Besucher der Ökologiestation sind von deren Angeboten angetan, wünschen sich aber ein besseres Marketing

Die Umweltbildung bleibt ausbaufähig

Schönebeck. Ein feuchter Buchenwald, der seltene Pflanzen birgt, ein Kräutergarten und ein Teich inmitten des sumpfigen Geländes der Schönebecker Aue – die Ökologiestation steht inmitten einer naturnahen Landschaft, die zu zahlreichen Exkursionen reizt: zum Beispiel zu Vögeln, Schmetterlingen, Heuschrecken und Libellen, zu Giftpflanzen oder Pilzen. Solche Führungen werden regelmäßig von kundigen Experten von Frühjahr bis Herbst angeboten.
08.10.2017, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Jörn Hildebrandt
Die Umweltbildung bleibt ausbaufähig

Ein Leben am seidenen Faden: Eine Spinnen-Führung lockte jüngst auf das Schönebecker Gelände.

Christian Kosak

Schönebeck. Ein feuchter Buchenwald, der seltene Pflanzen birgt, ein Kräutergarten und ein Teich inmitten des sumpfigen Geländes der Schönebecker Aue – die Ökologiestation steht inmitten einer naturnahen Landschaft, die zu zahlreichen Exkursionen reizt: zum Beispiel zu Vögeln, Schmetterlingen, Heuschrecken und Libellen, zu Giftpflanzen oder Pilzen. Solche Führungen werden regelmäßig von kundigen Experten von Frühjahr bis Herbst angeboten. Und vor allem die Umweltbildung für Kinder, die das Zweierteam aus Martina Schnaidt und Jochen Kamien dort seit vielen Jahren durchführt, wird von Kindergärten und Schulen geschätzt.

An diesem Tag sind die Spinnen Thema: 16 Erwachsene und elf Kinder sind gekommen und werden von Traute Fliedner mit freundlichen und kindgerechten Erläuterungen zu Lebensweise und Ökologie der Spinnen informiert. Durch Fragen spricht sie vor allem die Kleinen an, die sich ungeduldig melden und zeigen wollen, was sie schon alles über Spinnen wissen. Ihre Neugier und ihre Begeisterung, als immer neue Spinnenarten an der Hauswand, im Garten und am Teich entdeckt werden, steckt spürbar auch die Erwachsenen an.

Es ist ja auch gerade die beste Zeit, um Spinnen zu erleben: Im Altweibersommer glitzern fast überall die Netze von Kreuzspinnen, Herbstspinnen und Baldachinspinnen im Sonnenlicht. Die Euphorie von Kindern wie Erwachsenen steigert sich noch, als am Teich Piratenspinnen blitzschnell übers Wasser huschen, deren Weibchen ihren Eikokon am Körper tragen, und dann sitzen sogar kleine Grünfrösche nah am Ufer – die Teilnehmer genießen wunderbare Mittagsstunden in einer außergewöhnlich reichen Natur mit Wald, Bach und Sumpf, lernend und entdeckend.

An diesem sonnigen Tag glitzern die Spinnennetze im Tau, doch auf der Ökologiestation liegen einige Wermutstropfen: Die Akteure vor Ort müssen immer wieder um neue Geldmittel kämpfen, denn eine gesicherte Dauerfinanzierung der Einrichtung gibt es nicht und ist auch nicht in Sicht (wir berichteten). Wir haben deshalb einige der Teilnehmer auf der Spinnen-Exkursion befragt: Wie nehmen sie das Gelände und die Angebote der Ökologiestation wahr? Was kommt gut an und was weniger?

„Ich würde mir wünschen, dass die Infostationen etwas ausführlicher gestaltet sind und es mehr Informationen zum Gelände vor Ort gibt – vieles muss man sich selber erschließen“, meint Tim Gwiosda, der die Veranstaltungen der Ökologiestation zwar eher selten nutzt, aber schon öfter mit seiner Familie durch den umgebenden Wald gelaufen ist. Das Ehepaar Kira und Nils Janßen-Weets war besonders von einigen außergewöhnlichen Veranstaltungen angetan, die von der Ökologiestation angeboten wurden: „Besonders die Exkursionen zu Fledermäusen und die Elektrobefischung in den Gewässern waren äußerst spannend.“ Ihr neunjähriger Sohn Malte besucht die Grundschule Schönebeck, die häufig das Gelände aufsucht und die Umweltbildungsangebote nutzt. Torsten Drube, ein eifriger Besucher von Exkursionen auch des naturwissenschaftlichen Vereins oder des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, meint: „Mehr Werbung wäre gut.“ Er kommt aus Delmenhorst und kann so die lokale Zeitung nicht nutzen. Drube wundert sich nicht, dass zu den Veranstaltungen oft nur wenige Leute erscheinen, wie zum Beispiel jüngst zu der Giftpflanzen-Exkursion, die von der Ökologiestation angeboten wurde.

„Keiner kam, dagegen war die Natur-Exkursion am Eispohl, die das Biolandwirt-Ehepaar Carola und Uli Vey vor kurzem organisiert hat, bestens besucht: Da waren etwa 90 Leute, und die meisten sind zum ersten Mal gekommen – das Marketing scheint dort besser zu funktionieren“, sagt Torsten Drube. Er würde sich freuen, wenn es auch Veranstaltungen für Erwachsene gibt, die zum Beispiel das Pflanzen- und Tierleben im Teich der Ökologiestation nahebringen, in dem die seltene Krebsschere wuchert. „Ich habe selbst erlebt, wie beeindruckt die Leute sind, wenn man ihnen Libellenlarven, Kaulquappen oder Wasserskorpione zeigt. Denn die Formenvielfalt im Süßwasser ist doch einzigartig.“

„Was den Teich betrifft, könnte wohl einiges getan werden“, meint Jens Franzeck, der zum ersten Mal an einer Exkursion auf dem Gelände der Ökologiestation teilnimmt und aus Bremen-Stadt angereist ist. „Der Steg müsste dringend überholt werden, und der Teich selbst hätte wohl auch eine Entschlammung nötig.“ Die trübe Brühe, in der die Rosetten der Krebsscheren alles zu überwuchern drohen, ist unübersehbar. Auch Jens Franzeck erscheinen Angebot und Reichweite der Informationen zur Ökologiestation als ausbaufähig: „Die Infotafeln im Wald könnten besser und ausführlicher sein, und ich würde es gut finden, wenn das Veranstaltungsprogramm der Ökologiestation besser im Internet zu finden wäre.“ Er bedauert, dass viel Umweltbildung für Kinder angeboten wird, man aber nur unzureichend darüber informiert wird. „Wenn ich die Wörter 'Kinder, Natur, Umweltbildung' bei Google eingebe, taucht die Ökologiestation nicht auf.“

Die Ökologiestation ist als Verein organisiert, dem der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Arno Gottschalk vorsitzt. Er ist im Oktober 2012 angetreten, um der Ökologiestation zu mehr bremenweiter Wahrnehmung zu verhelfen und die Unterstützung zu verbessern. Führungen und Angebote in der Natur bieten unter anderem die Biologin Martina Schnaidt und Jochen Kamien an. Das Angebot wird über verschiedene Finanz-Bausteine gesichert. Allerdings so knapp und unauskömmlich, dass unlängst der Vegesacker Beirat Alarm geschlagen und eine Absicherung über den Haushalt der Umweltbehörde gefordert hat.

30 000 Euro bekommt die Ökologiestation jährlich aus dem Hause des Umweltsenators, muss allerdings jedes Jahr neu hoffen, auch tatsächlich in den Förderreigen aufgenommen zu werden. Dazu kommen Mittel aus Umweltlotterien, Teilnehmerbeiträge und Spenden. Wie berichtet, haben Geschäftsleute und Ehrenamtliche in Vegesack bereits mehrfach zugunsten der Ökostation Marmelade eingekocht und verkauft. „Sie haben nur 46 000 Euro für zwei Gehälter und die Instandhaltung der Einrichtung? Da bringen sie ja noch Geld mit zur Arbeit“, urteilte Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt im August.

Wer an einer der nächsten Mitmach-Aktionen auf dem Gelände am Gütpohl teilnehmen möchte, wird unter anderem auf der Internetseite www.oekologiestation-bremen.de fündig.

Am Donnerstag, 19. Oktober, begibt sich Martina Schnaidt zum Beispiel mit Kindern im Alter von fünf bis acht Jahren auf den Molchpfad. Gemeinsam erkundet die Gruppe in diesem Zusammenhang, wo sich die Amphibien wohl fühlen. Die Kosten betragen vier Euro pro Teilnehmer, beginn ist um 15 Uhr. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 0 4 21 / 2 22 19 22 möglich.

Danach folgt am Sonntag, 22. Oktober, von 11 bis 17 Uhr der Apfeltag. Auf dem Programm steht eine Besichtigung der Streuobstwiese, Kennenlernen alter Apfelsorten, es gibt Fachvorträge und ein Apfelkuchen-Buffet wird aufgebaut. Gegen einen geringen Obolus bestimmt der Vorsitzende des Deutschen Pomologenvereins, Michael Ruhnau, Apfelsorten. Dafür sollten Besucher mindestens 3 Äpfel pro Sorte mitbringen.

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