Schüler präsentieren ihre Firmen auf einer Messe im Cinemaxx / Beautyprodukte, Kunsthandwerk und Bürobedarf im Angebot

Der Nachwuchs zeigt, was er kann

Bremen. Das Cinemaxx am Hauptbahnhof ist vormittags normalerweise geschlossen. Nicht so bei der 7.
15.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von MARIKE DEITSCHUN
Der Nachwuchs zeigt, was er kann

Zeyneb Ekin von der Oberschule an der Helgolander Straße hat mit Klassenkameradinnen Lampen und andere Dekoartikel aus ausrangierten Landkarten gebastelt. Die Produkte konnten auf der Schülerfirmen-Messe gekauft werden.

Christina Kuhaupt

Das Cinemaxx am Hauptbahnhof ist vormittags normalerweise geschlossen. Nicht so bei der 7. Schülerfirmen-Messe. Das Kino wurde am Donnerstag zu einem kleinen Kunstmarkt. Es wimmelte geradezu von kreativen Jungunternehmern, Wirtschaftsvertretern und Kunden. Auf zwei Ebenen präsentierten sich 25 verschiedene Schülerfirmen mit ihren Produkten: Neben kleinen Leckereien gab es Beautyprodukte, Kunsthandwerk und Bürobedarf aller Art.

Um die Messe zu ermöglichen, sind stets viele Lehrkräfte mit Ideen nötig, weiß Organisatorin Claudia Schettler vom Landesinstitut für Schule: „Jede Firma macht etwas ganz Besonderes.“ Eine Schülerfirma zu gründen, ist gar nicht so einfach: Erst braucht es eine gute Idee und einen Lehrer, der das Projekt leitet. Ohne Startkapital kommt man nicht weiter, doch bevor die Schüler ihr Taschengeld investieren, stellen ihre Lehrer Förderanträge. Einige Ressourcen werden von den Schulen geliefert: Arbeitsräume, Werkzeuge – und Mitarbeiter, denn das sind ja die Schüler.

Viele Oberschulen und Gymnasien bieten das Projekt „Schülerfirma“ in der neunten Klasse an. „Das erwirtschaftete Geld wird meist reinvestiert, oder die Klassen machen einen Ausflug“, erläutert Schettler. Allerdings geht es nicht um Gewinnmaximierung, sondern um den pädagogischen Ansatz. „Die Schüler erhalten vielfältige Einblicke in die Unternehmenskultur und erste ökonomische Kenntnisse. Sie erkennen, was Selbstständigkeit bedeutet, und dass vieles einfach nur im Team funktioniert.“

Mit vier unterschiedlichen Ständen war die Wilhelm-Focke-Oberschule aus Horn-Lehe vertreten. Die Schule versucht, den gesamten Unternehmensprozess abzubilden: Die Firmen werden zwar von den Neuntklässlern geführt, doch schon im vorherigen Schuljahr bewerben sich die Schüler für die Arbeitsplätze im Catering-, Textil-, Papier- oder Holzbereich. Nach der förmlichen Bewerbung folgen das Probearbeiten und ein Jobgespräch – wie auf dem realen Arbeitsmarkt. Im Bewerbungsgespräch werden die wichtigsten Fragen vorab geklärt: Pünktlichkeit? Welche Position wünscht sich der Bewerber? Wie sieht es mit der Überstundenbereitschaft aus?

Matthias Schröder leitet als Lehrkraft „Fockes Holzwerkstatt“, den Messestand beobachtete er in aller Ruhe. Dieses Jahr machten die Schüler gut mit, sagte er. Da könne er sich entspannen und die Arbeit den Schülern überlassen. Neben den Geschäftsführern gibt es das Personalbüro und die Buchhaltung, denn am Ende des Tages müssen auch die Zahlen bei den Jungunternehmern stimmen. „Gerade ist sehr viel Geld in der Kasse“, berichtete Schröder. Die Schüler bauen Vogelhäuschen, Weinflaschenhalter oder Kinderspielzeug aus Holz. Viele Skizzen befinden sich in einem dicken Ordner, der Zeichnungen früherer Jahrgänge beinhaltet. „Eigene Ideen werden aber auch umgesetzt“, erklärte Niklas Meyer am Stand. Drei Stunden in der Woche arbeiten die Schüler im Werkraum. „Manchmal bekommt die Firma externe Aufträge, da muss termingerecht produziert werden“, berichtete Lehrer Schröder über erste Erfolge der Schülerfirma. Es kann auch mal zu Überstunden kommen: „Die Schüler nehmen das ernst“, denn wer zu spät kommt, wird abgemahnt und verliert seinen Job. Wer arbeitslos ist, hilft in der Schule aus und kann sich erneut bewerben

Dieses Jahr war auch die Neuntklässlerin Zeyneb Ekin von der Oberschule Helgolander Straße mit auf der Messe. Sie verkaufte Gegenstände wie Lampen, Mülleimer und Windlichter aus alten Landkarten. Gekauft wurden auf der Schülerfirmen-Messe eher kleinere Dinge, „weil Schüler wenig Geld haben“, vermutete Zeyneb Ekin. Seit September arbeitet die 15-Jährige mit acht weiteren Schülern beim Projekt „Helgolander Landkarten“.

Neue digitale Tafeln machten die alten Papierkarten überflüssig, erklärte Lehrerin Solveigh Jahn. Nun entstehen kleine Kunstwerke. Manche Schüler seien konzentriert bei der Sache, andere fänden wohl, dass die Firma „mit zu viel Arbeit verbunden ist“, beschrieb es die Lehrerin. Sie findet es spannend, wie sie mithilfe der Firma bei den Schülern Verkaufstalente erkennen kann. Außerdem entdeckten so viele Schüler ihre Kreativität, sagte Jahn.

Auch Organisatorin Claudia Schettler vom Landesinstitut äußerte sich zufrieden über den Tag im Kino: „Es war super. Eine runde Messe.“

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