Am Wochenende dreht sich im Haus Berger alles um Grafiken verschiedenster Couleur Ein Festival der Druck-Sachen

Delmenhorst. Sie war wieder einmal in den sozialen Medien unterwegs, erzählt Julia Vogel. Sie sah Bilder von englischen Künstlern, verbreitet via Twitter.
31.05.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Delmenhorst. Sie war wieder einmal in den sozialen Medien unterwegs, erzählt Julia Vogel. Sie sah Bilder von englischen Künstlern, verbreitet via Twitter. „Die Szene dort ist wirklich gut vernetzt“, erzählt sie. Und ein bisschen neidisch war sie, denn so etwas hätte sie auch gern. Und so reifte langsam die Idee, ein Netzwerk zu schaffen und mit mehreren Künstlern, die sich allesamt der Druckgrafik verschrieben haben, etwas auf die Beine zu stellen. Das Ergebnis: das erste Druckkunst-Festival.

Für dieses Wochenende lädt Julia Vogel also zur Premiere – am Sonnabend, 4. Juni, von 11 bis 17 Uhr und am Sonntag, 5. Juni, von 11 bis 15 Uhr – ins Haus Berger, wo sie auch ihre Craftschöpferey betreibt. Neben ihren Arbeiten stellen zehn weitere Künstler aus, zudem wird der Schauspieler Johannes Mitternacht am Sonntag ab 15.30 Uhr mit einer szenischen Lesung mit Texten von Kurt Tucholsky die erste Auflage des kleinen Festivals beenden. Die aktuell im Haus Berger laufende Ausstellung mit Werken der Malschüler wird am Wochenende ins obere Stockwerk der Villa an der Stedinger Landstraße ziehen.

Julia Vogel ist es gelungen, für ihr Festival gleich eine bunte Mischung verschiedener Techniken zu versammeln. Mit von der Partie ist zum Beispiel Piotr Rambowski, der eigentlich für seine Gemälde bekannt ist, der sich in der Craftschöpferey aber auch an der Technik der Monotypie probierte. Anschließend hat er die Drucke bemalt, sodass ganz eigene Bilder entstanden sind, Julia Vogel nennt sie Mixed-Media.

Ihre Radierungen wird Jutta Gebler ausstellen. Ihr haben es die traditionellen Techniken angetan. „Der Tiefdruck ist für mich eine ganz wichtige Art der Auseinandersetzung mit dem Material“, erzählt sie. Dabei geht es ihr aber auch darum, ihre Arbeiten immer wieder zu variieren und neue Wege zu beschreiten. Für sie hat das Festival ebenfalls einen wichtigen Netzwerk-Faktor, weil sie mit anderen Künstlern ins Gespräch kommen kann. „So viele Tiefdrucker gibt es ja nicht.“

Ein extrem außergewöhnliches Druckmedium hat Marianne Pipping-Rabe für sich gefunden: ihre Keramiken. Entsprechend nennt sie sie auch „Drucksachenkeramiken“. Natürlich wird sie den Besuchern am Wochenende auch erklären, wie das genau funktioniert, was sich dahinter verbirgt, wenn sie „Scherben im Monotypieverfahren mit eingefärbten Engoben bedruckt“, wie es auf ihrer Homepage heißt. Teilweise zeichnet sie auch gewisse Motive auf ihre Arbeiten und verwendet dafür eine Technik, die so ähnlich wie früher das gute alte Blaupapier funktioniert.

Eine Form der Druckgrafik darf bei einem Festival, zumal einem in Delmenhorst, natürlich auch nicht fehlen: der Linolschnitt. Entsprechende Arbeiten wird Gerold Schmidt präsentieren, der in Delmenhorst lebt und sich in seiner Freizeit mit verschiedenen Arten der Druckgrafik beschäftigt und auch ein Faible für das Thema Kunst und Mathematik hat. Er sorgt auch ganz praktisch dafür, dass das Fest eine gewisse familiäre Atmosphäre bekommt: Seine Schwester Johanna Schmidt, die im ostfriesischen Weener lebt und arbeitet, stellt ihre Radierungen und Holzschnitte vor.

Besonders spannend sind laut Jutta Gebler die Arbeiten des Bremers Oliver Regener, der seine Radierungen auf Getränkekartons, also Tetrapacks, macht. „Seine Stärken sind sehr feine ins Detail gehende Aquarelle und ein an die klassische Schule angelehnter Federstrich“, heißt es über ihn in der Ankündigung. Und eben seine Tetradrucke, für die er die Druckvorlage einfärbt, um danach das Motiv auf Büttenpapier zu drucken. Aufgrund der besonderen Beschaffenheit der Vorlage sind nur wenige Exemplare eines Motivs druckbar.

Die weiteren Künstler sind Manfred Schidlo mit Linolschnitten, Lithografien und Monotypien, Uwe Helfrich mit Siebdrucken, Frauke Eilts mit Farb-Radierungen, Julie Luttmann mit Radierungen und natürlich die Festival-Organisatorin Julia Vogel selbst mit ihren Siebdrucken und Monotypien.

Aber die Besucher des Druckkunst-Festivals müssen nicht von Kunstkonsum allein leben, von daher sorgen die Künstler, die im Haus Berger ausstellen, für die Verpflegung mit Speisen und Getränken. Zudem soll es Musik geben – was genau, kann Julia Vogel im Moment auch noch nicht sagen, weil die eigentlich einmal vorgesehenen Musiker abgesagt haben. Außerdem wird noch Kinderschminken stattfinden, falls die Kleinen nicht so viel Lust auf die Drucksachen haben. „Wichtig ist mir auch, dass wir eine ganz familiäre Atmosphäre beim Festival haben“, sagt Julia Vogel. Die Hemmschwelle, die viele Menschen vielleicht sonst davon abhält, eine Kunst-Galerie zu betreten, soll es im Haus Berger einfach nicht geben.

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