Das 20. Internationale Bremer Symposium zum Film widmet sich vom 6. bis zum 10. Mai dem Science-Fiction-Film

Die Zukunft als Spiegel der Gegenwart

Bremen. So schnell kann die Realität die Fiktion einholen: Als in der vergangenen Woche in der amerikanischen Stadt Baltimore Randalierer die Straßen unsicher machten, beriefen diese sich auf den Film „The Purge – die Säuberung“. Der Film mit Ethan Hawke in der Hauptrolle spielt im Jahr 2022 in einem Staat, der von „den neuen Gründervätern Amerikas“ regiert wird, die einmal im Jahr eine Nacht lang alle Verbrechen für legal erklären.
05.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Die Zukunft als Spiegel der Gegenwart
Von Iris Hetscher

So schnell kann die Realität die Fiktion einholen: Als in der vergangenen Woche in der amerikanischen Stadt Baltimore Randalierer die Straßen unsicher machten, beriefen diese sich auf den Film „The Purge – die Säuberung“. Der Film mit Ethan Hawke in der Hauptrolle spielt im Jahr 2022 in einem Staat, der von „den neuen Gründervätern Amerikas“ regiert wird, die einmal im Jahr eine Nacht lang alle Verbrechen für legal erklären. „The Purge“ ist ein Science-Fiction-Film, Unterabteilung Dystopie: Das sind die Werke, in denen die Zukunft düster daherkommt und die Hoffnung schon gestorben ist.

Unfreiwillig aktuell wirkt vor diesem Hintergrund das Thema des diesjährigen, mittlerweile 20. Internationalen Symposiums zum Film, das Bremens Kommunales Kino City 46 in Zusammenarbeit mit der Universität Bremen veranstaltet. „Die Zukunft ist jetzt“ heißt der Titel, und es geht vom 6. bis zum 10. Mai um „Science-Fiction-Kino als audio-visueller Entwurf von Geschichte(n), Räumen und Klängen“. Die Zukunftspekulierereien des Kinos sollen also auf den Prüfstand gestellt werden: Wie ist die Wechselwirkung von Fiktion und Realität? Und in wieweit bedient sich die Gegenwart aus dem großen Fundus der Leinwandentwürfe?

Schaut man auf die Ereignisse von Baltimore, können die Symposiumsmacher sich bereits bestätigt fühlen: „The Purge“ hat sich als Idee in die aktuelle Wirklichkeit rückgekoppelt. Aber auch ansonsten empfindet Alfred Tews vom City 46 Science Fiction als „Genre ohne Trennschärfe – Gestern, Heute und Morgen können leicht verwischen.“ Das ist Basis genug, um durch die Reihe von Vorträgen plus Filmbeispielen, aus denen die Veranstaltung besteht, mehr Klarheit in die Angelegenheit zu bringen.

Der Stand der Forschung wird dabei in vier Haupt- und elf Nebenvorträgen gespiegelt, die jeweils durch Filmbeispiele ergänzt werden. Die Organisatoren konnten dazu beispielsweise die amerikanische Expertin Vivian Sobchaek (University of California, Los Angeles) gewinnen, die sich über die Zeitreise-Thematik im neueren amerikanischen Science-Fiction-Film Gedanken gemacht hat. Ihre Kollegin Sherryl Vint (University of California, Riverside) widmet sich der Frage, inwiefern Science Ficition das (Nach-)Denken über Geschichte beeinflusst. Über das Fremde und Verfremdung referiert Simon Spiegel (Universität Zürich) auch anhand des Blockbusters „Avatar“, während Karin Harrasser (Kunstuniversität Linz) sich dem sehr speziellen Thema „Regierung und Politik des Lebens“ widmen wird.

Zusätzlich zu diesen vier Hauptreferenten stellen weitere elf Filmwissenschaftler in 20-minütigen Kurzvorträgen den Stand der Forschung in sogenannten Panels dar. Hier geht es beispielsweise um Deutsche Science-Fiction-Filme oder um Architektur im Film. Es wird also ziemlich viel geredet und diskutiert werden. Hinzu kommt ein bunter Querschnitt an Filmen, der von dem UFA-Film „FP 1 antwortet nicht“ (mit Hans Albers) über aktuelle Produktionen wie „Her“ und „Snowpiercer“ bis zu dem DDR-Klassiker „Der schweigende Stern“ und der Stanislaw-Lem-Verfilmung „Solaris“ in der russischen Originalversion mit englischen Untertiteln reicht.

Der Etat des Festivals beläuft sich in seinem 20. Jahr auf rund 64 400 Euro, davon finanziert die nordmedia 26 000 Euro, das City 46 steuert 20 000 Euro bei. 15 000 Euro überweist die Sparkasse Bremen im Rahmen des Bremer Filmpreises, die Universität steuert 5000 Euro bei. Wie in den vergangenen Jahren wird erneut eine Dokumentation erstellt, die aber erst im nächsten Jahr zu kaufen sein wird. Dafür ist ab dem 6. Mai die Doku des 19. Symposiums im City 46 erhältlich, die sich um „Film und Geschichte“ dreht.

Die Zukunft ist jetzt – 20. Internationales Bremer Symposium zum Film, 6. bis 10. Mai, City 46. Programm und Infos unter www.city46.de

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+