Tatort-Kritik Der Schein trügt

Der 71. Fall für die Kölner Kommissare Ballauf und Schenk erweist sich gleich in mehrfacher Hinsicht als trügerisch: Warum musste Marion Faust sterben, und ist Susanne Baumann tatsächlich auch tot?
19.01.2018, 17:41
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Der Schein trügt
Von Iris Hetscher

Marion Faust wird vom Balkon gestoßen und ist tot, Susanne Baumann ist verschwunden. Die eine war Empfangsdame im Kölner Luxus-Hotel „Grand Central Palace“, die andere regelmäßig dort zu Gast – gleich zu Beginn des neuen „Tatorts“ aus Köln sieht man Susanne Baumann mit einem Mann unter Dusche beim Sex. Das ist die Ausgangslage in „Bausünden“ (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr): Zwei miteinander verschränkte Fälle, um die die Nachforschungen der beiden Ermittler Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) kreisen.

Das ist dieses Mal wörtlich zu nehmen, denn es bewegt sich wenig nach vorne, die Kommissare laufen bei ihrem 71. Fall ständig ins Leere. Was bei schlecht konstruierten Krimis zu Langeweile führt, nutzen die Drehbuchautoren Uwe Erichsen und Wolfgang Wysocki gemeinsam mit Regie-Routinier Kaspar Heidelbach allerdings geschickt als Stilmittel und als Trigger für allerlei Überraschungen. So scheint Lars Baumann (Hanno Koffler), der Ehemann der Verschwundenen, zunächst ein Kontrollfreak mit gewalttätigen Aussetzern zu sein – typisch Ex-Soldat mit Post-traumatischer Belastungsstörung eben. Doch der Schein trügt. Baumann wird in dem Maße sympathischer, wie seine verschwundene Frau und sein Chef in der Baufirma Könnecke (Julian Weigend) ins Zwielicht geraten. Leider rutscht die Rahmenhandlung um Korruption beim Bau von Hotels im WM-Austragungsland Katar manchmal in die beim „Tatort“ offenbar stets erforderliche plakative Political Correctness ab. Das stört aber nur punktuell. Denn „Bausünden“ bleibt tatsächlich spannend und überraschend bis ganz zum Schluss.

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