Die Galerie Altes Rathaus Worpswede zeigt Fotokunst der Gegenwart

Der Weyerberg und das Blitzlicht

Der Bogen ist weit gespannt, reicht von Kathmandu über Lanzarote bis ins Breddorfer Moor. Worpsweder Fotografen kommen herum in der Welt. Wie sie diese Welt sehen, das unterscheidet sich in den Sujets und in der Ästhetik fundamental – egal, ob die Bilder vor der Haustür oder in der Ferne entstehen. Zwölf zeitgenössische Fotografen sind mit ihren Arbeiten in der Ausstellung „Land.schafft.Fotografie“ in der Galerie Altes Rathaus zu sehen.
07.06.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Peter Groth
Der Weyerberg und das Blitzlicht

Monströse Gewitterwolken: Jürgen Kampa zeigt seine Aufnahme vom Weyerberg in der Worpsweder Galerie Altes Rathaus in Gestalt einer Schwarz-Weiß-Fotografie.

Jürgen Kampa / WTG

Der Bogen ist weit gespannt, reicht von Kathmandu über Lanzarote bis ins Breddorfer Moor. Worpsweder Fotografen kommen herum in der Welt. Wie sie diese Welt sehen, das unterscheidet sich in den Sujets und in der Ästhetik fundamental – egal, ob die Bilder vor der Haustür oder in der Ferne entstehen. Zwölf zeitgenössische Fotografen sind mit ihren Arbeiten in der Ausstellung „Land.schafft.Fotografie“ in der Galerie Altes Rathaus zu sehen.

Während das 125-jährige Bestehen der Künstlerkolonie in den vier großen Museen des Ortes mit einer umfassenden Darstellung der kunsthistorischen Meilensteine gewürdigt wird, widmet sich das von der Gemeinde initiierte Projekt „Worpswede nonstop“ in sieben Ausstellungen der heutigen Kunstszene. Vier Galerien und Museen zeigen bis Ende Oktober, was und wie die weit mehr als 100 aktuell im Ort lebenden Künstler und Kunsthandwerker arbeiten.

Fotografen haben in der 125-jährigen Geschichte der Künstlerkolonie immer einen festen Platz gehabt. Hans Müller-Brauel, Carl Eeg, Rudolf Stickelmann und Georg Tappert begleiteten die ersten Maler, Hans Saebens prägte mit seiner Landschaftsfotografie das Worpswede-Bild ganzer Generationen – große Teile seines Nachlasses harren im Focke-Museum noch der Wiederentdeckung. Es hat in den 125 Jahren aber auch immer die Neuerer gegeben. Zu nennen sind insbesondere Werner „Tüt“ Rohde und Lothar Klimek, der jahrelang an der Bremer Hochschule für Künste lehrte. Die von Klaudia Krohn und Birgit Nachtwey kuratierte Schau „Land.schafft.Fotografen“ zeigt nicht die Historie, sondern die Vielfalt zeitgenössischer Worpsweder Fotokunst. Deren Akteure gehen wie einst Paula Modersohn-Becker hinaus in die Welt, suchen wie Gabi Anna Müller Anregungen in Nepal oder wie der frühere Bremer Hochschullehrer Fritz Dressler in den architektonischen Besonderheiten fremder Kulturen – von ihm zeigt die Schau archaische Bauformen auf Lanzarote in ganz besonderem Licht.

Als klassische Reise- und Naturfotografien lassen sich die Bilder von Helmut Stelljes charakterisieren. Nicht die Dokumentation, sondern der künstlerische Ausdruck steht bei Jost Wischnewski und Klaus Oberer im Vordergrund: Wischnewski collagiert persönliche Dokumente einer Italien-Reise zu eindrucksvollen Stillleben, Oberer fasziniert mit malerischen Meer-Bildern, in denen die Farben des Wassers und des Himmels meditativ miteinander verschwimmen. Die anderen sieben Aussteller zeigen Landschaften vor ihrer Haustür. Dabei arbeiten sie wie Hans-Jürgen Fuchs und Jörg Rakowski mit Überblendungen und Verfremdungen oder wie Klaus Benhof mit kritischen Text-Zusätzen – die Darstellung eines Maisfeldes unterlegt er mit der nachdenklich stimmenden Zeile „Mythos? Landschaft“. Paul Mahrt setzt auf die Faszination von weiten Himmeln und weißen Zelten. An die Tradition der Klassiker wie Hans Saebens und Jürg Andermatt knüpft Jürgen Kampa an, der in seinen beeindruckenden Schwarz-Weiß-Fotos monströse Gewitterwolken über dem Weyerberg einfängt oder einen dicken Lkw bei Breddorf vor dem Unwetter fliehen lässt. Die ganze Vielfalt der Ausstellung kulminiert in einem Raum, in dem die Kuratorinnen die Arbeiten von Jürgen Strasser und Rüdiger Lubricht gegenüberstellen. Strasser zieht in seinen aus unzähligen, feinen horizontalen Streifen aufgebauten abstrakten Fotos die farbliche Essenz des Moorlandes, Rüdiger Lubrichts Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Serie „Moorland“ fokussieren selektiv Spuren und Objekte in der Landschaft.

Galerie Altes Rathaus Worpswede, Bergstraße 1; bis 6. Juli. Geöffnet Di.- Fr. 14 bis 18 Uhr, Sa./So. 11 bis 17 Uhr.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+