Roger Willemsen Ein brillanter Intellektueller

Der Bestsellerautor und frühere Fernsehmoderator Roger Willemsen ist tot. Willemsen starb am Montag im Alter von 60 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg.
09.02.2016, 13:07
Lesedauer: 2 Min
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Ein brillanter Intellektueller
Von Uwe Dammann

Der Bestsellerautor und frühere Fernsehmoderator Roger Willemsen ist tot. Dies bestätigten am Montag sein Büro in Hamburg und der Verlag S. Fischer in Frankfurt. Willemsen starb demnach am Vortag im Alter von 60 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg.

Willemsen gehörte zu den bekanntesten deutschen Intellektuellen. Bekannt wurde er vor allem mit essayistischen Reisebüchern und der ZDF-Talksendung „Willemsens Woche“. Die Krebserkrankung war bei Willemsen im August vergangenen Jahres – wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag – festgestellt worden.

Sein Büro hatte damals mitgeteilt, dass er aus diesem Grund alle Veranstaltungen bis zum Ende des Jahres absagen müsse. Betroffen war davon auch die für den 12. Dezember angekündigte Lesung seines Programms „Habe Häuschen. Da würden wir leben“ mit Schauspielerin und Entertainerin Anke Engelke im Großen Saal der Glocke.

Der Hamburger Willemsen hatte eine enge Beziehung zu Bremen und war in den vergangenen Jahren immer wieder an die Weser gereist. Im Jahr zuvor hatte in Willemsen ebenfalls in der Glocke eine Lesung abgehalten und sein Buch „Das Hohe Haus“ vorgestellt. Im gleichen Jahr war er Laudator bei der Vergabe des Albatros-Preises im Bremer Rathaus für die amerikanische Autorin Juli Otsuka, die 2014 den Preis der Günter-Grass-Stiftung erhalten hatte. Im Vorfeld der Preisverleihung gab er dem WESER-KURIER ein Interview über seine neuen Projekte. Auch in der Talkshow 3 nach 9 von Radio Bremen war Willemsen häufig und gern gesehener Gast.

Nach dem Abitur studierte Willemsen zunächst Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte, arbeitete zwischendurch als Nachtwächter, Reiseleiter und Museumswärter. 1984 promovierte er mit einer Doktorarbeit über Robert Musil und arbeitete zunächst als Assistent an der Universität München sowie als freier Autor und Übersetzer. Der Fernsehdurchbruch gelang ihm ab 1991, alsWillemsen von dem Hamburger Pay-TV-Sender „Premiere“ als Moderator für das Interviewmagazin „0137“ verpflichtet wurde. Willemsen führte Gespräche unter anderem mit der Schauspielerin Audrey Hepburn, mit Gefangenen aus der Rote Armee Fraktion, Jassir Arafat, einem Kannibalen und einem entflohenen Bankräuber. Selbst die Vergewaltigung eines jungen Mannes durch dessen Mutter war für Willemsen kein Tabuthema.

1992 wurde Willemsen von einer unabhängigen Kritiker-Jury mit dem „Goldenen Kabel“ für die innovativste Sendung und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Ab 1992 moderierteWillemsen die Sendung im wöchentlichen Wechsel mit Sandra Maischberger. Die beiden Moderatoren sollen damals eine etwa anderthalb Jahre lange private Beziehung geführt haben.

Weiter machte er sich zudem mit der ZDF-Talksendung „Willemsens Woche“ einen Namen. Im Schweizer Fernsehen moderierte er den „Literaturclub“. Mit Produzent Hubertus Meyer-Burckhardt brachte der Regisseur Josef Rusnak 2011, leicht variiert, eine Verfilmung von Roger Willemsens Roman „Kleine Lichter“ heraus. Hauptdarstellerin in dem Monologfilm Valerie ist Franka Potente, die eine Frau spielt, die für ihren im Koma liegenden Mann per Handkamera ein Video bespricht.[13]

Der Tod des Publizisten rief Bestürzung hervor. „Wir trauern um einen bemerkenswerten Menschen und Kollegen“, twitterte das ZDF. „Mit Roger Willemsen verlieren wir einen brillanten Intellektuellen und eine bedeutende Stimme unseres Kulturlebens“, erklärte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel ebenfalls auf Twitter.

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