Tote Rosen, schlechte Zeiten?

Fernsehserien in der Corona-Krise

Tägliches Programm, aber keine Chance Nachschub zu drehen. Was die Corona-Krise für die unzähligen Daily Soaps und wöchentlichen Serien-Formate im TV bedeutet.
31.03.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Knief und Christof Bock
Fernsehserien in der Corona-Krise

Hier war die Welt noch in Ordnung: Die Schauspieler Philipp Oliver Baumgarten (von links), Claudia Schmutzler und Herbert Ulrich bei den Dreharbeiten für die ARD-Telenovela "Rote Rosen" im Sommer 2019 in Lüneburg.

Philipp Schulze/DPA

Emily und Paul stecken inmitten einer Ehekrise. Carla und Gregor hingegen haben gerade in Dänemark geheiratet und ihre Hochzeitsnacht auf einem Waldparkplatz verbracht – Autopanne sei Dank. Nicht einmal eine Stunde später platzt dann die große Bombe und der Zuschauer erfährt endlich, wer denn nun eigentlich der Vater von Evas Sohn Emilio ist. Ist es Robert? Oder ist es doch Christoph? Spannung, die kaum auszuhalten ist.

Tag für Tag versammeln sich – trotz Streaming und Mediatheken – noch immer zahlreiche Menschen stets zur selben Zeit vor dem Fernseher, um zu verfolgen, welches Schicksal die Stars ihrer Daily Soap heute erwartet. Auf RTL gibt es schon bald die 7000. Folge von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, in der ARD kommt „Rote Rosen“ auf knapp 3100 Folgen, „Sturm der Liebe“ bereits auf mehr als 3300. Aber was, wenn so wie jetzt aufgrund der Corona-Krise kein Nachschub mehr produziert werden kann? Werden die Fernsehzuschauer schon bald auf ihre tägliche Dosis Nachmittags- oder Vorabenddrama verzichten müssen?

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Die meisten TV-Serienproduktionen in Deutschland sind wegen der Corona-Pandemie für die nächste Zeit unterbrochen worden. So pausieren zum Beispiel die Drehs zu den ARD-Formaten „Sturm der Liebe“ und „Rote Rosen“, wie ARD-Sprecher Burchard Röver bestätigt. „Im Moment sieht es aber so aus, dass wir noch bis etwa Ende Mai neue Folgen zeigen können.“ Danach müsse man aller Voraussicht nach Wiederholungen senden, so der Sprecher.

Fans des wöchentlich ausgestrahlten „Tatort“ müssen erst einmal nicht um ihr Sonntagabendritual fürchten. „Die Folgen werden mit großem Vorlauf produziert“, so der ARD-Sprecher. Auch der NDR bestätigte, dass seine drei „Tatort“ und „Polizeiruf 110“-Erstausstrahlungen für dieses Jahr bereits alle fertig sind. Allerdings mussten die laufenden Dreharbeiten für einen Kieler „Tatort“ vorerst unterbrochen, der Drehstart für einen „Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz verschoben werden.

RTL hatte vor Kurzem mitgeteilt, dass die Produktionsfirma vorübergehend den Drehbetrieb der drei Daily-Produktionen „Alles was zählt“, „Unter uns“ und „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) ausgesetzt hat, „um Maßnahmen zur Risikominimierung zu ergreifen“. Die Zeit solle „hauptsächlich dazu genutzt werden, gemeinsam mit Autoren und dem Team die Workflows sowie die Drehbücher an die neuen Bedingungen anzupassen“. Die schon abgedrehten Folgen laufen noch eine Weile weiter. „Auch die 7000. Folge von GZSZ wird wie geplant am 29. April bei RTL ausgestrahlt“, so ein Sprecher.

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„Bei den täglichen Serien wird es vorerst nicht zu Engpässen kommen, da die Versorgung auf mehrere Wochen gesichert ist.“ Zudem sollen die Dreharbeiten demnächst unter verschärften Auflagen wieder aufgenommen werden. „Wir haben die Lage unserer Programmversorgung selbstverständlich im Blick und können auch kurzfristig mit Optionen und Szenarien reagieren.“ Bei RTL 2 macht man mit den Dreharbeiten zu den Daily Soaps „Berlin Tag & Nacht“ und „Köln 50667“ trotz Corona weiter, allerdings unter hohen Sicherheitsvorkehrungen. Es sei ein „weitestgehend kontaktloses Drehen, bei dem kontinuierlich und tagesaktuell alle Prozesse neu hinterfragt werden“, sagt Sender-Sprecher Martin Blickhan.

Das Produktionsteam sei allerdings „auf ein absolut notwendiges Minimum“ verkleinert worden. „Ebenso verzichten wir auf Maske, Tonverkabelung und Dreharbeiten in Fremdmotiven.“ Zusätzlich zum Dreh für die Folgen, die später ausgestrahlt werden, gibt es seit Montag auch eine Live-Sendung, die den regulären Episoden von „Berlin Tag & Nacht“ montags bis freitags vorangestellt wird. Dabei begrüßen wechselnde Moderationspaare via Schalte Darsteller und Zuschauer in ihrem Zuhause. Jeden Freitag gibt es „Köln 50667 - Der Podcast“ – mit Infos zu den vergangenen Folgen.

Im Bereich Liveshow war nun die erste Absage aufgrund der Corona-Krise zu verzeichnen: Der Sender ProSieben teilte am Sonntag mit, dass „The Masked Singer“ wegen zwei Corona-Fällen im Team bis zum 14. April pausiert. Wird Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Let‘s Dance“ ein ähnliches Schicksal ereilen? „Aktuell gibt es bei unseren Shows keine Fälle von Corona“, so RTL-Sprecher Claus Richter. Generell gelte: Es seien nur so viele Leute vor Ort wie nötig, Teams seien entsprechend verkleinert worden, um Mindestabstand einzuhalten. „So wie vor der Kamera Gruppierungen vermieden werden, achten wir auch Backstage darauf.“

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