Judith und Kai Elmendorf führen traditionelle Brennerei ihrer Familie weiter – allerdings im kleineren Rahmen

Aus Liebe zum Korn

Auf Erlass des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm hat sich Familie Elmendorf im Jahr 1689 der Herstellung von Korn verschrieben. Das tut sie auch heute noch.
10.06.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mona Adams

Auf Erlass des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm hat sich Familie Elmendorf im Jahr 1689 der
Herstellung von Korn verschrieben. Das tut sie auch heute noch. Doch Judith und Kai Elmendorf haben den Familienbetrieb inzwischen grundlegend verändert.

Der Brennereibetrieb Elmendorf in Isselhorst war der Mittelpunkt der kleinen Stadt bei Gütersloh in Ostwestfalen-Lippe. Auf dem 8000 Quadratmeter großen Gelände produzierte Knut Elmendorf in achter
Generation jährlich bis zu zweieinhalb Millionen Flaschen Korn und Liköre. Auch
Judith und Kai Elmendorf haben ihr Leben dem Korn verschrieben. Das tun sie aber in Hamburg, in einer kleinen Manufaktur, die mit Bio-Korn gefüllten Eichenfässer stehen in einem gerade mal 25 Quadratmeter großen Raum. Rund 3000 Flaschen verkaufen sie jährlich. Kein Vergleich zu den Geschäften ihrer Vorfahren.

Nach mehr als 300 Jahren wurde der Brennereibetrieb Elmendorf im Jahr 2001 eingestellt. Mit dem Wegfall des Branntweinmonopols war die Grundlage für einen weiteren Betrieb der traditionsreichen Kornbrennerei nicht mehr gegeben. Doch der Sohn in neunter Generation trauert der Vergangenheit nicht nach. „Seit den 60er-Jahren unterlag der Korn einem Preiskampf, der ihn immer billiger und geschmackloser machte. Der Korn hat seinen ursprünglichen Charakter verloren.“ Gemeinsam mit seiner Frau wollte er das ändern. An der Destille hatte er zuletzt 1994 gestanden. Er ließ sich weiterbilden. „Das, was wir heute machen, hat nichts mehr mit dem Betrieb von damals zu tun“, so Kai Elmendorf.

Sechs kleine Eichenfässer stehen in der Manufaktur der Elmendorfs. Sie sind das einzige erkennbare Überbleibsel der 328 Jahre alten Familiengeschichte. Jedes Fass hat seinen eigenen Charakter, trägt den Namen eines Vorfahren. Kai Elmendorf fand sie verstaubt auf dem Dachboden der Brennerei in Isselhorst. Jetzt sind sie der Mittelpunkt des Unternehmens. Gefüllt sind sie mit Korn, der bei 20 Grad Zimmertemperatur mindestens fünf bis sechs Monate reift. Zwischen 72 und 160 Liter Korn fassen die alten Gefäße. Sie sorgen nicht nur für die trübe Farbe des Korns, sondern auch für den interessanten Eigengeschmack. Dabei gilt: „Die Größe macht den Geschmack.“ Bislang vertreiben Elmendorfs nur Korn H aus dem Hermann-Eichenfass. Bald sollen auch die anderen Fasslagerungen folgen. Zwanzig kleine Korn-Fläschchen mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen stapeln sich außerdem neben den großen Eichenfässern. Judith und Kai Elmendorf experimentieren mit Zitrone, Majoran oder Kakao. Letzteres könnte es schon im Weihnachtsgeschäft Ende des Jahres zu kaufen geben. „Wir schauen gerade noch, wie sich der Kakao-Korn mit der Zeit entwickelt“.

Während Gin angesagt und hipp ist, kämpft Korn seit Jahren mit seinem Flatrate-Disko-Schützenfest-Image, billig gemischt und gern in Plastikbechern abgefüllt. Einige Experten prophezeien dem Korn
derzeit eine Zukunft als neues Szene-Getränk unter den Spirituosen. Daran glaubt Kai Elmendorf nicht. „Korn wird nicht der neue Gin sein, aber der Korn hat seinen schlechten Ruf nicht verdient.“ Korn hat ein Reinheitsgebot, darf nur in Deutschland hergestellt werden und ist einer der ältesten Schnäpse des Landes. „Wir reden viel, und müssen Überzeugungsarbeit leisten.“

Der Elmendorf-Korn hat 35 Prozent – und damit mehr als üblich, schmeckt leicht süßlich nach Getreide, am Schluss mild und ölig und hat eine Schärfe, die ihn geschmacksintensiver macht. „Viele unserer Kunden sagen, unser Korn geht geschmacklich in Richtung Grappa“, so Judith Elmendorf. Die 36-Jährige beklebt jede Flasche von Hand und beschriftet sie individuell. Auch das macht den Familienbetrieb heute aus.

Einstmals war Elmendorf die zehntgrößte Brennerei Deutschlands, belieferte Kolonien in Kiautschou, Tanga, Windhoek und Swakopmund. Heute ist das Unternehmen klein, gebrannt wird in der Gemeinschaftsbrennerei in Dortmund, dann reift der Korn in Hamburg, zwei Mal im Jahr wird dort auch
abgefüllt.

Eine Flasche kostet 28 Euro. In Deutschland gibt es nur ein Dutzend Hersteller, die wie Elmendorf wirklich hochpreisigen Korn anbieten. „Wer will, darf unseren Korn natürlich mischen, aber davon würde ich ihm abraten. Der Korn verliert dann an Geschmack“, sagt Kai Elmendorf. Seine Empfehlung: Ein Gläschen nach dem Essen und: „Korn muss warm getrunken werden“, so der Kenner. Der ist er nur von Berufswegen. „Ich trinke keinen harten Alkohol – nur
beruflich.“

Kai Elmendorf führt das Familienunternehmen in der neunten Generation. „Tradition ist ein Ansporn, auf dem ich mich nicht ausruhen darf, aber aufbauen kann“, so der Familienvater zweier Töchter. Sein Vater Knut hat sich komplett aus den Geschäften zurückgezogen. Ob er wirklich glücklich ist mit der Umsetzung seines Erbes, da sind sich Kai und Judith Elmendorf nicht sicher. Die erste Flasche jeder neuen Abfüllung aber geht an den Vorgänger nach Nordrhein-Westfalen. Und das scheint ihm zu gefallen. Ohnehin ordert die Familie ständig Korn-Nachschub. Ein gutes Zeichen.

Weitere Infos unter www.elmendorf.de.
„Korn hat seinen schlechten Ruf nicht verdient.“ Kai Elmendorf
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