Jan Josef Liefers im Schlachthof Druckvoller Deutschrock mit Anspruch

Die meisten kennen Jan Josef Liefers als "Professor Boerne" aus dem Münsteraner "Tatort". Doch er kann auch anders: Mit seiner Band Radio Doria trat Liefers am Montagabend im Kulturzentrum Schlachthof auf und sang mit der "freien Stimme der Schlaflosigkeit".
16.09.2014, 15:30
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer

Die meisten kennen Jan Josef Liefers als "Professor Boerne" aus dem Münsteraner "Tatort". Doch er kann auch anders: Mit seiner Band Radio Doria trat Liefers am Montagabend im Kulturzentrum Schlachthof auf und sang mit der "freien Stimme der Schlaflosigkeit".

Sein Partner vor der Kamera tut es. Seine Ehefrau tut es auch. Irgendwie ist es da nur folgerichtig, dass sich auch Jan Josef Liefers neben der Schauspielerei in der Musik versucht. Genau wie Axel Prahl und Anna Loos macht auch er dabei eine gute Figur; vor allem aber stellt er bei seinem Auftritt im Schlachthof unter Beweis, dass der Sänger nicht nur eine weitere Rolle für ihn ist. Beweissicherung ist sein Metier, auch vor der Kamera.

Den neunmalklugen Snobismus des Herrn Professor Boerne streift Jan Josef Liefers ab, wenn er vom Gerichtsmediziner zum Rockmusiker wird. Aber ein irgendwie pathologisches Interesse bleibt und das gilt der „freien Stimme der Schlaflosigkeit“. So ist das Programm und die brandneue CD seiner Band Radio Doria, die zuvor Oblivion hieß, überschrieben, und tatsächlich führt dieses Thema als roter Faden durch den Abend.

Schlaflosgkeit als Inspiration

Damit grenzt sich das Programm deutlich von früheren musikalischen Auftritten Liefers’ ab, als er sich mit dem "Soundtrack meiner Kindheit" an der eigenen und der rockmusikalischen Geschichte in der DDR abarbeitete.

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Ein wenig scheint die hartnäckige Insomnie auch eine Befreiung für den Künstler zu sein, denn so negativ empfindet er das Wachbleiben gar nicht. Zumindest gibt ihm die Grauzone zwischen Tagtraum und Halbschlaf Inspiration für seine Songs, die auch ohne die Prominenz ihres Sängers allemal Relevanz hätten. Das bestens besetzte Quintett Radio Doria hat keine Scheu vor großen Refrains mit Coldplay-Potential und mitzusingenden „Ohohoh‘s“ wie im „Mondlicht“, aber es entwickelt auch überzeugende eigene Ideen.

Mehr Interesse am Tatort-Star als an der Musik

Ihr Vokalist weiß, was er sich zutrauen kann, und bewältigt die selbst gestellten Herausforderungen souverän. Der Thematik entsprechend stehen ein wenig melancholischere Klänge im Vordergrund, die aber auch druckvoll und dynamisch abgefedert werden. Bis sich das Publikum davon bewegen lässt, dauert es relativ lange.

Möglicherweise ist die Neugier, den „Tatort“-Star einmal hautnah zu erleben, beim ein oder anderen Besucher doch größer als die Affinität zum Deutschrock. Liefers lässt sich davon nicht groß beeindrucken, vermutlich kennt er die Situation. Aber er zeigt kämpferische Qualitäten, erzählt ein paar Witze und persönliche Anekdoten, wagt eine Anspielung auf seine Fernsehrolle und gibt sich unverstellt. Auch nutzt er die Bühne, um politische Themen anzusprechen: In dem Song „Unbeschreiblich“ hat er beispielsweise die Erlebnisse eines Syrien-Besuchs verarbeitet.

Persönliche Drehbücher

Nicht nur in diesem Moment wird klar, dass die Musik für Jan Josef Liefers mehr ist als eine Art Ausgleichssport. Hier kann er seine eigenen Miniatur-Drehbücher schreiben und ist frei von Vorgaben anderer. Das nutzt er überzeugend aus, stellt seine persönlichen Themen in den Mittelpunkt, ohne als Selbstdarsteller den Bogen zu überspannen. Genau dafür hat er eben andere Ausdrucksmöglichkeiten. Demnächst ist er wieder auf dem heimischen Bildschirm zu erleben.

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