Der mexikanische Künstler E. S. Mayorga erhält den Videokunst-Förderpreis / Ausstellung in der Kunsthalle

Dem Grauen ein Bild geben

Bremen. Er hat zweifellos ein Faible für Horror – und so kommen in seinem autobiografischen Dokumentarfilm „The Role of Fear“ ein gruseliger Totenkopf oder ein fürchterlich aussehendes Gebiss vor. Sich selbst setzt er in einem Selbstporträt mit Zigarette und Fledermausschatten in Szene.
19.02.2016, 00:00
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Dem Grauen ein Bild geben
Von Uwe Dammann

Er hat zweifellos ein Faible für Horror – und so kommen in seinem autobiografischen Dokumentarfilm „The Role of Fear“ ein gruseliger Totenkopf oder ein fürchterlich aussehendes Gebiss vor. Sich selbst setzt er in einem Selbstporträt mit Zigarette und Fledermausschatten in Szene.

Der mexikanische Künstler E. S. Ma-yorga hat mit seiner Kamera seit seinem 15. Lebensjahr Selbstbeobachtungen angefertigt und aus insgesamt 300 Stunden Videomaterial einen autobiografischen Dokumentarfilm erstellt. Für diese Arbeit bekommt E. S. Mayorga am Freitag, 19. Februar, den 23. Videokunst-Förderpreis überreicht, der mit einer Ausstellung in der Kunsthalle Bremen verbunden ist. Den zweiten Preis erhält Sharlene Kahn, deren Film „When the moon waxes red“ ebenfalls in der Kunsthalle zu sehen ist. Sie untersucht in ihrem Projekt die Geschichten der Frauen in Südafrika seit dem 19. Jahrhundert aus einer persönlichen Perspektive und verbindet Videos, inszenierte Fotografien und handgemachte Spitze in einem Film.

Hauptpreisträger E. S. Mayorga wurde 1975 in Mexiko City geboren. Er studierte am Centro Naciona de Las Artes und war Meisterschüler an der Hochschule für Künste in Braunschweig. Nun lebt er in Wiesbaden. In seinem Film „The Role of Fear“ hat er nach eigenem Bekunden paranormale Phänomene aus seinem Leben verarbeitet – unter anderem das Verschwinden seiner jüngeren Schwester Ana, die vermutlich von Mitgliedern des Drogenkartells „La Familia“ gekidnappt wurde.

Auch die mexikanische Bundespolizei soll daran beteiligt gewesen sein. Mayorga befasst sich in seinem Film mit dem besonderen Blick auf Mexiko, mit realer Gewalt, Widersprüchen in der Gesellschaft und den ökonomischen Ungleichgewichte, die das Land destabilisieren. Er selbst zeigt dabei im ersten Teil des Films seinen Weg vom Kleinkriminellen zum Künstler. „Ich beschreibe, wie sich meine ersten künstlerischen Projekte am Rande der Legalität entwickelten. Aber ist nur der fröhliche Beginn einer Geschichte, die zu unheimlich ist um wahr zu sein“, äußert sich Mayorga selbst zu seinem Projekt. Er fühle sich durch den Videokunst-Förderpreis bestätigt und geehrt.

„Seine künstlerischen Recherchen geraten ob der dabei eingesetzten Mittel zu atemlosen Tiefflügen durch die Filmhistorie und durch die eigenen psychischen Abgründe“, urteilt die Jury des Videokunst-Förderpreises über das Werk Mayorgas. Der Preis wird alljährlich vom Filmbüro Bremen vergeben und ist mit 5000 Euro dotiert. In der Jury sitzen in diesem Jahr Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses, Susann Maria Hempel, Videokünstlerin und frühere Preisträgerin, und Kai Hoelzner, Galerist aus Berlin. Der Jury lagen 211 Projekte vor, aus denen die Sieger ausgewählt wurden.

Den mit 1500 Euro dotierten zweiten Preis bekommt Sharlene Khan für ihr Projekt „When the moon waxes red“ zuerkannt. Sharlene Kahn schloss ihr Kunststudium mit einer Promotion an der Londoner Goldsmiths Universität ab.

Die Werke der jungen Künstlerin waren in Einzelausstellungen und in Gemeinschaftsausstellungen in Frankreich, Indien, Schweden, Südafrika, in den USA und in Deutschland zu sehen.

Die Arbeiten zum Videokunst-Förderpreis sind vom 20. Februar bis 1. Mai in der Bremer Kunsthalle zu sehen, mittwochs bis sonntags 10 bis 17 Uhr, dienstags 10 bis 21 Uhr.

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