Made in Bremen: Familienunternehmen verkauft Fliesen in allen Variationen /Arbeit für Kreuzfahrtschiffe Bis zum karierten Maiglöckchen

Dezente Klassik, ausgefallene Muster, Mosaik – wenn es um Fliesen geht, kennt sich die Firma Schreiber bestens aus. Da ist das Bremer Unternehmen mittlerweile sogar so gut, dass es luxuriöse Kreuzfahrtschiffe ausstattet. Ein Erfolgsgarant könnte der gute Zusammenhalt in der Chefetage sein: Die ist nämlich miteinander verwandt.
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Bis zum karierten Maiglöckchen
Von Kristin Hermann

Dezente Klassik, ausgefallene Muster, Mosaik – wenn es um Fliesen geht, kennt sich die Firma Schreiber bestens aus. Da ist das Bremer Unternehmen mittlerweile sogar so gut, dass es luxuriöse Kreuzfahrtschiffe ausstattet. Ein Erfolgsgarant könnte der gute Zusammenhalt in der Chefetage sein: Die ist nämlich miteinander verwandt.

„Eigentlich war immer klar, dass wir in das Familienunternehmen einsteigen“, antworten die beiden Brüder Hans-Jürgen und Christian Schreiber, wenn man sie danach fragt. Zusammen mit ihrem Vater Jürgen sind die beiden Chefs in einem Unternehmen, das mittlerweile jährlich etwa 30 Millionen Euro Umsatz macht und 120 Mitarbeiter beschäftigt. Den Großteil des Umsatzes bringt der Verkauf von Fliesen in jeglichen Formen und Farben. „Ich sage immer, wir machen sogar das karierte Maiglöckchen möglich“, sagt Christian Schreiber schmunzelnd. Schon beim Betreten der Eingangshalle kann man sich das nur allzu gut vorstellen. Hier funkeln einem über 20 000 Fliesen-Variationen entgegen.

So groß wie heute war die Firma aber nicht immer. 1947, kurz nach dem Krieg, gründete der Großvater der beiden Schreiber-Brüder ein kleines Ladengeschäft – damals nur auf Fliesen spezialisiert. Heute sind auch Fußboden-Beläge und Kamine im Sortiment. Nach dem frühen Tod des Firmengründers musste Jürgen Schreiber schon mit 18 Jahren den Familienbetrieb übernehmen. Keine leichte Aufgabe. „Meine Eltern starteten mit einer Handvoll Mitarbeiter und dem Büro in der eigenen Garage. Sogar unser Laufgitter stand zeitweise da“, erinnert sich Christian Schreiber.

700 000 Quadratmeter Fliesen

Auf ihn und seinen Bruder Hans-Jürgen übte der elterliche Betrieb schon im Kindesalter eine große Faszination aus. „Es waren Themen, die kleinen Jungs Spaß gemacht haben. Für uns war es immer toll, wenn wir mit auf die Baustelle und Gabelstapler fahren durften“, erzählt Hans-Jürgen Schreiber. Als dann in der Schulzeit und während des Studiums die Suche nach einem Nebenjob losging, war immer klar, dass im Familienbetrieb mitgeholfen wird. Bei dem Thema müssen die Brüder lachen: „Unser Vater hat nie gesagt, dass wir müssen – aber irgendwie hat er einen Weg gefunden, uns so zu binden, dass wir immer mehr in das Geschäft reingewachsen sind und dass es uns auch noch Spaß gemacht hat.“

Das Geschäft mit den Fliesen ist für die Firma am lukrativsten. Neben Privatpersonen, betreut Schreiber auch viele Großkunden. Seit einigen Jahren stattet das Familienunternehmen sogar die Kreuzfahrer der Aida aus. Dafür werden die Fliesen ganz bis nach Japan geschickt, wo die Kreuzfahrtschiffe gebaut werden. „Wenn man den Fuß in der Tür hat, dann entwickelt sich eine Dynamik, die auch zu Folgeaufträgen führen kann“, sagt Christian Schreiber. Und die Folgeaufträge sind gekommen. Mittlerweile hat Schreiber auch 40 Flusskreuzfahrtschiffe mit Fliesen beliefert. „Bei 100 Bädern pro Schiff kommt da schon gut was zusammen“, sagt Christian Schreiber. Für das Unternehmen sei dieser Geschäftsbereich besonders attraktiv geworden. „Dadurch bekommen wir ein Stück weit mehr Unabhängigkeit und sind nicht mehr so auf das Saisongeschäft angewiesen“, sagt er. „Auf den hiesigen Baustellen kann ja im Winter oft nicht weitergearbeitet werden.

Um stets mit dem Trend gehen zu können, fährt Christian Schreiber regelmäßig nach Italien und Spanien. „Was da modern ist, schwappt zwei bis drei Jahre später auch nach Deutschland rüber“, sagt er. Dabei muss der Geschäftsmann das ein oder andere Mal auch schmunzeln. „Es gab eine Zeit in den 70er-Jahren, als Brauntöne besonders modern waren. Da habe ich oft gedacht, um Gottes willen, das wird es nie wieder geben“, sagt er. „Aber irgendwie kommt doch alles wieder.“ Fliesen sind für den Fachmann manchmal eine Art Gesellschaftsstudie. Bremen sei beispielsweise ein ganz besonderes Pflaster. „Wir haben nicht so den Mut zur Farbe und mögen es generell lieber dezenter.“ Mit dem Gespür für die Branche verkaufen die Schreibers jährlich circa 700 000 Quadratmeter Fliesen. Um das Ziel regelmäßig zu erreichen, muss man ambitioniert sein. „Wir wollen jeden Tag mindestens einen Lkw voll verkaufen“, sagt Christian Schreiber.

Dass der eine Schreiber-Bruder dem anderen in seinen Bereich reinredet, komme so gut wie gar nicht vor, sagen beide. „Wir haben mittlerweile zum Glück eine Größe erreicht, bei es nicht mehr zu vielen Überschneidungen kommt“, sagt Christian Schreiber. So kümmere er sich vor allem um die Fliesen, Vater Jürgen um die Geschäftsführung und Bruder Hans-Jürgen um die Vermietung der Büroflächen, die Schreibers im eigenen Unternehmensgebäude nicht nutzen. „Wir drei sind ganz unterschiedliche Charaktere, und so hat jeder sein Aufgabengebiet gefunden, in dem er gut ist“, sagt Hans-Jürgen Schreiber. Bruder Christian drückt sich da etwas deutlicher aus: „Um es auf den Punkt zu bringen: Ich hasse Jahresabschlüsse, Buchführung und Finanzen – den ganzen trockenen Kram eben. Mein Bruder wiederum macht das sehr gerne.“

So sehr die Schreibers ihre Arbeit auch schätzen, zu Hause gilt ein stillschweigendes Abkommen für die ganze Familie: kein Wort über die Firma. Einigen Familienmitgliedern fällt das nicht immer einfach. „Unser Vater unternimmt immer wieder gerne Versuche, um mal ganz beiläufig etwas einzustreuen, aber da haben wir eine sehr klare Absprache, weil diese kurzen Anfänge dann in der Regel doch zu ausschweifend werden“, erzählen die Brüder.

Momentan sieht auch die Zukunft für das Unternehmen rosig aus. Neben den vielen Aufträgen haben die Brüder für potenzielle Verstärkung aus den eigenen Reihen gesorgt. „Wir haben insgesamt sechs Kinder. Das könnte wieder ein paar neue Abteilungen geben“, lachen die beiden.

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