Castorf-Inszenierung missfällt Verlag „Baal“ sorgt für Skandal

München·Berlin. Der Suhrkamp Verlag will die Münchner „Baal“-Inszenierung von Regisseur Frank Castorf verbieten lassen. Eine Sprecherin bestätigte gestern, dass der Verlag als Vertreter der Brecht-Erben beim Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegen die Inszenierung des Skandal-Regisseurs beantragt hat.
03.02.2015, 00:00
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Der Suhrkamp Verlag will die Münchner „Baal“-Inszenierung von Regisseur Frank Castorf verbieten lassen. Eine Sprecherin bestätigte gestern, dass der Verlag als Vertreter der Brecht-Erben beim Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegen die Inszenierung des Skandal-Regisseurs beantragt hat. Die Begründung: Bei Castorfs Interpretation am Münchner Residenztheater handle es sich „um eine nicht-autorisierte Bearbeitung des Stückes von Bertolt Brecht“.

Castorf erzählt eine rauschhafte Geschichte vor der Kulisse diverser Kriege in Fernost. Für seinen grotesken, alles andere als gradlinig erzählten „Baal“, den nach Theaterangaben bislang knapp 1700 Zuschauer gesehen haben, fügte er noch Texte unter anderem von Arthur Rimbaud in Brechts Original ein. Den Brecht-Erben geht das zu weit. In der Produktion, die am 15. Januar Premiere hatte, würden viele Fremdtexte verwendet, „die Werkeinheit wird aufgelöst“, bemängelte der Verlag. „Dies verletzt das Urheberrecht und ist durch den mit der Bühne geschlossenen Aufführungsvertrag nicht gedeckt“, kritisiert Suhrkamp. Nach Verlagsangaben wird eine Entscheidung über die einstweilige Verfügung noch in dieser Woche erwartet. Regisseur Castorf nannte Suhrkamps Vorgehen „gestrig und albern“. „Die kennen mich doch und wissen, was da rauskommt“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Im Übrigen sei das „Originalgenie Rimbaud“, denn: „Von dem hat Brecht ja das meiste geklaut.“

Die Erben hätten das Urheberrecht allerdings auf ihrer Seite, sagte der Dramaturg und Theaterjurist Rolf Hemke vom Theater an der Ruhr in Mühlheim: „Das ist relativ strikt und klar.“ Im deutschen Regietheater sei es aber inzwischen an der Tagesordnung, dass Regisseure sich dort relativ schrankenlos austoben und Texte ungestraft verändern könnten. Unterstützung kam am Montag aus Berlin. Der umstrittene „Baal“ ist nämlich zum Berliner Theatertreffen eingeladen worden.

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