Alison Balsom in der Glocke

Betörend und vielfältig

Bremen. Kein Blumenstrauß für die Solistin?, fragte eine Konzertbesucherin in der Pause. Doch, doch, antwortete die Glocke-Mitarbeiterin, aber sie wird auch noch im zweiten Teil spielen.
20.11.2014, 00:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von Éva Pintér
Betörend und vielfältig

Alison Balsom.

Mat Hennek / Deutsche Grammophon

Kein Blumenstrauß für die Solistin?, fragte eine Konzertbesucherin in der Pause. Doch, doch, antwortete die Glocke-Mitarbeiterin, aber sie wird auch noch im zweiten Teil spielen.

Und dies war eine originelle Entscheidung von Alison Balsom, denn so vermochte sie in den beiden Hälften des Meisterkonzertes in der Glocke zwei unterschiedliche Facetten ihrer breiten interpretatorischen Palette darzustellen – und in beiden Auftritten hinterließ sie einen exzellenten Eindruck.

Im Trompetenkonzert Es-Dur von Joseph Haydn faszinierte sie durch die präzise Tongebung und die nuancenreiche Dynamik: man hörte ihre Trompete nicht nur fröhlich schmettern wie etwa in den Ecksätzen, sondern im langsamen Satz auch zärtlich singen.

In der zweiten Konzerthälfte präsentierte dann Alison Balsom zwei Arrangements von Eric Saties „Gnossienne“ Nr. 3 und „Gymnopédie“ Nr. 3 sowie das berühmte „Oblivion“ von Astor Piazzolla. In all diesen Stücken erwies sie sich als hochsensible Künstlerin, die den Zuhörern eine ungemein innige und gefühlvolle Stimmung vemittelte, ohne jedoch in banaler Sentimentalität zu landen. Bitte bald wieder nach Bremen kommen!

Nicht minder einnehmend war das Spiel der „Festival Strings Lucerne“ unter der Leitung von Konzertmeister Daniel Dodds. Schon im Eröffnungsstück, in der Suite „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg, zeichnete sich dieses traditionsreiche Streichorchester durch homogenen Klang und tadellose Spieltechnik aus: hervorragend ausgearbeitet war dabei das stilistische Wechselspiel zwischen romantischen Klängen und barocken Formen.

Noch mehr konnte die Wiedergabe des „Divertimento“ von Béla Bartók überzeugen: Hier fand das Ensemble eine optimale Balance zwischen volkstümlicher Motivik und ausgefeiltem Formaufbau, nicht nur in den schwungvoll-vitalen Ecksätzen, sondern auch im sehr spannungsgeladenen langsamen Satz.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+