannte, nackte Schöne seltsam konturenlos die Treppe hinab. In der Ausstellung „Äther“, die derzeit in der Galerie im Park gezeigt wird, geht es wahrlich nicht um überbordende mediale Bild- und Sound-Eindrücke, sondern vielmehr um die „Zwischen-Welt“ im Fluss des Lebens.
26.03.2015, 00:00
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Aus der Zwischenwelt
Von Uwe Dammann
Aus der Zwischenwelt

Da liegt ein Pferd im Bett: Klaustrophobische, unbekannte Raumwelten dominieren die Bilder von Chandra Fanti (hier ein Ausschnitt). Die Italienerin stellt derzeit mit vier weiteren Künstlern in der Galerie im Park aus.

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Da liegt ein Riesenpferd im Bett, da schwankt die winterliche Allee vor dem Auge des Betrachters, und dort steigt eine unbekannte, nackte Schöne seltsam konturenlos die Treppe hinab. In der Ausstellung „Äther“, die derzeit in der Galerie im Park gezeigt wird, geht es wahrlich nicht um überbordende mediale Bild- und Sound-Eindrücke, sondern vielmehr um die „Zwischen-Welt“ im Fluss des Lebens.

Fünf Künstler sind an der Gemeinschaftsausstellung, die der Berliner Uwe Goldenstein kuratiert hat, beteiligt. Die Arbeiten der internationalen Künstler Chandra Fanti, Gregor Gaida, Nikolai Makarov, Attila Szücs und Alexander Timofeev sind dabei in Technik und Ausfertigung höchst unterschiedlich. Dennoch einigt sie das Oberthema Zwischenwelten und Sehnsuchtsorte, die hier treffend unter dem Titel „Äther“ zusammengefasst wurden.

In der griechischen Mythologie benennt „Äther“ einen Ort „im oberen Himmel“, in den die Seele nach dem Tod hinaufsteigt. In der Medizin ermöglicht die Äther-Narkose einen schmerzlosen Schlaf – in einer Zwischen-Welt. Genau diese „Welt dazwischen“ ist der Schwerpunkt dieser Ausstellung in der Galerie im Park, die bis zum 30. Mai zu sehen ist. Der Titel „Äther“ passt nicht nur zu dem Umfeld des Klinikum Ost, sondern auch zu gezeigten Arbeiten. Ihre Interpretationsmöglichkeiten sind mindestens so vielschichtig wie die Künstler selbst.

In die gezeigte winterliche Allee des 1952 in Moskau geborenen Malers Nikolai Makarov, der heute in Berlin lebt, wird der Betrachter beispielsweise förmlich hineingezogen. Das Bild scheint sich zu bewegen, die verschwommene Allee erscheint dynamisch. Makarov, der in Russland derzeit zu den populärsten Künstlern gehört, zeigt obendrein Bilder von Frauen, die als Projektionsfläche für Sehnsüchte im unscharfen Fotorealismusstil eines Gerhard Richter gemalt sind.

Ganz anders die Motive der Italienerin Chandra Fanti, die in einem eigenen Nebenraum der Galerie gezeigt werden. Ihre Bilder, die zentral jeweils Pferde und einen unbekannten Protagonisten im Bademantel zeigen, wirken mysteriös und verfügen über eine fast klaustrophobische Raumaufteilung. Eindrucksvoll auch das fotorealistische Porträt einer Frau, das von Alexander Timofeev stammt. Lediglich ein Auge in dem markanten Gesicht erscheint angestrahlt und schaut den Betrachter eindringlich an.

Wer sich näher in das Bild vertieft, wird allerdings im dunklen Teil eine Hand erkennen, die nach dem Hals der jungen Frau greift – eindeutig eine Männerhand, die scheinbar Gewalt ausübt und dem Blick der Frau eine ganz andere Interpretation zuweist. Der Bremer Künstler Gregor Gaida wiederum zeigt Skulpturen von Hunden. Er führt den Blick ins Ungewisse durch ein in das Objekt eingelassenes Spiegelglas vor, zum einen kann man damit in das Innenleben des Hundes schauen, zum anderen erzeugen Spiegelungen gleichzeitig neue verzerrte, wie entgleitende Perspektiven. Genau wie in einer beginnenden Äther-Narkose, wobei wir wieder bei dem Titel der Ausstellung wären. Die Betrachter werden hineingezogen in diese künstlerischen Zwischen-Welten – in den unendlichen Äther.

Kurator Uwe Goldenstein bietet am 29. März und am 5. April jeweils um 16 Uhr eine Führung durch die Ausstellung mit einem ausführlichen Gespräch zu den künstlerischen Positionen an.

„Äther. Zwischen-Welten“. Galerie im Park am Klinikum Ost, bis 30. Mai. Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntag 11 bis 18 Uhr – auch Ostern.

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