"Tatort"-Rezension Ein Psychopath in Höchstform

Dortmund. Die Onlineredaktion des WESER-KURIER rezensiert jeweils die aktuelle Folge des "Tatort" - diesmal: "Eine andere Welt" des WDR.
Lesedauer: 1 Min
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Ein Psychopath in Höchstform
Von Birgit Bruns

Dortmund. Zu einem guten „Tatort“ gehört der menschelnde Kommissar einfach dazu. Das zeichnet die Krimireihe aus. Die Dortmunder Produktion „Eine andere Welt“ hat den Bogen allerdings deutlich überspannt. Der eigentliche Kriminalfall gerät völlig ins Abseits. Schade, denn die Geschichte ist gar nicht mal so schlecht.

Die 16-jährige Nadine Petzokat wird tot im Phönixsee gefunden. Schnell wird den Kommissaren klar, dass sie ermordet worden ist. Offenbar wollte Nadine aus der trüben Hochhaussiedlung ausbrechen und Karriere machen. Doch Nadines neues Leben gefällt weder ihrem Bruder Marcel, noch Ex-Freund Tarek. Doch auch ihre neuen Freunde, die Promi-Söhne Konstantin und Lars, sind alles andere als Unschuldslämmer.

Ghetto gegen High Society - das klingt nach spannenden Ermittlungen. Doch die Hoffnung auf gute Krimi-Unterhaltung verpufft schnell. Für schnöde Recherchen und Befragungen haben die Dortmunder Kommissare einfach keinen Nerv.

Schließlich hat jeder von ihnen gerade ein massives Problem, das dem Zuschauer auf keinen Fall vorenthalten werden darf: Kommissarin Nora Dalayhat keine Lust, auf die Hochzeit ihrer Cousine zu gehen. Sie stürzt deswegen in ein Gefühlschaos, das der Zuschauer ausführlich miterleben muss - ihn aber kein Stück weiterbringt oder überhaupt irgendwie von Interesse ist. So richtig kurios wird es allerdings erst, als die von der Midlife-Crisis gebeutelte Kommissarin Martina Bönisch allen Ernstes einen bestellten Callboy wieder wegschickt, weil ihr plötzlich einfällt, dass sie vielleicht mal mit ihrem Mann reden sollte.

Statt die Charaktere langsam aufzubauen, versuchen die Tatort-Macher, den Zuschauer gleichzeitig in die Gefühlswelt aller vier Polizisten einzuführen. Das kann nur schief gehen. Es hätte völlig ausgereicht, die einzig interessante Privatgeschichte dieser Episode zu erzählen: Kommissar Faber (überzeugend: Jörg Hartmann) bekommt erstmals einen Beweis dafür, dass seine Frau und seine Tochter gar nicht bei einem Unfall gestorben sind, sondern jemand die Hände im Spiel hatte.

Natürlich rastet er völlig aus und zertrümmert erstmal ein Waschbecken. Ein Psychopath in Höchstform. Das ist spannend. Darüber möchte der Zuschauer mehr erfahren. Drohende Hochzeiten und verschmähte Callboys wirken dagegen einfach nur lächerlich.

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