Night of the Proms

Das Beste aus 300 Jahren Musik

Klassik trifft Pop - und das seit mehr als 30 Jahren. In Deutschland werden Shows dieser Art seit 1994 veranstaltet.
17.11.2018, 22:05
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Linda Bussmann

Es ist die niemals endende Liebe zur Musik. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Show. Die „Night Of The Proms“ verbindet seit mehr als 30 Jahren Klassik und Pop. Die Idee zu der im Herbst stattfindenden Tournee entstand 1985 anlässlich einer Studentenparty in Antwerpen. Seitdem wird das Konzept in vielen Ländern aufgeführt – in Deutschland seit 1994.

Der Grundgedanke ist in all den Jahren gleich geblieben. Wer einmal bei den „Proms“ zu Gast war, weiß, was ihn erwartet: opulente Chor- und Orchesterklänge sowie jährlich wechselnde Stars, die ihre Hits im Klassikgewand präsentieren. Und diese sind eben die Besonderheit der jährlich stattfindenden Tournee: Jede Ausgabe präsentiert neue Künstler, die mit der Show auf Tour gehen. Diese sind in ihrem Stil so unterschiedlich, sodass der Abend bei den „Proms“ abwechslungsreiche Unterhaltung bietet – jedes Jahr aufs Neue.

Auf diese Weise kommen Anhänger rockiger Gitarren in Kontakt mit klassischen Klängen. Die Abende steuern manch hart­näckigen Klischees entgegen. „Wer auch ­immer behauptet hat, dass Klassik trocken und ernst sein muss, hat unrecht“, sagt Jan Vereecke, einer der Tourneeproduzenten und Erfinder der „Night Of The Proms“.

„Wir brechen seit vielen Jahren europaweit mit fast allen Regeln eines klassischen Konzertes und werden seitens der Besucher mit einer so großen Begeisterung belohnt, dass es einfach nicht falsch sein kann“, erklärt Dirk Hohmeyer, deutscher Produzent und Tourneeveranstalter der „Proms“. „Durch uns sind in den vergangenen Jahren über sechs Millionen Besucher mit klassischer Musik in Berührung gekommen, die sonst vielleicht nie ein klassisches Konzert besuchen würden.“

Geboten wird eine große Show

Dass die Zuschauer von Anfang an von der Atmosphäre gefangen sind, liegt sicherlich auch daran, dass es sich bei der Veranstaltung nicht um ein kammermusikalisches Event handelt, sondern dass ganz großes Kino geboten wird. Begleitet werden die Stars vom 75-köpfigen The Antwerp Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Alexandra Arrieche. Ebenso mit dabei ist die NOTP Backbone Band.

Die Lichtshow gehöre zudem zu den am aufwendigsten inszenierten ihrer Art. Der Lichtdesigner verbringt mit seinem Team mehrere Hundert Stunden im Jahr mit der Vorbereitung der Tournee. „Wir können durch den Einsatz modernster Lichttechnik natürlich die Stimmungen der einzelnen klassischen Werke genau so unterstützen, wie dies bei Pop- und Rockkünstlern ganz selbstverständlich erwartet wird“, so Dirk Hohmeyer.

Doch nun zu den Stars, die der diesjährigen Show die gewisse Würze geben. „Unser Credo lautet: Das Beste aus 300 Jahren populärer Musik“, umschreibt Tourneeveranstalter Dirk Hohmeyer das Konzept. Und so passiert es, dass sich die britische Ikone Bryan Ferry, der belgische Popstar Milow, der deutsche Singer-Songwriter Tim Bendzko und die US-Powerfrauen von den Pointer Sisters mit dem klassischen Gitarristen Petrit Çeku die Bühne teilen.

Der Name Bryan Ferry ist seit langer Zeit mit der Gruppe Roxy Music verbunden. Die Formation gründete sich Anfang der 70er-Jahre und konnte in der Folge zahlreiche Erfolge verbuchen – unter anderem mit den Hits „Dance Away“, „Love Is The Drug“ und „Avalon“. Doch auch solo ist Ferry seit jeher aktiv. 2014 ist mit „Avonmore“ sein 15. Longplayer erschienen, 2016 gab es eine Remix-Version der Platte.

Hits wie „Slave To Love“ und „More Than This“ gehören noch heute zum ständigen Radiorepertoire deutscher Sender. Die US-amerikanische Soul- und Disco-­Formation The Pointer Sisters gründete sich 1971. Seitdem haben die Schwestern Anita, Bonnie, Ruth und June (Letztere verstarb 2006) für Evergreens gesorgt. Disco-Klas­siker wie „I’m So Excited“, „Fire“ und „Jump (For My Love)“ gehören heute noch auf jede gute Partyplaylist. Die drei Damen waren bereits 2002 bei der „Night Of The Proms“ zu Gast.

Auch Bendzko bei der Proms dabei

Mit dem Song „Nur noch kurz die Welt retten” wurde Tim Bendzko 2011 berühmt. Vor zwei Jahren erschien mit der Platte ­„Immer noch Mensch“ sein bislang drittes Album. Ob im Vorprogramm von Elton John und Joe Cocker oder als Juror bei „The Voice Kids“ – der 33-Jährige ist omnipräsent und räumte neben dem „Echo“ und dem „MTV Europe Music Award“ auch gleich einen „Bambi“ mit ab. Jetzt stellt er seine Songs in sinfonischem Gewand bei der „Proms“ vor.

Milow betrat die deutsche Szene 2007 mit seinem Hit „You Don‘t Know“ und konnte sich 35 Wochen in den Charts festsetzen, bevor er mit „Ayo Technology“ 2008 den Ohrwurm des Jahres lieferte. Der Belgier tourt seitdem weltweit und ist längst zu einem Synonym für eine charismatische Stimme, Melodiebögen und einfallsreiche Arrangements geworden.

Der diesjährige Klassiksolist bei der Veranstaltung ist Petrit Çeku an der klassischen Gitarre, ein kosovo-albanischer Künstler, der von dem Kritiker Colin Cooper als „außergewöhnlich begabter Solist“ gelobt wurde. Der 33-Jährige ist Preisträger renommierter internationaler Gitarrenwettbewerbe. Darunter befinden sich die „Parkening International Guitar Competition“ in Malibu und die „Schadt String Competition“ in Allentown – beide aus den USA – sowie die „International Guitar Competition Michele Pittaluga“ in Alessandria, Italien.

Auch John Miles mit von der Partie

Mit auf die Bühne gesellt sich ein Künstler, dessen Name und Evergreen für immer mit der Show verbunden sind: John Miles mit seinem Meilenstein „Music (Was My First Love)“. Er bildet den Grundpfeiler des Tourneefestivals. Fans der Veranstaltung warten teilweise den ganzen Abend darauf, die legendären Töne des Songs zu hören, den der heute 69-Jährige bereits 1976 veröffentlicht hat.

Es ist eine Ballade, die sanft mit einem Klavierpart startet und bombastisch mit Streichern, Bläsern, Chor und ­Gitarre endet. Es scheint, als sei es die perfekte Hymne für eine Show, die sich damit hervortut, dass sie eine passende Melange aus Klassik und Pop bildet. Und so ist es kein Wunder, dass John Miles seit mehr als einem Vierteljahrhundert zum Programm gehört und seinen Klassiker präsentiert. Zudem drückt der Text aus, für was die Show steht: „Music was my first love and it will be my last“ – die niemals endende Liebe zur Musik.

Die „Night Of The Proms“ mit Bryan Ferry,
Milow, Tim Bendzko, The Pointer Sisters,
John Miles, Petrit Çeku und The Antwerp ­Philharmonic Orchestra unter der Leitung
von ­Alexandra Arrieche findet am Sonntag,
2. Dezember, ab 18 Uhr in der ÖVB-Arena
statt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+