Die Kunsthalle Bremen stellt in einer Sonderschau den französischen Künstler Emile Bernard vor

Ein Außenseiter wird neu entdeckt

Er gilt als mutiger und kreativer Impulsgeber der Moderne, war mit Van Gogh, Gauguin oder Toulouse-Lautrec eng befreundet: Emile Bernard arbeitete mit den großen Künstlern seiner Zeit zusammen, stand aber stets in ihrem Schatten und wurde längst nicht so populär wie seine berühmten Zeitgenossen. Dennoch hat Bernard ein beeindruckendes Werk geschaffen, das nun in einer Sonderausstellung in der Kunsthalle neu entdeckt werden kann.
06.02.2015, 00:00
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Ein Außenseiter wird neu entdeckt
Von Uwe Dammann
Ein Außenseiter wird neu entdeckt

Bretonische Frauen in Tracht mit Sonnenschirm. Das Bild malte Emile Bernard 1892, später vollzog er in seinem Werk einen radikalen Stilwechsel, der in der Sonderausstellung der Kunsthalle gut nachvollziehbar wird.

RMN-Grand Palais (Musée D'Orsay Hervé Lewandowski

Er gilt als mutiger und kreativer Impulsgeber der Moderne, war mit Van Gogh, Gauguin oder Toulouse-Lautrec eng befreundet: Emile Bernard arbeitete mit den großen Künstlern seiner Zeit zusammen, stand aber stets in ihrem Schatten und wurde längst nicht so populär wie seine berühmten Zeitgenossen. Dennoch hat Bernard ein beeindruckendes Werk geschaffen, das nun in einer Sonderausstellung in der Kunsthalle neu entdeckt werden kann.

Prostituierte in Pariser Nachtlokalen, Bauern in der Bretagne und orientalisches Leben in Kairo: Der französische Maler Emile Bernard (1868-1941) hat sich und seine Themen zeitlebens neu erfunden. Die Ausstellung „Emile Bernard – Am Puls der Moderne“ in der Bremer Kunsthalle belegt dabei eindrucksvoll, dass Emile Bernard ein äußerst mutiger und kreativer Impulsgeber der Avantgarde war, der gleichzeitig in seinem Spätwerk einen überraschenden Stilwandel zum klassischen Ideal vollzog.

Da sich Bernard damit im 20. Jahrhundert bewusst gegen den vorherrschenden Zeitgeist entschied, erlangte er längst nicht diese Popularität, wie seine berühmten Zeitgenossen van Gogh, Gauguin oder Toulouse-Lautrec, glaubt die Kuratorin der Ausstellung und stellvertretende Direktorin der Kunsthalle, Dorothee Hansen. Emile Bernard war mit den Künstlergrößen seiner Zeit befreundet, zog mit Toulouse-Lautrec durch die Pariser Bars und Bordelle, zeichnete seinen Freund Van Gogh in einer Kneipe. Insofern wirft die Bernard-Ausstellung auch ein interessantes Schlaglicht auf die bedeutende Künstlerszene des 19. Jahrhunderts in Frankreich, deren Werke mittlerweile auf Auktionen für dreistellige Millionensummen verkauft werden und in den großen Museen dieser Welt hängen. Auch für die aktuelle Ausstellung in der Bremer Kunsthalle, die in Zusammenarbeit mit dem Pariser Museé d’Orsay entstand, sind Leihgaben aus der Tate in London, aus dem Van-Gogh-Museum in Am-sterdam, dem Museum of Modern Art aus New York oder sogar aus Japan nach Bremen geholt worden. „So eine Ausstellung ist ein großes, kollektives Unternehmen, das viele Jahre vorbereitet wird“, sagt Kunsthallen-Direktor Christoph Grunenberg. 118 Exponate von Emile Bernard, darunter 55 Gemälde und neun bedeutende Werke von Zeitgenossen – neben Van Gogh auch Cézanne oder Matisse – hat Kuratorin Dorothee Hansen für die Schau zusammengetragen. Außerdem sind Auszüge von Kritiken, kunsttheoretischen Texten und Briefen aus der Feder Bernards zu sehen. Das markanteste an der beeindruckenden Bremer Schau ist deren Vielfalt. Emile Bernard war zeitlebens offensichtlich ein künstlerischer Querkopf, der den gerade vorherrschenden Kunstgeschmack mit seinen überraschenden Stilwendungen provozierte. Beweist er anfangs mit seinen farbkräftigen Bildern wie „Die Weizenernte“ oder „Die roten Pappeln“, dass er sich zum Impressionismus bekennt, malt er zehn Jahre später – zu dieser Zeit lebt er in Ägypten und Spanien – im Stil des Realismus, um sich dann wiederum Anfang des 20. Jahrhunderts am klassischen Ideal nach italienischem Vorbild zu orientieren. „Ich glaube an Gott, an Tizian und an Raffael“, schreibt er im Jahre 1908. Als Motive dienen ihm bretonische Landschaften, Frauen in Trachten, Bettler, Musiker oder Prostituierte, die ihm für Akte Modell saßen. Ebenso finden sich etliche Selbstporträts in der Ausstellung.

Sehenswert auch das erstmals gezeigte Album mit mehr als 850 Zeichnungen, das im Besitz der Kunsthalle ist und erstaunliche Einblicke in die frühe Entwicklung des Künstlers ermöglicht. Darin ist das Porträt enthalten, das Bernard von seinem Freund Van Gogh zeichnete und das am 30. März – dem Geburtstag Van Goghs – öffentlich gezeigt werden soll. Insgesamt präsentiert die Schau Bernard als höchst innovativen Künster, der mutig dem Zeitgeist trotzte. Gleichzeitig bietet die Ausstellung einen rasanten Ritt durch die Kunstgeschichte und wirft ein Schlaglicht auf das Leben eines Künstlers voller Brüche und Visionen, der ein faszinierendes Werk geschaffen hat. Parallel zur Sonderausstellung zeigt das Kupferstichkabinett der Kunsthalle die Ausstellung „Pariser Propheten der Moderne – Grafik der Nabis“ und nimmt damit eine Künstlergruppe in den Blick, die insbesondere in ihren Anfängen im Kontakt zu Emile Bernard stand.

Emile Bernard – Am Puls der Moderne, Kunsthalle Bremen, 7. Februar bis 31. Mai. Öffnungszeiten: Dienstag, 10 bis 21 Uhr, Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr.

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