Vor dem Bauchredner Benjamin Tomkins ist kein Stofftier sicher − aber vor der Bettkante hört die Liebe auf Der Herr von King Kong und der weißen Barbie

Alter, hörst du dir eigentlich beim Reden zu?“ Die dicke Stubenfliege mit den Kulleraugen wird langsam ärgerlich. Und genau das brachte Benjamin Tomkins millionenfache Netzberühmtheit ein.
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Der Herr von King Kong und der weißen Barbie
Von Martin Wein

Alter, hörst du dir eigentlich beim Reden zu?“ Die dicke Stubenfliege mit den Kulleraugen wird langsam ärgerlich. Und genau das brachte Benjamin Tomkins millionenfache Netzberühmtheit ein. Sein Sketch über die drei Flaschengeister Was, Korrekt und Egal und eine Stubenfliege wurde allein bei Youtube inzwischen 2,7 Millionen Mal abgerufen und Hunderttausende Mal über Whats-App verschickt. Seither ist der gebürtige Kieler Tomkins mit seinen Maulpuppen aus deutschen Unterhaltungsshows nicht mehr wegzudenken und füllt deutschlandweit große Säle. Seit Anfang Januar tourt er mit seinem neuen Bühnenprogramm „King Kong und die weiße Barbie“. Am 12. Januar ist er in der Stadthalle Verden zu Gast, am 14. Januar im Cäciliensaal in Oldenburg.

Die Geschichte von King Kong sei für ihn ein Paradebeispiel misslungener Kommunikation, erklärt Tomkins. Wie es dazu kommt und was dann schiefläuft, will er in seinem neuen Programm einmal mehr vorführen. Dafür hat er eigens einen 2,2 Meter großen weißen Gorilla im Gepäck. „Den habe ich als Plüschtier auf dem Trödel gefunden und gleich aufgeschnitten und zur Puppe umgebaut.“ Für seine Shows, da ist Tomkins unmissverständlich, ist kein Stofftier vor ihm sicher, wenn es als Charakterkopf taugt. Braucht er einen etwas muffigen Grantler, kommt stattdessen auch mal ein alter (Kaffee-)Sack auf die Bühne.

2010 ist Tomkins die Bühnenkarriere einfach zugeflogen. „Ich habe in Österreich mit Gebrauchtwagen gehandelt, erzählt der haarlose 51-Jährige. Vorher war er als Weltenbummler unterwegs, lebte in Nordamerika, Asien, Afrika und auf einem Segelboot in der Adria. Doch als er am Weihnachtsabend einem Bauchredner im Fernsehen zuhörte, entdeckte Tomkins durch Zufall sein eigenes Talent. Die Familie war begeistert und meldete ihn zum Österreichischen Kleinkunstpreis an. Tomkins gewann. „Acht Wochen später hatte ich mein Geschäft verkauft und war nach Berlin gezogen, weil ich für österreichischen Humor nicht geschaffen bin.“ Angst vor dem Neuanfang hatte er angeblich keine: „Wenn man mit vollem Herzen dabei ist, klappt so etwas fast immer.“

In Berlin entwickelt der Kleinkünstler seither seine Figuren immer noch selbst. Ja, die Muppets und die Sesamstraße hätten ihn geprägt wie seine ganze Generation. Aber Vorbilder will Tomkins nicht benennen. Etwas gesunde Anarchie gehört jedenfalls zu seinem Geschäft – und viel Sprachwitz. „Wenn ich die Figuren längere Zeit spiele, entwickeln sie durchaus ein Eigenleben. Manchmal bin ich selbst erstaunt, was die dann von sich geben.“ Gerne würde er einmal als Mediator zwischen zwei Puppen von Gott und Teufel auftreten. „Wie die aussehen müssten, wüsste ich schon. Aber noch sind sie in meinen Augen zu sehr mit Klischees besetzt, als dass sie sich als Charaktere freischwimmen könnten.“

Trotz aller Nähe: Mit ins Bett dürfen Herr Hansen, die Stubenfliege oder der Alte Sack nicht: „Für mich bleiben sie Arbeitsgeräte. Wir pflegen keine persönliche Beziehung.“ Das gilt selbst für den kleinen harmoniesüchtigen Dinosaurier, der sich im Netz kurz vor Weihnachten über den Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt empörte. „Wir Dinos waren nicht die Zivilisiertesten. Aber wir haben nur getötet, um zu fressen.“

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