Dalibor Markovic ist einer der Poetry-Slam-Pioniere des Landes – jetzt kommt er nach Bremen Der Versdesigner

Er schreibt nicht bloß gewöhnliche Gedichte. Dalibor Markovic arbeitet Sprache.
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Der Versdesigner
Von Nico Schnurr

Er schreibt nicht bloß gewöhnliche Gedichte. Dalibor Markovic arbeitet Sprache. Er dehnt Wörter, zieht und zerrt an ihnen, verknotet sie. Wenn er will, dann rumpeln und ruckeln seine Sätze. Wenn er will, dann fließen sie, kleben aneinander, verschmelzen. Nein, gewöhnliche Gedichte sind das nicht, die Dalibor Markovic schreibt. Er designt Verse.

Dalibor Markovic macht Poetry-Slam, und das schon ziemlich lange. Als man hierzulande selbst in den Universitäten und Kulturkneipen noch erklären musste, was genau das ist, Poetry-Slam, reihte Markovic schon auf New Yorker Bühnen Zeile an Zeile. Über 20 Jahre ist das her. Inzwischen ist Poetry-Slam in den Theatersälen des Landes angekommen. Dichterwettstreite haben es auch hier raus aus der Nische geschafft. Eine bundesweite Szene ist entstanden. Anno 2016 produziert sie sogar Pop-Sternchen.

„Der Freakness-Faktor ist heute weg“, sagt Markovic. Der Poetry-Slam-Betrieb habe sich professionalisiert. „Irre Typen und wilde Szenen“ seien dagegen verschwunden. „Dieses völlig Unvorhersehbare gibt es nicht mehr“, glaubt er. Markovic versucht das zu ändern. Der 41-Jährige bricht den gewohnten Rahmen der Kunstform auf. Er selbst versteht sich als „Ein-Mann-Theater“. Beatbox-Einlagen durchsetzen seine Verse. Auf der Bühne lässt er Wutausbrüche auf ruhige Passagen folgen.

Auch Markovics Texte leben von Kontrasten. Sie können komisch sein, von ihrem Wortwitz leben. Sie können aber auch zweifelnd und anklagend sein. Markovic will unterhalten, aber nicht allein auf Pointen abzielen. „Lachen ist gut, aber es gibt doch noch viel mehr Emotionen, die sich mit Texten wecken lassen“, sagt er. „Ich will Leute auch zum Nachdenken und Verzweifeln bringen.“

Oft beginnt alles mit nur einem Satz, einer Idee für einen Beatbox, einer bestimmten Handbewegung. „So einen Geistesblitz bekommt man geschenkt“, erzählt Markovic. „Der Rest ist harte Arbeit und braucht viel Zeit.“ Über Wochen hinweg prüft er seine Reime, zählt ihre Silben, streicht und bessert aus. Dabei textet Markovic längst nicht mehr nur Gedichte. Er schreibt Bücher, gibt Poesie-Workshops an Universitäten und Schulen. Die Basis seiner Arbeit aber bleibt Hip-Hop.

Über Rap kam er zum Reimen, lernte Klang und Melodie von Sprache lieben. Noch immer leben seine Texte vom Rhythmus. Sie sind ein ständiges Spiel mit dem Tempo. Mal rast und hastet er von Vers zu Vers, springt von Reim zu Reim. Mal schleppt er sich über die Zeilen, stockt, stottert und stolpert über seine Verse. „Alles muss sich dem Flow, dem Sprachfluss, unterordnen“, sagt Markovic. „Dafür verzichtet man auch schon mal auf ein Wort.“

Markovic ist ein Suchender. Die Suche nach der perfekten Zeile treibt ihn an. „Mache ich heute einen Lesetag oder spiele ich Laser-Tag?“ So klingt seine letzte Zeile. Vor ein paar Tagen hat er sie aufgeschrieben. Sie ist, na klar, seine aktuelle Lieblingszeile. So wie es jede zuletzt notierte Zeile von ihm ist. Ob er sie am 16. Dezember als prominenter Gast beim Slammer Filet, der Bremer Dichterwettstreit-Reihe, im Schlachthof vorträgt, das weiß er noch nicht. Ein bisschen Unvorhersehbarkeit will Dalibor Markovic dem Poetry-Slammen schließlich bewahren.

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