Ein Tag der Begegnung

Der Mann der vielen Stimmen Zunächst galt es dem – passend zur „Maritimen Woche“– eingesetzten Schietwetter zu trotzen. Bis zum frühen Nachmittag beherrschte unnachgiebiger Nieselregen die Festtagsszenerie.
20.09.2015, 00:00
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Ein Tag der Begegnung
Von Milan Jaeger

Der Mann der vielen Stimmen

Zu

nächst galt es dem – passend zur „Maritimen Woche“ – eingesetzten Schietwetter zu trotzen. Bis zum frühen Nachmittag beherrschte unnachgiebiger Nieselregen die Festtagsszenerie. Entertainer und Comedian Markus Weise ließ sich davon nichts anmerken: „Ich wurde vom WESER-KURIER schon häufig als Parodist beschrieben.“ Sprach’s und brachte sogleich den Beweis, warum das so ist. Nacheinander schlüpfte Weise in die Rollen Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Franz Beckenbauer und Udo Lindenberg. Letzterer war erst am Donnerstag für ein Konzert für Flüchtlinge in Bremen aufgetreten. Und weil Weise ein treuer Leser des WESER-KURIER ist, hatte er zu jeder dieser Personen des Zeitgeschehens einen Textausschnitt parat. Auch seine persönliche Verbundenheit mit der Zeitung stellte Weise auf sehr eigene Art und Weise unter Beweis: „1997 stand der erste Artikel über mich im Delmenhorster Kurier. Wer weiß, ob ich heute hier stünde, wenn das nicht so gewesen wäre.“ Und Weise wäre nicht Weise, wenn er nicht hinzugefügt hätte: „Wenn ich mich zwischen euch und einer Traumreise entscheiden müsste, würde ich euch sehr vermissen.“ Wir Sie auch, Herr Weise.

Vor der Bühne, auf der nach dem Auftritt Markus Weises ein lokalpolitischer Talk und ein Gespräch zwischen Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) und Chefredakteur Moritz Döbler stattfanden (siehe auch unsere Berichte auf Seite 7), tummelten sich die unterschiedlichsten Menschen: „Zingerer, Gerhard“ und „Kurz, Alexander“ zum Beispiel. Wie die Art und Weise der Namensnennung schon verrät, stammen die beiden aus Bayern. Genauer: Aus Ingolstadt. In Trachten gekleidet, hatten sie sich am frühen Sonnabendmorgen in den Bus gesetzt. Ankunft in Bremen: 10.30 Uhr. „Wir sind für das Spiel zwischen Werder und dem FC Ingolstadt gekommen“, berichtete Zingerer. Die Zeit bis zum Anstoß vertrieben sie sich vor dem Pressehaus.

Auch politische Aktivisten nutzten die Gelegenheit, um ihr Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen. Piet Ording und Franz Kohlweck kamen zur Gesprächsrunde mit Bausenator Joachim Lohse (Grüne), SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe, Joachim Barloschky vom Bündnis Menschenrecht auf Wohnen und Peter Sakuth, dem Vertreter der privaten Wohnungsbauwirtschaft.

Ording und Kohlweck sind Mitstreiter von Joachim Barloschky und spannten vor der Bühne kurzerhand ein großes Transparent auf, auf dem in großen Lettern „Menschenrecht auf Wohnen“ steht. „Bei dem Leerstand, den wir in Bremen haben, müsste eigentlich niemand auf der Straße leben müssen“, sagte Ording. Das Aktionsbündnis vermittelt Wohnungen an Wohnungslose.

Zweites Treffen nach 31 Jahren

Für Peter und Helga Haermeier ist der Blick zurück auf 70 Jahre WESER-KURIER auch ein Blick auf das eigene Berufsleben. Er hat 35 Jahre im Druckhaus gearbeitet, sie ist seit 38 Jahren Zeitungs-Zustellerin. Sigi Strauss-Magura dagegen guckt an diesem Sonnabend nur nach vorne: auf Til Mette. 1984, genauer in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar, war sie dem WESER-KURIER-Karikaturist Til Mette zum ersten Mal begegnet. Gemeinsam mit vielen anderen war die 58-Jährige zum Pressehaus gekommen, um ein Autogramm von Mette zu ergattern.

Mitgebracht hatte sie ein Poesiealbum. Auf einer der hinteren Seiten hebt Sigi Strauss-Magura ein ganz besonderes Andenken auf: eine Karikatur von Til Mette, gezeichnet in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar 1984. „Liebe Sigi“, steht da, „lieber Red Wine als Dead sein.“ Seitdem hat Sigi Til Mette nie wieder gesehen – bis zu diesem Tag, 31 Jahre später.

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