Vergnüglicher Spielzeitauftakt im Stadttheater Bremerhaven mit Cole Porters Musical „Anything Goes“ Eine Klasse für sich

Bremerhaven. Kann man es schon Tradition nennen, wenn das Stadttheater Bremerhaven zum dritten Mal die Spielzeit mit einem Musical eröffnet? Nach „Singin’ in the Rain“ und „West Side Story“ fiel diesmal die Wahl auf „Anything Goes“ von Cole Porter. Das Werk aus dem Jahr 1934 erwies sich, wie auch die Musicals der vergangenen Spielzeiten, als sehr gute Wahl.
21.09.2015, 00:00
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Von Wolfgang Denker

Kann man es schon Tradition nennen, wenn das Stadttheater Bremerhaven zum dritten Mal die Spielzeit mit einem Musical eröffnet? Nach „Singin’ in the Rain“ und „West Side Story“ fiel diesmal die Wahl auf „Anything Goes“ von Cole Porter. Das Werk aus dem Jahr 1934 erwies sich, wie auch die Musicals der vergangenen Spielzeiten, als sehr gute Wahl. Denn die musikalische Qualität der „guten alten Stücke“ ist hervorragend und unterscheidet sich wohltuend von der Klang-Soße vieler heutiger Musicals – von der Vielfalt der Melodien und der Originalität des Orchestersatzes ganz zu schweigen.

Gleich bei der schmissigen Ouvertüre ist man entzückt von der jazzigen Musik, die vom Philharmonischen Orchester Bremerhaven hervorragend umgesetzt wurde. „Die Musiker wissen, wie Musical läuft“, sagte Dirigent Ido Arad in einem Gespräch. Und das war auch zu hören. Da blieb in Sachen Schwung, Rhythmus und Präzision kein Wusch offen. Der Streicherapparat war auf eine einzige Geige reduziert, hier hatten die Bläser das Wort. Wie Ido Arad, das Orchester und die Solisten die vielen klassischen Songs von Cole Porter, von denen viele Eingang in das „American Songbook“ gefunden haben, zum Leben erweckten, war eine Klasse für sich: „I get a kick out of you“, „It’s de-lovely“, „Easy to love“ und viele andere gehören dazu.

Die Geschichte spielt während einer Schiffsüberfahrt von New York nach London und ist eine pfiffige Slapstick-Komödie mit vielen Verwechslungen und skurrilen Situationen. An Bord tummeln sich der Wall-Street-Makler Whitney und sein Assistent Billy Crocker, der sich aus verzweifelter Liebe zu Hope Harcourt heimlich an Bord geschlichen hat. Hope soll nämlich den spleenigen Lord Oakley heiraten, der wiederum seine Leidenschaft für Reno Sweeney entdeckt, eine sich auch als Predigerin betätigende Nachtklubsängerin. Dass sich auch noch der gesuchte Gangster Moonface mit seinem Liebchen Emma an Bord befindet, trägt zur Verwirrung bei.

Eine Bar, eine Gangway und dann schließlich die monumentalen Schiffaufbauten mit Decks und einem Schornstein gaben den von Manfred Breitenfellner gestalteten Rahmen für das turbulente Geschehen. Regisseur Nico Rabenald steuerte den Dampfer mit viel Spielwitz, mit vergnüglichen Dialogen und mit der furiosen Choreografie von Andrea Danae Kingston sicher bis zum unvermeidlichen Happy End. Es sind viele kleine Szenen und Pointen, die den Reiz der Inszenierung ausmachten.

Etwa, wenn Emma eine Matrosenuniform besorgen soll, was ihr mit weiblichen Reizen nicht schwer fällt. Oder wenn der Lord mit seiner Seekrankheit kämpft. Oder wenn Whitney in der Badewanne sitzt und ein bierzelttaugliches Walzerlied schmettert. Bezaubernde Stimmung kam außerdem bei dem Liebesduett „Easy to love“ auf, als die Bühne in blaues Licht getaucht wurde und Billy mit Hope traumverloren tanzte. Und Renos „Predigt“ erwies sich als opulente Shownummer („Blow, Gabriel, blow“).

Das Ensemble sang, spielte und tanzte ohne Ausnahme auf hervorragendem Niveau. Sopranistin Regine Sturm als Hope erwies sich einmal mehr als sehr musicaltauglich, Michael Ernst war als Billy Crocker ein sympathischer Tausendsassa. Dorothea Maria Müller war als Reno eine Art Drahtzieherin, die als einzige den coolen Überblick hatte. Oliver Weidinger gab einen prachtvollen Whitney ab, Alexander Kerbst war ein formvollendeter Lord, der sich zu wahrer Leidenschaft beflügeln ließ.

Die Gangsterbraut Emma wurde von Carolin Löffler sehr sexy gespielt und zeigte in ihrem Solo beachtliches Stimmpotenzial. Und Thomas Burger bereitete als schlitzohriger Moonface reinstes Vergnügen.

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