Bremer Journalistin Annette Wagner porträtiert in ihrem Film einen Bauern, der seinem Vieh die Hörner lässt

Ein Außenseiter mit glücklichen Kühen

Bremen. Nach einem Telefonat war ihr klar: Herbert Fleck ist der Richtige. Ein überzeugter Allgäuer Bio-Bauer, bescheiden, mit regionaltypischem Dickschädel – und Kühen mit Hörnern.
25.10.2013, 00:00
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Ein Außenseiter mit glücklichen Kühen
Von Kathrin Aldenhoff
Ein Außenseiter mit glücklichen Kühen

Mit seiner Einstellung macht sich der Bio-Bauer Herbert Fleck nicht nur Freunde. In seinem Dorf ist er ein Außenseiter.

Annette Wagner

Nach einem Telefonat war ihr klar: Herbert Fleck ist der Richtige. Ein überzeugter Allgäuer Bio-Bauer, bescheiden, mit regionaltypischem Dickschädel – und Kühen mit Hörnern. Denn darum geht es in dem Dokumentarfilm „Glücklich statt reich? Vom Power-Bauern zum Bio-Pionier“ der Bremer Journalistin und Filmemacherin Annette Wagner. „Ich war auf der Suche nach einem sehr eigenständigen Charakter“, sagt sie. Das Thema begleitet sie schon lange: Vor rund zehn Jahren nahm sie sich aus einem Stuttgarter Bioladen eine Broschüre mit, die hieß „Die Kuh braucht ihre Hörner!“, herausgegeben vom Allgäuer Arbeitskreis Hörner tragende Kühe.

Nun ist aus dem Thema ein Film geworden, ein Porträt des Demeter-Bauern Herbert Fleck. Es läuft in der Reihe „Menschen unter sich“ des Südwestrundfunks. Zwei Mal hat Wagner mit ihrem Filmteam je eine Woche auf dem Bauernhof des Allgäuers verbracht. Den übernahm der Landwirt 1995 von seinen Eltern. Nach rund vier Jahren wandelte er den traditionellen Betrieb in einen Biohof um. Damit verdient er weniger Geld als vorher, ist aber viel zufriedener mit sich und seiner Arbeit. So erklärt er Annette Wagner: „Die einen wollen in einer Landwirtschafts-Zeitschrift als Powerbauer gefeiert werden. Ich habe mich für etwas anderes entschieden.“

Inzwischen verzichtet Fleck nicht nur auf chemische Schädlingsbekämpfung und füttert Heu und Getreide von den eigenen Wiesen, sondern er hat auch aufgehört, den jungen Kälbern die Ansätze ihrer Hörner auszubrennen. Das Enthornen von Kühen ist in Deutschland eine gängige Praxis: Auch die meisten Bio-Kühe tragen keine Hörner. So können mehr Tiere in einem Stall gehalten werden und die Verletzungsgefahr sowohl für andere Tiere als auch für Menschen sinkt. Fleck ist inzwischen anderer Meinung: „Der Schöpfer hat sich etwas dabei gedacht, als er die Welt so erschaffen hat wie sie ist. Und der Kuh hat er nun einmal Hörner gegeben.“

In ihren Filmen beschäftigt sich Wagner vor allem mit sozialpolitischen Themen. „Ich begleite Menschen, die auf besondere Weise Konsequenz zeigen, die im Alltag Schwierigkeiten angehen.“ Sie will, dass die Zuschauer etwas mitnehmen: eine Kultur des Umgangs miteinander und auch mit Tieren und Umwelt. Andere Filme von Wagner handeln vom Thema Demenz, von einer Familie, in der ein Mädchen mit Down-Syndrom das Leben aller verändert, oder von Kindern und ihren religiösen Ritualen. Als nächstes plant Wagner ein crossmediales Projekt zur Inklusion. „Das werden Dokumentarfilme, die verschiedene gesellschaftliche Bereiche abdecken. Ich will das Thema ungewöhnlicher als sonst definieren.“

Annette Wagner hat auch selbst etwas aus ihrem Film über den Bauern Herbert Fleck mitgenommen. Sie habe zwar schon immer gesund eingekauft. Jetzt achte sie aber auch darauf, wo ihre Milch herkommt.

„Glücklich statt reich? Vom Power-Bauern zum Bio-Pionier“, Sonntag, 27. Oktober, 10.30 Uhr, SWR.

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