Der Hamburger Axel Feige singt beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest Ein Leben für die Musik

Noch wird Axel Feige aus Hamburg-Wandsbek nicht auf der Straße erkannt, kann unbemerkt und unbeobachtet mit Hund und Freundin durch den Stadtpark laufen oder in der U-Bahn fahren. Das könnte bald schon anders sein.
04.02.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mona Adams

Noch wird Axel Feige aus Hamburg-Wandsbek nicht auf der Straße erkannt, kann unbemerkt und unbeobachtet mit Hund und Freundin durch den Stadtpark laufen oder in der U-Bahn fahren. Das könnte bald schon anders sein. Der Musiker ist einer von fünf Kandidaten, die am Donnerstag beim deutschen Vorentscheid „Eurovision Song Contest – Unser Song 2017“ auf der Bühne stehen.

Musik stand für den 28-jährigen Axel Feige schon immer im Fokus. Sie war zu jeder Zeit Teil seines Lebens: Als er mit elf Jahren Fagott zu spielen begann und die Hauptrolle in einer Kinderoper spielte, als er sich mit 15 Jahren Bass beibrachte und seine erste Band gründete oder später während des Geschichtsstudiums. Sein Vater ist es, der ihm die Musik näherbrachte, sei es die von Jimi Hendrix oder Motörhead. Die Musik war immer da.

Axel Feige lebt für die Musik. Es ist das, was ihn ausmacht. Soul, Funk, Blues, Rock – so festgelegt ist und will der Hamburger nicht sein. „Musik ist dazu da, glücklich zu machen.“ Glücklich ist der 28-Jährige, reich nicht. Um sich sein Musikerleben zu finanzieren, arbeitet er nebenbei: mal in der Uni-Bibliothek, mal als Förderlehrer in der Grundschule, oder er gibt Trommelkurse in einer Stadtteilschule. Sein Geschichtsstudium brachte ihm zwar die Zeit, sich in der Musik auszuprobieren, aber nicht den finanziell notwendigen Job. Jeder Monat sei ein Kampf. Er sagt, dass das okay sei, zumindest momentan. „Solange ich so leben kann, war das die richtige Entscheidung.“ Er hat sich entschieden: für die Musik. „Erfolg zu haben ist mir wichtig, davon leben zu können, mein größtes Ziel.“

Jetzt könnte ihm genau das gelingen. Aus rund 2000 Bewerbern wurden er und vier weitere Bewerber ausgewählt, sich als Sänger dem Fernsehpublikum zu stellen. Einer von ihnen wird Deutschland beim Eurovision Song Contest in Kiew vertreten. Die anderen Kandidaten sind alle jünger, und alle weiblich. Am kommenden Donnerstag präsentieren sie sich in einer dreistündigen Vorentscheid-Show zur besten Sendezeit, um 20.15 Uhr im Ersten, live aus Köln. Dabei sind auch Lena, Tim Bendzko und Florian Silbereisen, die die Auftritte der fünf Kandidaten kommentieren. Bewertet werden sie aber ausschließlich von den Zuschauern. „Ich habe Bock, die Massen mit meiner Stimme zu erreichen. Wenn ich singe, hole ich das Beste für den Moment heraus“, sagt Feige.

Die Kandidaten singen zunächst einen Coversong, dann zwei Songs, die Songwriter speziell für den ESC geschrieben haben. Sie heißen „Perfect Life“ (von Lindy Robbins, Dave Bassett, Lindsey Ray) und „Wildfire“ (von Marit Larsen, Greg Holden, Tofer Brown). Seine eigenen Songs darf Axel Feige nicht singen. „Ich werde die Songs zu meinen eigenen machen“, sagt er selbstbewusst. Und dafür wird immer und überall geübt, beim Spazierengehen mit dem Hund im Stadtpark oder in der U-Bahn mit Kopfhörern. Letzteres wird ihm gerade erschwert, sein Hund hat das Kabel von den Kopfhörern durchgebissen. Und trotzdem: „Ich lerne die Songtexte rauf und runter, um eine Beziehung zum Text aufzubauen“, so der 28-Jährige.

„Ich habe eine verlebte Stimme, vielleicht kann ich damit punkten.“ Angst zu scheitern hat der Hamburger nicht. „Ich habe jetzt schon gewonnen.“ Für ihn gibt es ein Leben davor. Und danach, auch wenn er nicht gewinnen sollte. Ob als ESC-Kandidat für Kiew oder nicht, zwei Tage nach seinem Auftritt in Köln spielt der Musiker mit seiner Band „Diazpora“ im Hamburger Mojo-Club und stellt deren neues Album „Islands“ vor. Einen besseren Zeitpunkt könnte es nicht geben.

Axel Feige sieht den ESC als Sprungbrett, um bekannter zu werden, Aufmerksamkeit zu bekommen, Kontakte knüpfen zu können. Seit 13 Jahren macht er professionell Musik. Um Erfolg zu haben, fehlen ihm laut eigener Aussage genügend Beziehungen, Glück und Geld. Er sei nicht so der Geschäftsmann, der sich gut verkaufen könne. Damals mit 15 Jahren hatte er sich das alles einfacher vorgestellt. Mit seiner Teilnahme am ESC-Vorentscheid ist er seinem Ziel jetzt ein Stück näher gekommen. Erste Ergebnisse hat das Ganze schon. Sein Telefon klingelt häufiger. Und auch in der Öffentlichkeit wurde er letztens erkannt, an dem Tag, als seine Teilnahme öffentlich wurde. In der U-Bahn wurde er angesprochen. Ein kleiner Glücksmoment auf dem langen Weg zum großen Erfolg.

Das Erste zeigt den ESC-Vorentscheid am Donnerstag, 9. Februar, live ab 20.15 Uhr.
„Solange ich so leben kann, war das die richtige Entscheidung.“ Axel Feige
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