Umfrage: 47 Prozent der Deutschen glauben, dass das Leben früher besser war Die schönen 80er-Jahre

Berlin. Egal, ob Schmidt oder Kohl: Die Bundeskanzler trugen immer den Vornamen Helmut. Und viele große Popstars hießen kurz und knapp – wie Nena, Prince und Falco: Die 80er-Jahre, in denen laut Diego Maradona bei einer Fußball-WM die „Hand Gottes“ im Spiel war und dank Boris Becker und Steffi Graf viele Deutsche den Tennissport für sich entdeckten, könnte man als ein ziemlich kurioses Jahrzehnt erzählen.
19.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Gregor Tholl und Anja Mia Neumann

Berlin. Egal, ob Schmidt oder Kohl: Die Bundeskanzler trugen immer den Vornamen Helmut. Und viele große Popstars hießen kurz und knapp – wie Nena, Prince und Falco: Die 80er-Jahre, in denen laut Diego Maradona bei einer Fußball-WM die „Hand Gottes“ im Spiel war und dank Boris Becker und Steffi Graf viele Deutsche den Tennissport für sich entdeckten, könnte man als ein ziemlich kurioses Jahrzehnt erzählen. Doch die Jahre 1980 bis 89 waren auch ernst – etwa mit der Angst vor dem Atomtod, der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, dem Waldsterben oder der damals neuen Seuche Aids. Und sie waren auf den letzten Metern natürlich auch weltbewegend mit dem Mauerfall Ende 1989.

„Früher war alles besser“, vor allem in den 80er-Jahren. Das meint laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts You-Gov fast jeder zweite Deutsche (47 Prozent). In das Jahrzehnt von Schulterpolstern und Neuer Deutscher Welle sehnen sich demnach mehr Menschen zurück als in keine Zeit sonst. Auch mehr als in die 90er- und 70er-Jahre. Die scheinen aber immer noch verlockender für viele zu sein als das Jetzt, nämlich für 43 Prozent.

Dass das Lebensgefühl von damals unterschiedlich war und auch in anderer Erinnerung ist, zeigt der Vergleich von Ost- und Westdeutschen. Während jene aus dem Westen das Aerobic-mit-Stulpen-Jahrzehnt zu 48 Prozent als „besser als heute“ beurteilen, stimmen dem nur 42 Prozent jener aus dem Osten zu. Doch die Aussage bleibt: Die Erwachsenen in Deutschland würden in keinem Jahrzehnt lieber leben als in den 80er-Jahren, könnten sie unter allen Nachkriegsdekaden wählen. Rund ein Viertel (23 Prozent) gab in einer You-Gov-Umfrage zum vergangenen Jahreswechsel diese Antwort.

„Die 80er Jahre waren nicht nur ein Jahrzehnt von Tschernobyl und Kaltem Krieg, sondern auch ein Goldenes Jahrzehnt des Wohlstandslebens in Deutschland“, sagte der Zukunftswissenschaftler Horst Opaschowski zu den positiven Bewertungen im Westen. „Den Menschen ging es gut und immer besser. Und mit dem Fall der Mauer breitete sich 1989 Zukunftshoffnung aus. Es herrschte geradezu Hoch-Stimmung.“

Laut Umfrage blicken die Deutschen auch pessimistischer in die Zukunft. Wie das Leben für Menschen in 50 Jahren aussehen werde? „Schlechter als heute“, meinen
49 Prozent der Befragten. „Besser als ­heute“, glauben dagegen nur 15 Prozent und „Genau so gut bzw. schlecht wie heute“, vermuten immerhin 22 Prozent. Nach Einschätzung von Opaschowski liegt das daran, dass die „German Angst“ wieder da ist, wozu auch Flüchtlingskrise und Terrorbedrohungen beitragen. „Der demografische Wandel und die Überalterung der Bevölkerung in Deutschland lassen wenig Raum für Zukunftsoptimismus. Die Politik sagt immer nur, was gerade noch geht. Die Bürger aber wollen wissen, wohin es geht. Zukunftsgewissheit ist zum Fremdwort in Deutschland geworden“, meinte der ­Experte. Sein Kollege Reinhardt sieht das ähnlich: Viele unbeantwortete Herausforderungen prägten den Alltag, vom Klimawandel über die unsicheren Arbeitsbedingungen bis hin zur Flüchtlingsthematik. Auch hätten viele Sorge, den eigenen Lebensstandard nicht halten zu können. „All dies bereitet breiten Bevölkerungsschichten Zukunftsangst. Sie haben hierbei das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren und vertrauen parallel auch Politik, Wirtschaft, Medien und klassischen Institutionen immer weniger“, meinte der Zukunftsforscher.

Kulturell und medial waren die 80er das letzte Jahrzehnt ohne die heute so wichtigen Massenphänomene Handy und Internet. Sie waren geprägt von Kinoerfolgen wie „E.T. – Der Außerirdische“ oder „Dirty Dancing“. Im Fernsehen feierten US-Serien wie „Dallas“ und „Denver-Clan“ Erfolge, auch der raubeinige „Tatort“-Kommissar Schimanski und die Ärzteserie „Die Schwarzwaldklinik“ waren beliebt. In der Bundesrepublik kam damals auch erst das Privatfernsehen auf.

Ohrwürmer waren „99 Luftballons“ von Nena und viele andere Hits der Neuen Deutschen Welle. Zudem traf 1984 der Endzeit-Song „Forever Young“ von Alphaville den Zeitgeist. Weltweite Popstars waren Michael Jackson („Thriller) und Madonna („Material Girl“, „Like A Virgin“).

„Xxxx xxx xxx xxxxx xxxxx xxxx xxxx xxxx xxxxx“ xx xxxxxxxx
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+