Afrikanische Autoren schreiben Texte über Bremen und Migration „Du Wunderschöne, du Geizige“

Flüchtlingserfahrung, Migration, die Suche nach Identität: Für Bassirou Ayéva, Akondoh Ali und Mouchi Blaise Ahua sind das Themen, die ihr Leben und ihre Arbeit begleiten. Die drei haben unter dem Titel „Stimmen der Migration: Afrikanische Autoren in Bremen“ im Übersee-Museum aus ihren Werken vorgelesen. Gefühlvoll erzählen sie in Form von Gedichten und Kindergeschichten, welche Fragen und Probleme Migranten haben.
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Von Hasan Gökkaya

Flüchtlingserfahrung, Migration, die Suche nach Identität: Für Bassirou Ayéva, Akondoh Ali und Mouchi Blaise Ahua sind das Themen, die ihr Leben und ihre Arbeit begleiten. Die drei haben unter dem Titel „Stimmen der Migration: Afrikanische Autoren in Bremen“ im Übersee-Museum aus ihren Werken vorgelesen. Gefühlvoll erzählen sie in Form von Gedichten und Kindergeschichten, welche Fragen und Probleme Migranten haben.

Bassirou Ayéva musste etwas Geduld aufbringen, bevor er sich seinem Gedicht widmen konnte. Es dauerte einige Zeit, bis die Tür des „Diorama“-Saals im Übersee-Museum geschlossen werden konnte. Der Andrang zur Lesung „Stimmen der Migration: Afrikanische Autoren in Bremen“ war so groß, dass wegen der feuerpolizeilichen Vorgaben viele Gäste draußen bleiben mussten. Die Situation sei etwas passend zur Lage von Flüchtlingen und ihrer Ausgrenzung durch Vorschriften, merkte die Moderatorin betroffen, aber unkritisch an, bevor sie das Wort an Bassirou Ayéva übergab.

Mit der Lesung endete das Literaturfestival Globale, das Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Herkunft und mehrerer Generationen präsentierte. Das Globale-Thema des kommenden Jahres wird Afrika sein. Das Übersee-Museum arbeitete dabei unter anderem auch mit dem Verein Mate Ni Kani und dem Sujet-Verlag zusammen.

Ein Mann aus Togo

Der 59-jährige Bassirou Ayéva las 30 Minuten lang auf Französisch aus dem „Lied des Spaziergängers“ vor. Absatz für Absatz übersetzte eine Dolmetscherin. Aufmerksam hörten die 70 Besucherinnen und Besucher Ayéva zu, der ihnen mit viel Gefühl und in bedachten Worten die Geschichte eines in Togo geborenen Mannes erzählte, der zum Flüchtling wurde. Ayéva hat seine eigenen Erfahrungen mit Fiktion gemischt. Er erzählt, wie er sein Leben im Exil anfangs sah, aber auch, wie er sich heute in Bremen wahrnimmt.

„Bremen, du Wunderschöne, du Ruhelose, ich werde nicht undankbar zu dir sein. Bremen, du Geizige, du kalte Stadt, lass mich dich trotzdem preisen“, sagt er. Der Togoer arbeitete früher als Journalist bei einer staatlichen Zeitung seines Geburtslandes, doch nach seiner Beteiligung am Volksaufstand 1990 floh er nach Benin, 1994 nach Deutschland. Er lebt in der Gartenstadt Vahr und arbeitet als Sozialarbeiter in einer Flüchtlingsunterkunft. In lyrischer Form äußert er sich zu Fragen und Problemen der Migration und der Suche nach Identität in einem fremden Land.

Auch Mouchi Blaise Ahua und Akondoh Ali trugen Texte im Übersee-Museum vor. Und das Publikum erfuhr viel über die Motive der Autoren. So erzählte Bassirou Ayéva, dass seine Texte nicht immer so traurig gewesen seien, sondern er sich seiner Situation nur angepasst habe. „Ich habe vor 40 Jahren angefangen zu schreiben, damals schrieb ich über den Mond und über Blumen, aber leider ist das momentan nicht die Realität“, sagte er und fügte hinzu, dass das Dichten nun eine Art Therapie für ihn sei.

Es ist ihm aufgefallen, dass sich viele Afrikaner falsche Vorstellungen von Europa machen. Deshalb verbindet er jedes Jahr das von ihm in Togo organisierte Musikfestival „Festekpe“ mit einer Konferenz, in der es ihm um Aufklärung geht: „Wenn ich sehe, dass jemand in Togo eine Arbeit hat, mit der er überleben kann, dann finde ich es nicht klug, dass er das gegen eine ungewisse Zukunft in Europa eintauscht“, sagte Bassirou Ayéva.

Auf der Suche nach Identität

Eine etwas andere Lebensgeschichte hat Mouchi Blaise Ahua geprägt. Er fand seinen Weg nach Bremen unter einfacheren Umständen als Ayéva. Ahua stammt von der Elfenbeinküste und kam mit einem Forschungsstipendium nach Deutschland, hat auch hier promoviert und veröffentlicht Kinder- und Jugendbücher. Dem Publikum der Globale trug er die wahre Geschichte eines jungen Schülers aus Togo vor, der in Begleitung seines Onkels in ein Flugzeug nach Deutschland steigt und seine Identität finden muss.

Emotional berührt war das Publikum vor allem nach dem Vortrag von Akondoh Ali, dem vor vielen Jahren bereits politisches Asyl in Bremen gewährt worden ist. Wie Bassirou Ayéva war er zunächst aus Togo ins Exil nach Benin geflohen. Als Redakteur einer regimekritischen Oppositions-Zeitung soll er in Togo der Regierung ein Dorn im Auge gewesen sein. In Bremen schreibt der 56-jährige Akondoh Ali inzwischen Gedichte und Theaterstücke, einige davon hat er dem neugierigen Bremer Publikum gewidmet.

Eine Besonderheit war, dass seine Familie ihn bei der Lesung unterstützte. Während seine Tochter die auf Französisch vorgelesenen Gedichte ihres Vaters auf Deutsch vorlas, begleitete sein Bruder Djamal Ali die Lesung mit afrikanischen Trommelklängen.

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