Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter blickt auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Stadtteils / Festwoche für Blockdiek Ehrenamtliche Arbeit ist der Kitt für Osterholz

Es ist ein Stadtteil mit langer Geschichte: Osterholz, bestehend aus den fünf Ortsteilen Ellener Feld, Ellenerbrok-Schevemoor, Tenever, Osterholz und Blockdiek, feiert in diesem Jahr sein 835-jähriges Bestehen. Mit der Nutzbarmachung des Gebietes durch Holländer anno 1181 fing alles an.
22.05.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Volkmar Joswig

Es ist ein Stadtteil mit langer Geschichte: Osterholz, bestehend aus den fünf Ortsteilen Ellener Feld, Ellenerbrok-Schevemoor, Tenever, Osterholz und Blockdiek, feiert in diesem Jahr sein 835-jähriges Bestehen. Mit der Nutzbarmachung des Gebietes durch Holländer anno 1181 fing alles an. „Vor 835 Jahren gab es eine große Ansiedlungswelle, die durch den Erzbischof von Bremen beurkundet wurde. Er hatte den Holländern, die die Entwässerungskultur mitbrachten, erlaubt, das Land urbar zu machen“, sagt der Osterholzer Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter. „Vorher war die Gegend Sumpflandschaft; durch die Gräben ist das Land eigentlich nutzbar geworden.“

Die nächste große Veränderung trat mit dem Ellener Hof ein, der vor 125 Jahren durch den Begründer der Inneren Mission Deutschlands, Johann Hinrich Wichern, gegründet wurde. „Es entstand St.-Jürgen-Asyl, heute unter Klinikum-Ost bekannt, dass auch für psychisch Kranke gegründet wurde“, führt Schlüter aus. „Mittlerweile hat diese Einrichtung 1800 Mitarbeiter. Man kann sagen, dass viele Mitarbeiter schon in der dritten und vierten Generation dort arbeiten.“ Mit dem St.-Jürgen-Asyl bekam der Stadtteil Osterholz eine städtische Prägung, bald wohnten hier 8000 bis 9000 Menschen.

„Nach 1945, durch die Gründung Blockdieks, Tenevers und des Schweizer Viertels, kam es zu erheblichen Zuzügen“, erläutert der Ortsamtsleiter. Die meisten „kamen aus den Ostgebieten wie Schlesien oder Ostpreußen, fanden eine Wohnung bei der Gewoba und Arbeitsplätze zum Beispiel bei Borgward oder Nordmende.“ So wurde Osterholz zu einem Stadtteil mit über 40 000 Einwohnern. Sehr bald jedoch prägten Klischees das Image von Osterholz: viel Kriminalität, ein hoher Anteil an Migranten, Hochhäuser, sozialer Brennpunkt.

Tatsächlich aber ist der Stadtteil anders als viele denken. „Durch die erfolgreiche Sanierung Tenevers sind mehr als 800 Wohnungen abgerissen und weitere mit erheblichen Mitteln des Bremer Senats und der Gewoba saniert worden. 5000 Wohnungen konnten dadurch in Tenever als auch in Blockdiek voll vermietet werden“, so Schlüter. Dazu kamen der Ausbau der Infrastruktur, eine schnelle Anbindung an die A 27 und A1 sowie an die Innenstadt mit der Straßenbahnlinie 1. Ein zusätzlicher Pluspunkt: Das Einkaufszentrum Weserpark hat eine enorme Magnetwirkung, sodass zahlreiche Bürger gerne nach Osterholz kommen.

Schließlich darf nicht vergessen werden, dass etliche Menschen gern helfen und sich engagieren – und sich nicht mit Vorurteilen und dem schlechtem Ruf des Stadtteils abfinden wollen. So kantig, bunt, gegensätzlich und mitunter problematisch er auch sein mag. Dazu gibt es vor Ort ein reges Vereinsleben. „Die Vielfältigkeit unterschiedlichster Nationen ist ein Glücksfall für den Stadtteil. In den Vereinen kann ein Zusammenleben stattfinden“, betont Schlüter und fügt hinzu: „Durch die ehrenamtliche Arbeit wird sichergestellt, dass viele Migrantenkinder in den Vereinen Sport ausüben können. Ein besonderer Wunsch von mir ist, dass sich gerade die Eltern von Migrantenkindern mehr in die ehrenamtliche Arbeit einbinden lassen. Denn das ist auch der Kitt, der den Stadtteil zusammenhält.“

Vor zehn Jahren, als Osterholz 825 Jahre bestand, wurde dies eine Woche lang mit vielen Schwerpunkten gefeiert. Schlüter: „Dieses Jahr feiern wir das Jubiläum nicht. Aber wir haben uns vorgenommen, 50 Jahre Blockdiek mit einer Festwoche vom 29. Mai bis 4. Juni zu begehen. Ein kleiner Wermutstropfen ist jedoch, dass wir trotz verschiedener Anträge nicht viele Stadtteilmarketinggelder erhalten haben. So sind wir leider immer wieder auf Sponsorengelder angewiesen.“

VOLKMAR JOSWIG

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