Städtische Galerie Delmenhorst: Hasen, Monster und Menschen der neuen HfK-Professorin Heike Kati Barath

Das Böse immer im Blick

Kinder, Jugendliche, Hasen und Monster – Heike Kati Barath malt sie alle klassisch figurativ und zwar zumeist im XXL-Format. Die Städtische Galerie Delmenhorst zeigt ab heute als erstes Haus in der Region Bilder, Zeichnungen und Skulpturen der neuen Professorin für figurative Malerei an der Bremer Hochschule für Künste.Kinder, Jugendliche, Hasen und Monster – Heike Kati Barath malt sie alle klassisch figurativ und zwar zumeist im XXL-Format. Die Städtische Galerie Delmenhorst zeigt ab heute als erstes Haus in der Region Bilder, Zeichnungen und Skulpturen der neuen Professorin für figurative Malerei an der Bremer Hochschule für Künste.
08.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Groth

Kinder, Jugendliche, Hasen und Monster – Heike Kati Barath malt sie alle klassisch figurativ und zwar zumeist im XXL-Format. Die Städtische Galerie Delmenhorst zeigt ab heute als erstes Haus in der Region Bilder, Zeichnungen und Skulpturen der neuen Professorin für figurative Malerei an der Bremer Hochschule für Künste.

Ihre Farben sind zumeist lieblich-licht, ihre Bildformate zumeist riesig und wandfüllend. Die Kinder und Jugendlichen, die die neue Bremer Hochschullehrerin Heike Kati Barath porträtiert, wirken auf den ersten Blick ein bisschen grobschlächtig, aber nicht unsympathisch – ihre weit auseinander stehenden Augen irritieren aber. Wer diese Bilder allerdings genauer anschaut – die verschränkten Arme der Teenies, die schroffen Blicke, die herausfordernde Körperhaltung und die spitzen Münder – der wird nachdenklich. Sind diese Jugendlichen wirklich so harmlos? Und warum trägt der an sich so reizend aussehende Hase einen richtig dicken, fiesen Knüppel?

Die Städtische Galerie Delmenhorst zeigt jetzt die ungewöhnliche Malerei der in Berlin lebenden Heike Kati Barath, die nach einem Lehrauftrag im Wintersemester 2012/2013 nun eine Professur an der Bremer Hochschule für Künste hat. Schon im Sommer 2012 war Barath in der Delmenhorster Gruppenausstellung „Ab in die Ecke“ vertreten. Daraus erwuchs bei Galerieleiterin Annett Reckert lange vor dem festen Bremer Engagement der Künstlerin die Idee einer Einzelausstellung.

Heike Kati Barath hat sich als Motto für ihre Präsentation ein Faust-Zitat („Nun gut, wer bist du denn?“) erwählt, das den Dialog zwischen Faust und Mephisto über die Kraft, die das Böse will und stets das Gute schafft, einleitet. Das Gute und das Böse in der wohl unlösbaren Verbindung interessiert die Künstlerin brennend. Dieses Thema zieht sich durch alle ihre Arbeiten – egal, ob sie nun großflächig malt oder aus Schaumstoff und Steinzeug Skulpturen formt.

Auf den ersten, flüchtigen Blick ist die Intention Heike Kati Baraths nicht gleich erkennbar. Der Betrachter steht vor Bildern und Objekten, die klar und direkt Menschen und Figuren zeigen, ja, die einem konfrontativ gegenüberstehen. Die Gestalten scheinen Comics, den Trickfilm-Serien der TV-Kanäle MTV und Viva entnommen zu sein. In ihrer Mimik und ihren Gesten sind diese pubertierenden Jugendlichen beim zweiten Hinsehen eindeutig. Der stechende Blick der weit auseinanderstehenden Schweinsäuglein, die ganze Körperhaltung sagt nichts anderes als „Ich bin cool, rühr mich nicht an!“. Doch halt – so ganz nimmt man das diesen Jungen und Mädchen nicht ab, irgendwo schwingt da auch Verletzlichkeit und Unsicherheit mit. Ähnliches gilt für die von Barath immer wieder verwendeten Motive der Hasen und Monster. Rote Nasen und Augen suggerieren wie Mäuler mit großen Zähnen Gefahr, die zarten Farben scheinen das Gegenteil zu signalisieren.

Heike Kati Barath entwickelt alle diese Figuren malerisch immer aus dem Kreis heraus, betont dadurch die Flächigkeit und verzichtet weitgehend auf Kontraste. Haptisch werden diese Bilder, egal ob auf die Leinwand oder direkt auf die Wand gemalt, dadurch, dass sie die Haare ihrer Gestalten mit Fugendichter modelliert. So wirken die Bilder und die ebenso mit dieser Modelliermasse bearbeiteten Skulpturen plastisch. Erstmalig zeigt sie öffentlich auch Masken und Köpfe aus Keramik. Im Herrenzimmer der Städtischen Galerie hat sie eine ganze Ahnengalerie aufgebaut, deren Angehörige sich durch überdimensionierte Nasen und andere unappetitliche Accessoires auszeichnen.

Zwei weitere Räume der von Annett Reckert kuratierten Ausstellung heben sich deutlich ab: Im Gästezimmer stellen Studierende ihrer Klasse an der Hochschule für Künste aus. Amina Brotz, Alexander Esch van Dettum, Stephan Fritsch, Hairihan, Tanja Hehn, Yeon-Ji Kim, Luan Lamberty, Emre Meydan, Jónina Thomods-dóttir, Luis Toledo, Jonas Vauth, Sören Weigel, Sanda Zaigzne sind hier mit Arbeiten vertreten. Im Studierzimmer gibt Heike Kati Barath Einblicke in ihre Arbeitsweise. Dort findet der Besucher Bücher und Hefte, die sie gestaltet hat und die ihr Anregungen geben, dort stehen Möbel aus ihrem Atelier. Und dort zeigt sie kleine Tusche-Arbeiten und Skizzenblätter, die belegen, mit welcher Akribie sie sich auf ihre Großformate vorbereitet.

Diverse Arbeiten von Heike Kati Barath befinden sich auch in der Remise der Galerie, in der Selbstbildnisse und Porträts aus der hauseigenen Sammlung dominieren. Zu sehen ist dort auch ein 2013 gemaltes vierteiliges Selbstporträt der Berliner Künstlerin. Diesem Bildnis haftet so gar nichts Böses an – Heike Kati Barath kann also auch anders.

Städtische Galerie Delmenhorst, Fischstraße 30; bis 30. März. Geöffnet: dienstags bis sonntags 11 bis 17 Uhr. Zur Ausstellung erschien ein Künstlerbuch mit 48 Siebdrucken.

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