Die Fotogruppe „Sehleute“ der Christophorusgemeinde besteht seit einem Jahr und zeigt ihre erste Ausstellung Der richtige Blick im richtigen Moment

Aumund. In einer Mischung aus Neugier und Vorsicht schaut das Schaf den Fotografen an. Ein Schaf zu fotografieren, könnte man vielleicht meinen, scheint keine besondere Herausforderung zu sein.
09.04.2017, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Doris Friedrichs

Aumund. In einer Mischung aus Neugier und Vorsicht schaut das Schaf den Fotografen an. Ein Schaf zu fotografieren, könnte man vielleicht meinen, scheint keine besondere Herausforderung zu sein. Dabei gibt es aber doch einiges zu beachten, beispielsweise Bildaufteilung, Perspektive, Licht und mehr. Auf die technische Ausrüstung kommt es weniger an, sind die Mitglieder der Fotogruppe „Sehleute“ überzeugt. Seit einem Jahr treffen sie sich in der Christophorusgemeinde Aumund-Fähr und präsentieren dort jetzt ihre erste Ausstellung.

Mit zehn Interessierten fing es im März 2016 an. Inzwischen finden sich an jedem ersten Dienstag im Monat, immer um 19 Uhr, 14 „Sehleute“, sieben Männer und sieben Frauen, im Alter zwischen 23 und 75 Jahren im Gemeindehaus an der Menkestraße ein. Und schon ist eine weitere Gruppe in Planung, da die jetzige Gruppenstärke für den Gründer optimal ist. „Ich hatte keine Lust, alleine zu fotografieren“, begründet Wolfgang Pohl seine Motivation, die Gruppe ins Leben zu rufen. „Und was es hier in Vegesack an Fotogruppen gibt, hat für mich nicht gepasst.“

Wenn man mit dem Partner unterwegs sei, habe der oft nicht die Geduld, die es für das Hobby brauche, fährt Pohl fort, was auch andere Gruppenmitglieder bestätigen. Beispielsweise Barbara Steinwede. „Wenn man im Urlaub mit anderen läuft, haben die oft die Nase voll davon, wenn man ständig zum Fotografieren stehenbleibt. Es kommt aber auf den richtigen Blick und Moment an.“ Wie ihr ging es auch anderen Fotobegeisterten. Und so kamen innerhalb von vier Wochen, nachdem Wolfgang Pohl den Aufruf zur Gründung der Fotogruppe gestartet hatte, die ersten zehn Interessierten zusammen.

Im Schaukasten der evangelisch-lutherischen Gemeinde hatte er den Aufruf platziert, ebenso im Gemeindebrief und auf der Internetseite der Kirche. Seit dem Start vor einem Jahr haben sich Mitglieder für verschiedene „Foto-Safaris“ in der Umgebung getroffen, beispielsweise auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei, für Ausstellungen und zu Vorträgen ging es nach Worpswede, und demnächst steht der Industriehafen auf dem Programm.

Darüber hinaus ist ein Ausflug im Juni in den naturnahen Garten von Gruppenmitglied Nicole Koch geplant sowie zu den Modelleisenbahnfreunden in Grohn. „Da haben wir den Kontakt schon hergestellt“, sagt Wolfgang Pohl. Für die Exkursion in den Garten sei noch ein wenig Theorie-Unterricht über Makro-Fotografie notwendig. Und nicht zuletzt ist auch ein Seminar zum Thema Food-Fotografie angekündigt. Das übernimmt Gruppenmitglied Torsten Kropp, der ausgebildeter Fotograf ist. „Ich finde es schön, zu sehen, wie einfach man noch fotografieren kann“, begründet er seine Mitgliedschaft in der Gruppe. „Die Berufsfotografie ist eine Materialschlacht.“

„Wir haben uns hier getroffen und jeder hat seine Kamera mitgebracht, um über Pixel und andere Dinge zu sprechen“, fügt Wolfgang Pohl hinzu. „Schön, dass wir hier Leute haben, die etwas mehr wissen, die das aber auch nicht bei jeder Gelegenheit herausheben.“ Zu denen, die mehr wissen, gehört Hartmut Hasse, seit vielen Jahren Mitglied der Fotofreunde Vegesack. Er habe im Gemeindebrief von der neuen Fotogruppe gelesen und sei gleich interessiert gewesen, erzählt er. „Es macht Spaß. Hier ist es spontaner, auch mit der Möglichkeit, einfach mal zusammen loszugehen, um zu fotografieren.“

„Wir lernen viel von beiden Profis“, sagt „Sehleute“-Mitglied Wolfgang Koths. „Man kann hier jede Frage rund um die Fotografie stellen, ohne dass man dafür belächelt wird“, erklärt Nicole Koch. „Es ist einfach unkompliziert.“ „Wenn man regelmäßiger fotografiert, wachsen aber auch die Wünsche im Hinblick auf die Kamera“, fügt Barbara Steinwede hinzu. „Meine Kamera ist schon zehn Jahre alt. Da ist schon ein ziemlicher Unterschied in der Technik zu den heutigen Kameras.“

Nicht alle Gruppenmitglieder haben eine Spiegelreflex-Kamera. Das müsse aber auch nicht sein, sagt Wolfgang Pohl. „Beim Fotografieren ist das Sehen das Entscheidende“, erklärt er, auch in Bezug auf die Namensfindung für die noch junge Fotogruppe. „Das kann man auch mit einer einfachen Kamera.“ Beispielsweise bei Fotos vom Chor „Pop Voices“, der ebenfalls dienstagsabends im Gemeindehaus zugegen ist, um zu proben. Die Gelegenheit haben die „Sehleute“ kürzlich genutzt und gefragt, ob sie die Sängerinnen und Sänger fotografieren dürften. Sie durften. Einige der Fotos wurden beim Fest zum 20-jährigen Bestehen der „Pop Voices“ gezeigt. Welche Foto-Themen anstehen, darüber sprechen die „Sehleute“ bei ihren monatlichen Treffen. „Wir sind ja noch ein bisschen in der Findungsphase“, betont Wolfgang Pohl. „Theorie steht auf alle Fälle auch an.“ Ein strukturierteres Vorgehen sei angedacht. Das Thema für die aktuelle Ausstellung in der Christophorusgemeinde stand allerdings schnell fest: Lieblingsbilder. Einzige Vorgabe dafür: Jedes Gruppenmitglied sollte maximal zwei Bilder präsentieren dürfen. 28 sind es so insgesamt geworden. Jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer konnte die beiden Fotos für die Ausstellung – alle in der Größe 28 mal 38 Zentimeter – selbst auswählen – oder auch gemeinsam mit den anderen Gruppenmitgliedern.

Dafür durften die „Sehleute“ maximal fünf Bilder mitbringen, die gemeinsam angeschaut wurden, wobei der Fotograf die letzte Entscheidung traf, welche die Ausstellung bereichern sollten. Wolfgang Pohl brachte drei Fotos mit. Das vom ihm favorisierte, ein welkes Blatt an einem Zweig im Herbstlicht, scheiterte. Und Pohl fügte sich dem Gruppenkonsens. Das Foto ist dafür jetzt auf der Internetseite der Gemeinde zu sehen. In der aktuellen Ausstellung werden von Pohl jetzt ein Foto des „Spiegel“-Gebäudes in der Hamburger Hafencity sowie das Bild eines Heißluftballons vor dem Start gezeigt.

Gruppenmitglied Dieter Klein hat unter anderem ein Foto vom sogenannten Maskenzauber in Hamburg, vor zwei Jahren aufgenommen, beigesteuert: ein Porträt einer jungen Frau, deren künstliche lange Ohren an die Figur Yoda aus der Star Wars-Trilogie der 70er-Jahre erinnern. Ein Bild von Angelika Hasse zeigt die Elbe nahe Stade im Hochmoor, frühmorgens im Winter aufgenommen. Heiner Joseph hat eine Nahaufnahme eines Schmetterlings in der „Botanika“ beigesteuert sowie ein Foto des Kraftwerks in Hastedt.

„Man gewinnt einen anderen Blick auf die Dinge und überlegt, wenn das Licht vielleicht nicht ideal ist, dass man noch mal losfährt für die Aufnahme“, sagt Joseph. Aber nicht nur die Lust am Fotografieren sei ausschließlich entscheidend für seine Mitgliedschaft in der Gruppe. „Die Chemie zwischen den Leuten stimmt auch.“ Egbert Heiß ist an diesem Gast. „Ich habe mir die Ausstellung angeguckt und daraufhin gedacht, dass ich mal zum Gruppentreffen vorbeischaue. Ich bin Hobbyfotograf, würde mein Hobby gerne weiterentwickeln und das passt besser in der Gruppe.“

Er habe nicht damit gerechnet, dass sich so schnell so viele Leute bei ihm melden würden für die Gruppe, gibt Wolfgang Pohl zu. „Ich habe mit drei bis vier Leuten gerechnet. Es scheint aber eine Marktlücke zu sein.“ Die könnte sich nun durch die Gründung einer zweiten Fotogruppe weiter schließen. Die einzige Voraussetzung, um mitzumachen: eine eigene Kamera. Interessierte können sich per E-Mail unter sehleute@gmx.de an Wolfgang Pohl wenden.

Das Thema der nächsten Ausstellung der „Sehleute“ im kommenden Jahr in der Christophorusgemeinde steht übrigens auch schon fest. Es soll die aktuelle Losung „Ich schenke Euch ein neues Herz“ in den Fokus rücken. Die derzeitige Ausstellung können Interessierte noch bis zum 23. April zu folgenden Öffnungszeiten besuchen: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8 bis 12 Uhr, Donnerstag zusätzlich von 13.30 bis 17.30 Uhr.

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