Peter Schelshorn, der Bürgermeister von Joachim Löws Heimatstadt Schönau im Schwarzwald, über eine Ehrung für den Bundestrainer

„Eine ganz tolle Idee“

Deutschlands Fußball-Bundestrainer Joachim Löw stammt aus Schönau im Schwarzwald. Dort wird nun eifrig diskutiert, wie man den Weltmeister am besten ehren kann.
19.07.2014, 00:00
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„Eine ganz tolle Idee“
Von Andreas Lesch
„Eine ganz tolle Idee“

Das Ortsschild von Schönau (Baden-Württemberg) ist am 14.07.2014 mit einem Schild mit der Aufschrift "Löwnau" überklebt. Die Ortsschilder der Heimatgemeinde von Bundestrainer Joachim Löw sind nach dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft mit Löwnau beklebt worden. Foto: Achim Keller/dpa (zu lsw "In seiner Heimat soll Jogi Löw zum Denkmal werden" vom 14.07.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Deutschlands Fußball-Bundestrainer Joachim Löw stammt aus Schönau im Schwarzwald. Dort wird nun eifrig diskutiert, wie man den Weltmeister am besten ehren kann. Andreas Lesch hat mit Bürgermeister Peter Schelshorn darüber gesprochen.

Bei Ihnen in Schönau im Schwarzwald stehen große Entscheidungen an. Zu lesen ist, Sie wollten eine Straße, einen Platz oder das Stadion nach Joachim Löw benennen. Welche Variante wird‘s?

Peter Schelshorn: Am kommenden Montag haben wir Gemeinderatssitzung. Dann wird abgestimmt.

Wie ist der Stand der Dinge?

Stand der Dinge ist, dass wir uns Gedanken machen, wie wir Jogi Löw ehren. Das könnte auch durch eine Statue oder eine Ehrenbürgerschaft sein. Bei Straßen- und Platz-Umbenennungen bin ich vorsichtig. Weil man das normalerweise nur bei Personen macht, die schon tot sind – und ich wünsche Jogi Löw, dass er noch lange lebt.

Welche Straße käme denn überhaupt für eine Umbenennung infrage?

Wir haben derzeit kein Neubaugebiet, also müssten wir eine bestehende Straße umbenennen. Dann sollte es natürlich nicht die hinterste Straße im hintersten Winkel sein, sondern eine wichtige Straße. Und da würden sich manche Leute bei uns bedanken und sagen: Mensch, jetzt muss ich überall meine Adresse ändern – wenn ich vielleicht auch stolz bin auf Jogi Löw. Ob das immer so gewünscht ist . . .

. . . das kann man bezweifeln.

Genau. Ich hab‘ gestern bei einer Tagung von einem Tourismus-Professor aus Kiel die Information bekommen: Ein Hype wie nach der WM 2006 hält ein Vierteljahr. Selbst wenn er jetzt bei uns vier Monate halten sollte – irgendwann ist der Hype vorbei.

Welche Ehrungs-Variante ist Ihr Favorit?

Das will ich mit den Gemeinderäten diskutieren, nicht in der Presse.

Wie finden Sie die Idee mit der Statue?

Diese Idee ist von den Medien an uns herangetragen worden: ob wir uns nicht eine zwei Meter hohe Löw-Statue in den Ort stellen wollen. Mein Favorit ist das nicht.

So eine Statue wäre ja auch ein ganz schön mächtiges Teil.

Sehe ich genauso. Wir hätten schon Möglichkeiten und Plätze dafür. Aber, wie gesagt: Das wird am Montag entschieden. Da sitzen dann 13 Leute, die das diskutieren: zwölf Gemeinderäte und ich. Bisher haben wir immer Entscheidungen mit großer Mehrheit hinbekommen. Nach den Gesprächen, die ich seit der Weltmeisterschaft geführt habe, glaube ich, dass wir am Montag sogar eine einstimmige Entscheidung hinbekommen.

Gibt es in der Bevölkerung auch einen so klaren Favoriten?

Ja.

Mögen Sie den verraten?

Nee.

Och, bitte!

Ich bin gemein, ich weiß es.

Wenn ich auf die Stadion-Umbenennung tippe, liege ich nicht ganz falsch, oder?

Ich kann wirklich nichts dazu sagen. Seien Sie mir bitte nicht böse!

Wie ist die Stimmung im Rat und im Ort?

Die Stimmungslage ist, dass man unbedingt was machen sollte, um Jogi Löw zu ehren. Das ist schon mal vor vier Jahren im Gemeinderat ein Diskussionsthema gewesen und vor zwei Jahren auch.

Obwohl‘s bei der WM 2010 und bei der EM 2012 mit dem Titel noch nicht ganz geklappt hat.

Genau. Aber jetzt hat‘s geklappt! Mehr als Weltmeister können wir nicht werden.

Haben Sie Joachim Löw nach der WM eigentlich schon persönlich gratuliert?

Nur per E-Mail.

Hat er geantwortet?

Er hat noch aus Rio zurückgeschrieben und sich bedankt. Irgendwann vorm Abflug muss das gewesen sein.

Aus Rio noch? Mannomann! Was hat er denn geschrieben?

Er hat sich bedankt, kurz und knapp – so wie ich ihn kenne: „Ihnen lieben Dank. LG, Jogi L.“.

Waren Sie bei der WM sehr aufgeregt wegen Ihrer Verbundenheit zu Löw?

Ja. Während des Finales bin ich immer nervöser geworden. Ich hab‘s beim Public Viewing angeschaut, mit Freunden und mit meiner Lebenspartnerin. So ein spannendes Spiel – das hat bei mir nicht gerade einen ruhigen Puls gefördert.

Sie haben am lautesten geschrien?

Ich hab‘ relativ laut geschrien. Sie hören‘s ja immer noch an meiner Stimme. Aber ich behaupte: Ich war nicht der Lauteste.

Haben Sie Löw schon mal gefragt, welche Art der Ehrung ihm die liebste wäre?

Nicht im Detail. Ich werde mit der Entscheidung des Gemeinderats zu Jogi Löw und seiner Familie gehen. Und ich hoffe, dass er diese Entscheidung dann so annimmt.

Löw wird ja auch jetzt schon bei Ihnen gewürdigt. Ein Radiosender hat die Ortsschilder überklebt – und Schönau in Löwnau umbenannt.

Eine ganz tolle Idee! Wobei: Es gibt vier Ortsschilder, und bei einem ist der Aufkleber schon wieder ab. Keine Ahnung, ob das ein Fan war. Ich weiß nur, dass auch schon das Fußball-Museum aus Dortmund angefragt hat, ob sie den haben können.

Wollen Sie Ihren Ort nicht einfach dauerhaft in Löwnau umbenennen?

Das werden wir nicht machen. Die Stadt Schönau im Schwarzwald hat letztes Jahr ihr 900-jähriges Jubiläum gefeiert. Wir haben uns 900 Jahre so genannt, und jetzt sollen wir uns umbenennen? Das kann ich schlecht erklären. Da bekomme ich Ärger.

Zur Person

Peter Schelshorn (41) ist Bankfachwirt und seit Oktober 2012 Bürgermeister der Stadt Schönau im Schwarzwald. Schönau liegt im Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg und hat 2300 Einwohner.

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