Arnon Grünberg übernimmt für „Couchsurfen“ fremde Rollen

Das Eigene im anderen

Das Leben wollte er lernen: Deshalb machte sich der Amsterdamer Autor Arnon Grünberg auf den Weg in den Irak, nach Afghanistan, aber auch in ein bayerisches Hotel und ein niederländisches Neubauviertel. In dem Buch „Couchsurfen und andere Schlachten“, das Ilija Trojanow im Diogenes-Verlag herausgegeben hat, sind knapp 20 seiner Reportagen von diesen Reisen in den Alltag der anderen erschienen.
20.10.2013, 00:00
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Das Eigene im anderen
Von Kathrin Aldenhoff
Das Eigene im anderen

Grünberg-Cover

FR, buecher.de

Das Leben wollte er lernen: Deshalb machte sich der Amsterdamer Autor Arnon Grünberg auf den Weg in den Irak, nach Afghanistan, aber auch in ein bayerisches Hotel und ein niederländisches Neubauviertel. In dem Buch „Couchsurfen und andere Schlachten“, das Ilija Trojanow im Diogenes-Verlag herausgegeben hat, sind knapp 20 seiner Reportagen von diesen Reisen in den Alltag der anderen erschienen.

Grünberg schlüpft für die Reportagen in Rollen – und er macht das so konsequent, dass er immer wieder von einem „Wir“ spricht. Egal, ob es nun darum geht, mit der türkischen Kollegin die Haare eines Gastes aus dem Bettlaken zu pflücken, damit man es noch einmal benutzen kann, oder um die Mission der niederländischen Armee in Afghanistan. Fein beobachtet er, wie sich die Menschen in seiner Umgebung verhalten, aber auch wie er sich selbst verhält, was mit ihm geschieht. Beispielsweise bei einem Raketenangriff, den er im Sommer 2006 in Afghanistan erlebt: „Auf den Alarm horchend, überkommt mich eine wahnwitzige Freude, eine Erregung, wie ich sie noch niemals verspürt habe.“

Grünberg begibt sich in fremde Welten und nimmt einen mit ins Unbekannte, lässt einen bis ins kleinste Detail teilhaben an seinen Erlebnissen. Das macht die Reportagen so spannend, anrührend und herzerfrischend komisch. Die Mission, auf die sich der Autor des erfolgreichen Debütromans „Blauer Montag“ machte, als ihn das Leben zwischen Lesungen und Literaturfestivals zu langweilen begann, lässt sich als erfüllt bezeichnen.

Arnon Grünberg: Couchsurfen und andere Schlachten. Diogenes, Zürich.

480 Seiten, 21,90 .

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