Made in Bremen: Elektro Niesmann hat die Unternehmensübergabe erfolgreich umgesetzt Die Welt der weißen Ware

Einen Betrieb nach sechzig Jahren aus der Hand zu geben, ist nicht leicht. Doch genau das hat der mittelständische Elektroinstallateur Elektro Niesmann gewagt. Die Betriebsnachfolge hat dank langer Planung und Vorbereitung funktioniert, und das Unternehmen hat seit Jahresbeginn einen neuen Geschäftsführer.
25.05.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von INA BULLWINKEL

Einen Betrieb nach sechzig Jahren aus der Hand zu geben, ist nicht leicht. Doch genau das hat der mittelständische Elektroinstallateur Elektro Niesmann gewagt. Die Betriebsnachfolge hat dank langer Planung und Vorbereitung funktioniert, und das Unternehmen hat seit Jahresbeginn einen neuen Geschäftsführer.

Fabrikneue Herde, Kühlschränke und Waschmaschinen, Dunstabzugshauben aus Edelstahl und sogar Toaster – die Welt der weißen Ware findet man bei Elektro Niesmann in Bremen-Nord. Seit Jahresbeginn ist das auch die Welt von Martin Oelckers. Noch einen Betrieb zu übernehmen, kam für ihn eigentlich nicht infrage. Deshalb hat er das Angebot, den Elektroladen von Uwe Niesmann weiterzuführen, zuerst als Spaß verstanden. „Aber er meinte das dann wohl doch ernst“, sagt Oelckers und lacht. „Die Übernahme haben wir schon 2012 vorbereitet, sodass ich hier im Januar 2013 zu 50 Prozent in den Betrieb eingestiegen bin“, sagt der 42-Jährige. Oelckers wollte anfangs erst einmal „reinschnuppern“ und sehen, ob er es schafft, zwischen zwei Betrieben zu pendeln. Denn neben Elektro Niesmann führt er noch den familieneigenen Betrieb Elektro Oelckers in Habenhausen. Doch der Spagat hat funktioniert, und seit Jahresbeginn ist Martin Oelckers auch alleiniger Geschäftsführer von Elektro Niesmann. Inzwischen hat sich Uwe Niesmann in den Ruhestand zurückgezogen.

Kennengelernt haben sich Uwe Niesmann und Martin Oelckers bei einer Gemeinschaftsarbeit. Es ging um Technik für „das intelligente Haus“, die Elektro Niesmann in Privathaushalten installiert. Das ist moderne Gebäudetechnik, mit der man zum Beispiel die Beleuchtung per zentraler Schalttafel oder sogar mit dem Handy fernsteuern kann. Für die Programmierung solcher Anlagen brauchte Elektro Niesmann allerdings ein Fremdunternehmen. Da kam der Betrieb von Elektro Oelckers ins Spiel, der schon damals auf diese moderne Haustechnik spezialisiert war: „Uwe kam auf Empfehlung eines Herstellers auf uns zu, und dann haben wir die Anlagen für ihn programmiert“, erinnert sich Oelckers an die erste Zusammenarbeit.

„Service von Anfang an“

Für Martin Oelckers ist es wichtig zu betonen, dass der Betrieb in der Borchshöher Straße erhalten bleibt. Dadurch, dass Uwe Niesmann in Ruhestand gegangen ist, sei der Eindruck entstanden, es gehe dort nicht weiter. „Das ist nicht der Fall“, sagt Oelckers. In Zukunft werde das Angebot sogar erweitert, da nun drei Unternehmen Hand in Hand arbeiteten: Elektro Niesmann, Elektro Oelckers von Martin Oelckers und das Handelsgeschäft XXL Niesmann, geführt von Thomas Niesmann – dem Bruder von Uwe Niesmann.

Dass der mittelständische Familienbetrieb erfolgreich besteht trotz aggressiver Konkurrenz – große Elektroketten mit Dumpingpreisen – kommt laut Niesmann und Oelckers nicht von ungefähr. Das Geheimnis des Erfolgs liege in einer alten Firmenphilosophie: „Service von Anfang an“. „Wir haben gelernt, dass die Kunden bei uns im Mittelpunkt stehen und nicht der Absatz“, sagt Thomas Niesmann. Bei Elektro Niesmann gehe es nicht um Masse, wie bei den großen Elektrohändlern, erklärt Martin Oelckers, sondern darum, den Kunden das zu verkaufen, was sie wirklich brauchen. Die „Personenidentität“, wie Thomas Niesmann es nennt, spiele außerdem eine große Rolle. Bei Elektro Niesmann gebe es Mitarbeiter, die seit über 40 Jahren im Betrieb sind. Am Ende profitiere davon auch der Kunde. „Wenn ein Kunde uns mag und wiederkommt, wird er beim nächsten Mal wieder dieselben Ansprechpartner vorfinden. Das baut einerseits Vertrauen auf und andererseits hat man als Kunde eine Bezugsperson“, sagt Niesmann. Dieser Service unterscheide Elektro Niesmann demnach deutlich von anderen Händlern.

Sechzig Jahre in Bremen-Nord

Elektro Niesmann gibt es bereits seit knapp sechzig Jahren in Bremen-Nord. Kaum vorzustellen, dass alles mit einem leergeräumten Wohnzimmer begann. „Da wurde eine Waschmaschine reingestellt, ’ne Lampe drüber gehängt, Kaffeemaschine draufgestellt – das war der Laden“, schildert Thomas Niesmann die Anfänge. Der Betriebswirt ist mit dem Geschäft seiner Eltern groß geworden. Er könne sich noch gut daran erinnern, dass an Heilig Abend unterschiedliche Kerzen für die elektrische Tannenbaumbeleuchtung auf der Treppe im Haus lagen. Bis zehn Uhr abends hätten die Leute geklingelt, um Ersatz zu kaufen.

Auch Martin Oelckers ist in einem Familienbetrieb aufgewachsen. Die beiden Geschäftsführer haben aber noch etwas anderes gemeinsam. Beide hatten ursprünglich gar nicht vor, den Betrieb der Eltern zu übernehmen. Thomas Niesmann wollte Grafikdesign oder Architektur studieren und Martin Oelckers wollte eigentlich etwas mit Holz machen. Beide sind schließlich doch noch in die Fußstapfen der Eltern getreten.

Seine Leidenschaft für Architektur lebt Thomas Niesmann heute bei der Gestaltung von Küchen aus. Einige Jahre, nachdem er zusammen mit seinem Bruder Uwe Niesmann den Betrieb des Vaters übernommen hatte, gründeten sie XXL Niesmann als reines Handelsgeschäft für Einbauküchen und weiße Ware.

2009 trennten Uwe und Thomas Niesmann die Betriebe rechtlich – schon mit dem Blick auf die geplante Unternehmensübergabe. Für Thomas Niesmann war klar, dass er in seinem Alter keinen zweiten Laden mehr übernehmen wollte. Deswegen war der 55-Jährige froh, als mit Martin Oelckers ein passender Nachfolger für das Geschäft seines Bruders gefunden war – für die Welt der weißen Ware.

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