Udo Wachtveitl über seine Rolle als Waffenhändler in einem brisanten Politthriller und die geheimen Dreharbeiten

„Da wird es Zunder geben“

Herr Wachtveitl, in „Meister des Todes“ spielen Sie einen aalglatten, um nicht zu sagen schmierigen Waffenhändler, wie nah ist der Film, in dem es um fragwürdige Waffenlieferungen geht, an der Realität?Udo Wachtveitl: Ich weiß, dass er sehr nah an der Realität ist, weil der Regisseur Daniel Harrich, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, das Thema sehr genau recherchiert hat. Es bleibt aber ein fiktionaler Film, und wir meinen keine bestimmte Waffenfirma und auch keine bestimmten Vorgänge damit.
22.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Herr Wachtveitl, in „Meister des Todes“ spielen Sie einen aalglatten, um nicht zu sagen schmierigen Waffenhändler, wie nah ist der Film, in dem es um fragwürdige Waffenlieferungen geht, an der Realität?

Udo Wachtveitl: Ich weiß, dass er sehr nah an der Realität ist, weil der Regisseur Daniel Harrich, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, das Thema sehr genau recherchiert hat. Es bleibt aber ein fiktionaler Film, und wir meinen keine bestimmte Waffenfirma und auch keine bestimmten Vorgänge damit.

Wobei sich die Parallelen zur real existierenden Rüstungsschmiede „Heckler & Koch“ aufgrund diverser Details schon aufdrängen, oder?

Nur so viel: Die Firma im Film heißt HSW und die gibt es meines Wissens nicht. Was „Heckler & Koch“ und den Verkauf des Sturmgewehrs G36 nach Mexiko betrifft, möchte ich auf die Dokumentation verweisen, die gleich im Anschluss an den Spielfilm läuft. Da wird es Zunder geben, ich möchte dem aber nicht vorgreifen.

Stimmt es, dass der Film wegen seines brisanten Themas unter strengster Geheimhaltung gedreht wurde?

Stimmt, wir sind unter dem Vorwand unterwegs gewesen, dass wir eine romantische Komödie drehen. Ich kann mich zwar nicht mehr genau daran erinnern, aber auf dem Drehbuch soll irgendein Schwarzwaldmotiv abgebildet gewesen sein (lacht). Sogar wenn wir uns während der Dreharbeiten in Mexiko mit Leuten unterhalten haben, die wir nicht kannten, haben wir die Legende von der romantischen Komödie tapfer aufrechterhalten. Wir wussten ja nicht, wie in einem Land wie Mexiko die Informationsströme funktionieren und ob es Kreise gab, die vielleicht etwas dagegen haben, was in unserem Film verhandelt wird.

War das schwer?

Nicht sehr. In dem Film kommt eine große Hochzeitsszene vor, der von mir gespielte Waffenhändler Lechner heiratet eine Mexikanerin. Da gab es eine extra gebuchte Location mit vielen Komparsen, und da konnte ich sehr plausibel erzählen, wir drehen einen Film über einen Typen, der sich in eine Mexikanerin verliebt.

Sie kannten Regisseur Harrich von seinem Film „Der blinde Fleck“, in dem Sie eine kleine Rolle hatten. „Der blinde Fleck“ hat neue Ermittlungen zum Oktoberfestattentat ausgelöst. Glauben Sie, dass „Meister des Todes“ eine ähnlich große Wirkung haben kann?

Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Es ist zwar nur selten der Fall, dass die Wirkung eines Films, der ein heißes Eisen anpackt, so deutlich wird wie bei „Der blinde Fleck“. Aber auch bei „Meister des Todes“ halte ich die Wahrscheinlichkeit für groß, dass etwas Ähnliches passiert. Letztendlich hat aber jeder Film, der ein brisantes Thema eindringlich aufbereitet, eine gewisse politische Wirkung – und sei es nur über die Bewusstseinsbildung bei den Zuschauern.

Leider sind gerade gut gemeinte Filme oft arg langweilig.

Ja, das sind die Filme, denen man nur die gute Absicht anmerkt, und die dabei völlig die künstlerische Dimension außer Acht lassen. Solche braven, stinklangweiligen Absichtsfilme sind natürlich ganz furchtbar, aber so einen haben wir eben nicht gedreht. Unser Film ist bei aller Brisanz auch spannend und unterhaltsam, wie ich finde.

Der von Ihnen gespielte Waffenhändler Lechner ist ja genau der Typ, den ihr „Tatort“-Kommissar Leitmayr gefressen hätte, oder?

Stimmt, das wäre ein interessantes Aufeinandertreffen. Der Lechner schwimmt ja wie ein Fettauge oben auf der Suppe, dazu kommt sein provokantes Auftreten – an dem hätte der Leitmayr sicher seine helle Freude. Es hat auch großen Spaß gemacht, diesen unangenehmen Typen zu spielen, das war mal eine ganz andere Rolle als der ganz der Geradlinigkeit verpflichtete Leitmayr aus dem „Tatort“.

Sind Bösewichter die interessanteren Rollen?

Nicht immer, aber sehr oft ist es so. „Tatort“-Kommissare müssen den Zuschauer an die Hand nehmen und durch fremde Welten führen. Derjenige, der das macht, muss ein verlässlicher Charakter sein, dem man auch was glaubt. Für die Autoren ist es dagegen oft interessanter, sich Bösewichte auszudenken, und ich habe die starke Vermutung, dass da viele brave Bürgerkinder auch gerne ihre dunkle Seite ausleben.

Und der durften Sie sich jetzt als Waffenhändler endlich auch einmal zuwenden . . .

Ach, man kann sich den sicher noch dunkler und extremer vorstellen, aber die Richtung hat schon mal gestimmt. Bei alldem gilt es natürlich zu beachten, dass wir uns mit diesem Film in einem realistischen Genre bewegen. Otto Lechner ist nicht Hannibal Lecter.

Das Interview führte Martin Weber.

Zur Person

Udo Wachtveitl wurde 1958 in München geboren. Er arbeitete in jungen Jahren als Synchronsprecher für Kinderfilme und startete nach einem Philosophiestudium als Schauspieler durch. Seine bekannteste Rolle ist die des Münchner „Tatort“-Kommissars Franz Leitmayr, die er seit 24 Jahren an der Seite seines Kollegen Miro Nemec ausfüllt. Wachtveitl lebt in seiner Geburtsstadt München.

„Meister des Todes“ läuft an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr in der ARD. Danach um um 21.45 Uhr gibt es die Dokumentation „Tödliche Exporte – Wie das G36 nach Mexiko kam“.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+