Ein Fall, zwei Filme

Das erwartet die Zuschauer beim neuen Fernsehexperiment der ARD

Ferdinand von Schirachs „Feinde – Gegen die Zeit“ zeigt den Fall um die Entführung einer Zwölfjährigen. Der Film läuft gleichzeitig im Ersten und in den Dritten Programmen – aus unterschiedlichen Perspektiven.
02.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Das erwartet die Zuschauer beim neuen Fernsehexperiment der ARD
Von Alexandra Knief

Erst vor einigen Wochen zeigte die ARD mit „Ferdinand von Schirachs Gott“ ein TV-Event, das das Fernsehpublikum aktiv mit ins Geschehen einbezog. Es ging um die Frage, wer über Leben und Tod entscheiden darf. Konkret um den Fall eines 78-Jährigen, der kerngesund ist, aber nach dem Tod seiner Frau nicht mehr leben will. Mit Hilfe eines Medikaments und seiner Ärztin will er seinem Leben ein Ende bereiten. Rechtlich ist die ärztliche Beihilfe zum Suizid seit Februar dieses Jahres möglich. Ethisch wird darüber nach wie vor debattiert. Die Zuschauer durften multimedial über das Thema diskutieren und abstimmen, ob der Betroffene das Medikament bekommen soll oder nicht.

Am 3. Januar steht nun schon wieder eine Geschichte des erfolgreichen Autors und Strafverteidigers Schirach im Mittelpunkt des Programms und das gleich auf mehreren Sendern. „Ferdinand von Schirach: Feinde“ soll gleichzeitig im Ersten und in allen Dritten Programmen der ARD ausgestrahlt werden. Auf allen Sendern geht es um die Entführung der zwölfjährigen Lisa von Bode. Die Entführer fordern fünf Millionen Euro Lösegeld in Bitcoins von der wohlhabenden Familie des Mädchens. Im Ersten folgen die Zuschauer in „Gegen die Zeit“ Kommissar Peter Nadler (Bjarne Mädel), der mit Georg Kelz (Franz Hartwig) schnell einen Verdächtigen gefunden hat, ihn dann aber mit unlauteren Mitteln zum Reden bringt.

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Auf allen Dritten Programmen und auf One folgen die Zuschauer in „Das Geständnis“ Konrad Biegler (Klaus Maria Brandauer), dem Strafverteidiger des Beschuldigten. Als er herausfindet, wie Nadler an sein Geständnis gekommen ist, versucht er mit aller Macht einen Freispruch des Angeklagten zu erwirken – egal, ob dieser schuldig ist oder nicht. Am Ende beider Filme stehen sich Nadler und Biegler im Gerichtsprozess gegenüber. Und noch am gleichen Abend zeigen die Sender auch den jeweils anderen Film, sodass kein Zuschauer etwas verpasst. Ziel des TV-Events ist es laut Christine Strobl, Geschäftsführerin der ARD Degeto, „alle Zuschauer in die Diskussion von Recht oder Gerechtigkeit“ einzubinden. Vorbild für die Filme ist der Fall des Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler, der 2002 entführt und ermordet wurde. „Wir wollen das Richtige tun und setzen unser Gerechtigkeitsgefühl über das Recht. Wie gefährlich das ist, zeigt dieser Film“, sagt Autor Schirach selbst über das Projekt.

Fragen nach Recht und Gerechtigkeit

Begleitet werden die Filme von einer Dokumentation (Das Erste, 21.45 Uhr), die sich um Fragen nach Recht und Gerechtigkeit dreht. In einem Experiment werden einer Zuschauergruppe – bestehend aus Eltern, Juristen und Polizisten – beide Filme gezeigt und sie müssen hinterher darüber abstimmen, ob ein Freispruch gerecht ist oder nicht. Zudem werden in der Dokumentation wahre Entführungsfälle behandelt. Richard Oetker, selbst Entführungsopfer, erzählt zum Beispiel davon, wie ihn diese Erfahrung geprägt hat. Zu Wort kommt auch Familie Riße. Sie war 2015 auf schnelle Ermittlungen der Polizei angewiesen, als ihre 17-jährige Tochter entführt wurde.

In der Mediathek wird außerdem eine ­weitere, 45 Minuten lange Filmversion zur Verfügung stehen, die sich ausschließlich auf die Hauptverhandlung sowie Rechtsfragen im Strafprozess konzentriert und die Perspektiven des Anwalts und des Ermittlers ver­bindet.

Weitere Informationen

Ferdinand von Schirachs „Feinde – Gegen die Zeit“: Sonntag, 3. Januar 2021, 20.15 Uhr im Ersten. „Feinde – Das Geständnis“, zeitgleich in allen dritten Programmen.

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